| Cagliostro | Man hat das Gefühl, wenn man unter Bekanntschaften liest, dass der eine oder die andere zwar Bekanntschaft sucht, aber doch nicht so richtig. Dass die meisten Menschen sich gar nicht mehr auf einen anderen Menschen einlassen können oder wollen. Die Welt ist schneller und damit oberflächlicher geworden, ich selbst ertappe mich dabei, wie ich in der Tageszeitung nur noch die Überschriften lese und gleichzeit läuft der Fernseher. Mir geht das im Grunde auf die Nerven, aber trotzdem tu ich es! Warum ist der heutige Mensch und da zähle ich mich halt auch irgendwie dazu so abweisend. Warum bin ich so abweisend, wenn ich durch die Stadt laufe, es darf mich niemand anreden oder noch schlimmer in ein Gespräch verwickeln. Irgendwie bin ich aber mit dieser Haltung gar nicht alleine, die meisen anderen machen es auch so. Man dürfte selbst auch niemand ansprechen, wenn man das wollte. Ein Teufelskreis, nun, ich sage ja nicht, dass ich besser bin, als die anderen Menschen. Warum sind wir so? Warum gehen wir so achtlos miteinander um? Wasch mir den Pelz, aber berühr mich nicht! |
| Any Body | Hallo Cagliostro, mir sind Deine Beobachtungen auch schon aufgefallen. Angesprochen wird man selten und wenn, dann könnte es passieren, dass der Zeitpunkt oder auch der Anlass der Ansprache unwillkommen war/ist. Beispielsweise in der Bahn, manchmal steigt hier ein "fröhlicher" Musiker ein, der dann die Reisenden im Abteil bis zur nächsten Station unterhält, ob Sie nun wollen oder nicht. Auch trifft man in einem Bahnabteil häufiger auf Menschen, die auf der Straße leben, und sich durch die Möglichkeit, dass sich niemand abwenden kann, weil er nichts geben möchte, um finanzielle Unterstützung bitten. Durch die Tatsache, dass man selbst nicht entscheiden konnte, ob man demjenigen helfen möchte, fühle ich mich persönlich durch diese direkte Aufforderung "genötigt". Hinzu kommt, zumindest bei mir, dass im beruflichen wie auch privaten Umfeld mit der Zeit Ereignisse an einen herangekommen sind, die eine mögliche Schutzhülle nicht abfedern konnte. Insofern würde ich die Oberflächlichkeit, die Du beschreibst nicht unbedingt als Oberflächlichkeit sehen, sondern als Schutzhülle vor allzu starker Nähe. Ich selbst möchte nicht wieder verletzt werden oder in ein "offenes Messer" laufen und suche mir den Zeitpunkt aus, wann ich mit meinem Umfeld persönlich in Kontakt trete. Ich hoffe, dass ist irgendwie nachvollziehbar? Herzliche Grüße Any B. |
| Cagliostro | @Any B Es war ja auch nicht als Anklage gemeint, eher als Selbstanklage. Denn es gelingt mir ja selbst nicht, so offen zu sein, wie es vielleicht nötig wäre, um einfach mehr Kontakte zu anderen Menschen zu haben. Dabei könnte ich nicht sagen, dass ich sie generell ablehne, aber meine Angst vor Verletzungen ist schon gross. Wie bei vielen Menschen hängt dies mit den üblichen Dingen, u.a. auch Kindheit usw. zusammen, ist auch nicht weiter erwähnenswert, aber dennoch halt ein Grund sich nicht allzu sehr zu öffnen. Insofern gebe ich dir recht. Lösung habe ich leider so keine. |
| ShacklesOfFear | [QUOTE][i]Original geschrieben von Cagliostro [/i] [B]Lösung habe ich leider so keine. [/B][/QUOTE] Lösungen wird dir leider auch niemand geben können. Die musst du selbst finden, egal wie oft dir ein anderer etwas "besseres" vorbetet. Ich selbst habe geglaubt mit einem neuen Anfang könnte dieses Abkapseln besser werden. Denn etwas andres ist es doch nicht. Man verschließt sich vor der Umwelt, die Zeit zieht an einem vorbei und irgendwie interessiert es nicht mehr. Gebessert hat sich allerdings wenig. Immerhin lass ich mich auch mal von Fremden ansprechen und antworte - je nach Stimmung eben mal kürzer, mal ausführlicher (man kann auch nicht verlangen, dass man freundlich lächelnd auf jeden zugeht, oder?!). Aber wenn mir dann doch einer zu nah kommt schlag ich auch um mich. Woran das liegt, wird vielleicht jeder selbst sagen können, bei einigen, wie du schon meintest, sicher an der Kindheit bzw anderen negativen Erfahurungen. Bei anderen vielleicht, weil sie es nicht anders gelernt haben und in ihrer Umgebung auch nicht anders sehen. Und was können wir jetzt dagegen tun? Den Anfang machen und der Welt wieder etwas offener entgegentreten? Es erfordert etwas Überwindung, aber es ist möglich. Es sagt ja keiner, dass wir unser Privatleben vollkommen preisgeben müssen, zumindest nicht jedem Menschen. Was die engeren Beziehungen (ob nun freundschaftlich oder in einer Partnerschaft) angeht - ja, wir müssten alle irgendwie an uns arbeiten, aber die Welt ist zu bequem geworden.... - ich schließe mich da nicht aus. |
| Cagliostro | @Shackles Es gibt Menschen, da kann ich durchaus mich einlassen. Jedoch ist es da immer noch schwierig, weil ich stets den nächsten vermeintlichen verbalen Angriff vermute. Mir kommen manchmal die Worte von Bekannten so einstudiert vor, so unwirklich. So eher unzufällig, dass es schon wieder auffällt. An was das liegt habe ich nicht herausgefunden. Manchmal komme ich mir vor wie der Hauptdarsteller in der Truman-show. |
| ShacklesOfFear | [QUOTE][i]Original geschrieben von Cagliostro [/i] [B] Manchmal komme ich mir vor wie der Hauptdarsteller in der Truman-show. [/B][/QUOTE] Auch wenn ich bei diesem Satz schmunzeln musste, irgendwie hast du Recht damit. Es ist manchmal so seltsam normal, so gezwungen normal, dass es schon wieder unnormal ist. Was mir zumindest immer öfter auffällt, ist das von dir ebenfalls angesprochene Verhalten von Bekannten. Man trifft sich und ist sowas von schei*e freundlich zueinander, dass man auf dem eignen Schleim schon fast ausrutschen müsste. Warum tun die das? Warum nicht einfach mal den andern anfauchen und kundtun, dass man schlechte Laune hat oder grade einfach nicht reden will? Irgendwie.... seltsam... Zwar reden die Menschen immer weniger miteinander, aber wenn sie es tun, dann sind sie auch nicht mehr ehrlich zueinander. Eine Welt, die man verstehen soll - ich jedenfalls pack's nicht. |
| elle! | @ Cagliostro : Ich kann dir eigentlich neine Lösung anbieten; ich zum Beispiel habe ,zumindest theoretisch ,keine schlimmen Erfahrungen gemacht ; dennoch bin ich mehr als Menschenscheu. Selbst leuten die ich eigentlich schätze, weil sie so akzeptieren wie ich bin ,kann ich mich kaum öffnen. Aus dem einfachen Grund dass mich der Mensch an sich (kein einzelner im speziellen, sondern einfach das lebewesen ) enttäuscht, es gibt sicher Ausnahmen (zb. hier im board) aber auf mich wirken die meisten menschen stupide und irgendtwie naja lächerlich, Ich vermute immer erst mal das schlechteste , sodass mir erstmal keiner zu nahe kommen soll -klingt das logisch ?-vermutlich nicht. Vielleicht liegt es einfach an mir? Wolllen wir unsere eigenen Fehler nicht wahrhaben oder sind schlicht zu bequem um an uns zu arbeiten?(ja ich bin arrogant und in dem bezug auch intolerant) vieleicht liegt ja die wahrheit irgendtwo in den undefienier-/unfassbaren Grauzonen |
| Neya | Ja, mir ist das alles irgendwie auch schon aufgefallen *grummel* Und das mit dem Fernsehen/Überschriften in Zeitungen lesen - vielleicht ist es ja einfach nur ein Überangebot an Informationen.... Wenn ich das so sehe, frage ich mich, was meine Kinder mal in Geschichte alles lernen müssen, die letzten hundert Jahre sind genausoviel Stoff wie die tausend davor (oder so ähnlich - ich hoffe ihr wisst was ich meine). Ich ertappe mich auch dauernd dabei wie ich Leute beobachte, die dauernd total freundlich zueinander sind und kaum sind sie bei jemand anderem wird gegenseitig abgelästert - ich frag mich da immer, warum man nit gleich unfreundlich ist *lach*. Mich nervt es inzwischen auch, dass die Jahre nur so vorbeifliegen, man bekommt so mehr oder weniger vom Weltgeschehen mit und lebt ansonsten in seiner kleinen "normalen" und heilen Welt - irgendwie ;) Sry, ich komm in's Schwafeln! Also ich bin sowieso sehr verschlossen, anderen Gegenüber - "fremden" Leuten. Eben ein Einzelgänger, oder besser gesagt, durchs Leben eben jenes geworden. Wenn ich scheiße drauf bin, dann schnauz ich auch schonmal jemanden an und zu den Leuten, die ich eh nicht mag bin ich auch dementsprechend unfreundlich. Vll. durch die lange Zeit ohne jegliche soziale Kontakte, aber ich kann sowas nicht hinter eine freundlichen Maske verbergen. Ich mag es nicht, mit vielen Leuten irgendwo zu sein, am liebesten sind mir 1-2 gute Freunde und das wars. Mit denen kann ich schwafeln und lachen - diesen Smalltalk (wie sehr oft auf diesen single-Seiten zu finden) hasse ich ja wie die Pest...:rolleyes: Der Mensch ist in den letzten zwar "global" (vernetzt) geworden, allerdings geht dadurch irgendwie die Gemeinschaft verloren, man ist nur noch Individuum. Also ich meine im Sinne von "Familie". Der Begriff hatte früher noch eine ganz andere Bedeutung, bis hin zu Clans; man hatte eine Zugehörigkeit. Heute ist man das Kind einer alleinerziehenden Mutter, die einen Job hat, man sucht sich Freunde in Buxtehude die man im Netz kennenlernt und reist nach Japan um dort Urlaub zu machen und Bekannte/Verwandte zu treffen. Okay, vll. übertreib ich, aber ich hoffe, dass, was ich meine kommt irgendwie durch!?!? *grübel* Gute Nacht *auf Uhr guck* Und sry für das ungeordnete Posting ;) |
| Cagliostro | @All Naja, sicher liegt einiges bei mir selbst im Argen. Ob es wirklich eine Folge meiner nicht gerade linear verlaufenen Kindheit ist, sei dahingestellt. Vielleicht brauche ich auch nur eine Rechtfertigung für mein eigenes Verhalten, das deshalb nicht korrekt sein muss, weil sich evtl. meine Kindheit darin spiegelt. Wie dem auch sei, mein Verhalten war/ist sicher auch von Ignoranz, Verschlossenheit und Arroganz geprägt. Der Grossteil der Menschheit besteht für mich lediglich aus Kulturfolgern und Mitläufern. Leider bekomme ich täglich auch Beweise dafür präsentiert. Andererseits habe ich immer das Gefühl mit meiner Meinung isoliert zu sein und eben schon blockiert damit. Obwohl diese Meinung ja viele stimmige Momente hat. Somit gelingt es vielleicht den "Normalos" für die Kritik, die sie einstecken müssen, sich auch zu rächen. Schwer zu sagen, ob es wirklich so ist. |