| Noctivagus | Manchmal finde ich es schmerzlich zu sehen, wie meine Eltern und meine Tante langsam alt werden. Sicher, das ist ein natürlicher Prozess, aber besonders in den letzten 2 Jahren kommen immer mehr körperliche Beschwerden hinzu. Meine Eltern sind beide im Rentenalter, ich habe noch eine ältere Schwester, sie ist 34. Letzte Woche kam meine Tante, zu der ich ein sehr gutes Verhältnis habe, ins Krankenhaus wegen Herzbeschwerden und Rückenschmerzen. Noch vor 2 Monaten war sie sehr vital für ihre 72 Jahre, sie hat noch gearbeitet, weil es ihr Spaß gemach hat, wir sind häufiger zusammen weg gefahren zum einkaufen etc. Es ist so seltsam, dass [B]ich[/B] plötzlich in der helfenden Rolle bin. Ich finde es ja auch schön, dass ich etwas Fürsorge zurückgeben kann, doch ich habe immer das Gefühl, dass ich dieser neuen Rolle nicht gerecht werden kann. Ich denke immer, es ist doch noch garnicht so lange her, dass sie sich um mich gekümmet haben. Sind eure Eltern vielleicht auch schön älter und ihr müssst euch zunehmend um sie kümmern? Wie geht ihr mit diesem Thema um? |
| HeikoD | das ist ein ganz normaler Prozess, die Menschen werden nunmehr älter. Dass dich dies vor neue Aufgaben stellt ergibt sich von selbst, und die Angst vor der Verantwortung für Menschen die dir nahe stehen ist nur natürlich. Aber mach dir deshalb keine Sorgen, es jetzt an dir die Fürsorge zurückzugeben die dir zu Teil wurde, doch niemand kann und wird von dir erwarten dass du diese Rolle sofort meisters, vielmehr dass du nach und nach lernst damit umzugehen. Siehe es einfach als Chance an deine Liebe zu zeigen. |
| Ms. Marple | Hallo Noctivagus, ich kenne das von meinen Omas. Sie sind beide schon über 80zig. Die eine ist schon lange sehr eingeschränkt. Zwei neue Kniegelenke, verpfuschtes Hüftgelenk, kann ohne Korsett nicht mehr sitzen und kann nur noch mit Krüken gehen. Mit ihr gehe ich oft einkaufen, da sie das selbst nicht mehr kann. Aber ich muß ganz ehrlich sagen, daß mir das auch manchmal zuviel wird. Ich bringe dann manchmal auch nicht die Geduld auf, die ich vielleicht aufbringen sollte. Oder wenn wir zum Einkaufen verabredet sind, dann habe ich manchmal gar keine Lust drauf, obwohl ich hinterher sehr froh bin, wenn ich mit ihr unterwegs war. Es ist halt auch sehr anstrengend. Bei meiner anderen Oma fängt es auch schon langsam an. Obwohl ich ganz ehrlich sagen muß, die ist öfeter unterwegs als ich. Egal, wann Du bei der anrufst, sie ist nicht zu Hause. Aber sie hatte jetzt einen Herzschrittmacher bekommen und nimmt dieses Makromar. Man mekrt es schon, daß ein Körper in diesem Alter Operationen nicht mehr so einfach wegsteckt. Was ich für mich gelernt habe, ist, daß ich mit den beiden etwas mache, wenn ich Lust dazu habe. Klar denke ich manchmal, daß ich öfter etwas mit ihnen machen kann, aber wenn ich nicht die Lust dazu habe, komme ich mir irgendwie heuchlerich vor. Natürlich ist es immer nochmal etwas anderes, wenn es sich um die eigenen Eltern handelt. Hast Du noch Geschwister? Vielleicht hilft es, wenn man sich mit ihnen darüber unterhält oder sogar die Eltern selbst mit in ein Gespräch einbezieht. Ich denke, wenn man sich vorher vielleicht sogar gemeinsam Gedanken darüber macht, was mit den Eltern und Verwandten im Alter geschieht, in welches Heim sie wollen oder gar über die Abschlatung von lebenserhaltenden Maßnahmen spricht, ist man nicht mehr ganz so hilflos und von den Geschehnissen überrannt. Man hatte zumindest schon einmal Zeit sich damit auseinanderzusetzten. Kannst Du Dir denn vielleicht von irgendwo her Hilfe holen, der Deine Eltern unterstützt? Ich bin ja echt nicht relogiös und habe mit Kirche nicht viel zu tun, aber vielleicht können die Dir dort Hilfestellung geben. Und wenn es nur ein gutes Gespräch mit dem Pfarrer ist. Der wird sich wohl mit dem Älter werden und Sterben auskennen. Was ich Dir noch zum Nachdenken geben wollte: Meinst Du nicht, Deine Eltern fühlten sich manchmal nicht auch hilflos, als Du groß geworden bist? Z.B. als Du laufen gelernt und Dich dabei mächtig auf die Fresse gelegt hast? Sorry, wenn ich das jetzt so ausdrücke, aber es hat etwas ironisches. Falls Du ein offenes Ohr brauchst, kannst Du Dich gerne melden. |
| rosenkind | ich weiß, dass mein Post dir nicht viel bringen wird. Aber ich kann das Gefühl irgendwie nachvollziehen. Meine Eltern sind noch nicht im Rentenalter, aber immerhin Mitte 50. Und ich mit meinen 20 grade erst dabei ins Erwachsenenalter herein zu wachsen. Dieser Generationswechsel fühlt sich seltsam an. Natürlich sind sie in dem Alter noch nicht auf fremde Hilfe angewiesen, aber man merkt schon,sie werden älter und ruhiger und gesundheitlich nicht mehr so belastbar. Und es ist schon irgendwie komisch,man selbst wächst grade langsam hinein in das selbstbestimmte Leben, wo man die Verantwortung für sich trägt und beginnt "mitten im Leben" zu stehen,wie man so schön sagt und sieht gleichzeitig, wie die Eltern aus dieser Lebensphase langsam herauswachsen. Manchmal fühlt man sich da fehl am Platze, fühlt sich in der falschen Umgebung, eigentlich müsste man doch jetzt,wo man aus dieser Obhut von Kindheit und Jugend entlassen wird und sich selbst ein Leben aufbaut ausgezogen sein und ein anderes Umfeld haben. Leider ist das als Nochschülerin leichter gesagt als getan (und wirklich weg will ich irgendwo auch nicht). Es ist schon seltsam, wenn man feststellt, wie sich alles verändert und man eigentlich doch nicht so gereift und perfekt ist,wie man es sich ausmalte, als man noch viel jünger war. |
| Odessa | Noctivagus, solche Gedanken habe ich sehr oft und in letzter Zeit verstärkt. Meine Eltern sind, wie Deine, in Rente, beide 63 und eigentlich noch total fit. Aber ich merke, daß sich vieles doch recht zügig verschlechtert bei ihnen - die Sehkraft meines Vaters läßt nach, seine Reaktionsfähigkeit beim Autofahren, und die Zipperlein Beider werden zu doch recht lästigen und sie in Alltäglichkeiten mehr und mehr einschränkenden "Spätschäden" (aus über 45 Jahren Berufstätigkeit, die meine Eltern beide hinter sich haben), die jeden Wetterumschwung zum schmerzhaften Ereignis werden lassen; ich freue mich über jeden Tag, wo sie ihren geliebten Hobbies und v. a. ihren Reisen nachgehen können, mit ihrem Wohnwagen oder dem Wohnmobil unterwegs sind und sich die Sonne auf ihren "Pelz" brennen lassen können; sie haben es so verdient, daß es ihnen jetzt auch mal "gut geht". Was sein wird, wenn einer von beiden nicht mehr "kann" und z. B. ein Pflegefall wird - ich habe keine Ahnung. Wir spielen solche Szenarien natürlich oftmals durch und mein Vater sagt immer: "Sobald ich nicht mehr kann, erschießt mich". Er meint das wirklich so und weigert sich beharrlich, irgendwelche vernünftigen und realisierbaren ("Papa, ich kann Dich gar nicht erschießen bei meiner Unfähigkeit, einen Möbelwagen aus auch nur 3 Metern Entfernung mit einem Paintball zu treffen") Vorschläge dahingehend auszuarbeiten mit meiner Mutter oder mir. Mein Vater ist ein Mensch, der überhaupt nicht mit Krankheit und Einschränkung der eigenen Körperlichkeit umgehen kann: "Krankheit ist Schwäche ist Versagen ist nicht mehr überlebensfähig sein und somit nur noch eine Belastung für die Allgemeinheit sein" - und das will und wird er auch nicht akzeptieren. Mein Vater wird sich also, so er noch irgendwie kann, im Falle des Pflegefalls seiner Person selbst umbringen. Der Plan meiner Mutter und mir ist natürlich, das zu verhindern, solange wir selbst das Leben, das er führen müßte dann, noch für uns als lebenswert erachten. Sprich: mein Vater NICHT an Drähte, Schläuche und Maschinen angeschlossen ist, nichts mehr mitbekommt von seinem Umfeld und nur noch aufs Sterben wartet. Dann ist aktive Sterbehilfe angesagt und wir werden dafür auch einen Weg finden. Niemals würden wir zusehen, daß ein geliebter Mensch hilflos und elend "verreckt" (anders kann man das teilweise ja nicht mehr nennen was da oft so abläuft in Krankenhäusern). Sollte es meine Mamma zuerst "erwischen", Pflege betreffend, wird mein Vater sich um sie kümmern mit meiner Hilfe und da ist dann schon die Einschränkung: wie viel kann man selbst helfen, wenn man täglich arbeiten muß um die eigene Miete zu zahlen. Wie viel kann man finanziell helfen, wenn man selbst als Gehalt nie mehr als 1300 Euro haben wird und davon über 700 Euro Miete zu begleichen hat, dies zwar mit einem Ehepartner aber dessen Gehalt geht zu 3/4 für Fahrtkosten zur Arbeit drauf... Wie viel kann man vor allem noch helfen, wenn man selbst - dann - auch schon weit über 50 sein wird und mit so einigen gesundheitlichen Einschränkungen "gesegnet"? Auf jeden Fall wäre mein Plan, daß ich dann meine Eltern zu mir nehmen kann, "wie auch immer" (Plan, wie gesagt - ob er realisierbar sein wird ist dahingestellt), und sie bei mir beide versorge. Wenn ich Glück habe und selbst dann zu der Zeit halbtags arbeite, dürfte die Pflege mit Hilfe einer Pflegekraft ("Auf Pflegeversicherung vertrau") dann machbar sein. Es sind Dinge, die nur im Groben besprechbar sind, weil keiner wirklich weiß, was im eintreffenden Fall dann aktuell an Ressourcen (persönlicher und finanzieller) Art zur Verfügung steht und wie ausgeprägt die "Gebrechlichkeit" sein wird. Aber es macht mir wirklich sehr viel Angst, weil ich ein "Tatmensch" bin, für den nichts schlimmer ist als irgendeiner Situation ausgesetzt zu sein, die ich selbst nicht wirklich ändern oder wenigstens positiv beeinflussen kann. Ich würde mir - das klingt jetzt nur für den makaber, der meine Eltern und mich nicht kennt - wirklich wünschen, daß meine Eltern den Tod haben den sie sich selbst immer wünschten: beide zusammen, zeitgleich, werden bei einem Sekunden-Tod während eines Urlaubs sterben, in ihrem geliebten Griechenland oder Spanien oder Portugal oder in der Bretagne, mit - letztem - bewußtem Blick noch auf das Meer, irgendwelche Ruinen oder Berge/Hügel. Glücklich gestorben, zusammen, und kein Leid und Siechtum - ich bete wirklich dafür, daß ihnen so ein Tod vergönnt ist. (Und mir und meinem Mann übrigens auch). |
| Noctivagus | Zunächst einmal: Danke für die netten Anworten! :) @Ms. Marple: [QUOTE]Vielleicht hilft es, wenn man sich mit ihnen darüber unterhält oder sogar die Eltern selbst mit in ein Gespräch einbezieht. Ich denke, wenn man sich vorher vielleicht sogar gemeinsam Gedanken darüber macht, was mit den Eltern und Verwandten im Alter geschieht, in welches Heim sie wollen oder gar über die Abschlatung von lebenserhaltenden Maßnahmen spricht, ist man nicht mehr ganz so hilflos und von den Geschehnissen überrannt. Man hatte zumindest schon einmal Zeit sich damit auseinanderzusetzten.[/QUOTE]Ich habe glücklicherweise noch eine ältere Schwester. Wenn man nicht alleine da steht, dann gibt es einem auch Kraft. Also, über das was im "Ernstfall" mit meinen Eltern passieren soll, sprich wenn sie mal zum Plegefall werden, darüber haben wir noch nicht im Einzelnen unterhalten. So alt sind sie ja noch nicht ;) Meine Mutter (sie ist übrigens 60) und ich haben uns allerdings schon über meine Oma unterhalten. Sie lebt alleine und noch ist sie nicht auf Hilfe angewiesen, ich hoffe, das bleibt auch noch länger so. Man fühlt sich echt schäbig dabei, aber auch über das Erbe muss man sprechen. Der finanzielle Teil ist leichter zu klären, das haben wir schon alles geregelt. Das sollte man auch frühzeitig machen, solange man noch geistig fit ist. @Odessa: [QUOTE]Es sind Dinge, die nur im Groben besprechbar sind, weil keiner wirklich weiß, was im eintreffenden Fall dann aktuell an Ressourcen (persönlicher und finanzieller) Art zur Verfügung steht und wie ausgeprägt die "Gebrechlichkeit" sein wird. [/QUOTE] Ja, ganz genau. Das sind Dinge die man halt nur unzureichend oder garnicht planen kann! [QUOTE]Niemals würden wir zusehen, daß ein geliebter Mensch hilflos und elend "verreckt" (anders kann man das teilweise ja nicht mehr nennen was da oft so abläuft in Krankenhäusern). [/QUOTE] Das finde ich auch schrecklich. Da ist natürlich ein heikles Thema, aber ich befürworte auch die Sterbehilfe, wenn wirklich absolut keine Chance auf Genesung besteht und man vom Leben überhaupt nichts mehr mitbekommt. @rosenkind: [QUOTE]Manchmal fühlt man sich da fehl am Platze, fühlt sich in der falschen Umgebung, eigentlich müsste man doch jetzt,wo man aus dieser Obhut von Kindheit und Jugend entlassen wird und sich selbst ein Leben aufbaut ausgezogen sein und ein anderes Umfeld haben.[/QUOTE] Ich wohne auch noch zu Hause (bin 22). In der heutigen Zeit leben viele auch noch mit 30 zu Hause. Hohe Arbeitslosigkeit und Perspektivenlosigkeit führen häufig dazu, dass man erst mal ganz sicher auf eigenen Beinen stehen will, bevor man sich vollständig abnabelt. Ich will auch noch nicht wirklich weg von zu Hause, aber wenn mal richtig Krach herrscht mit meinen Eltern, sehne ich mich auch nach was eigenem mit meinem Freund zusammen. |
| Xenomorph | [QUOTE][i]Original geschrieben von Odessa [/i] [B]Mein Vater wird sich also, so er noch irgendwie kann, im Falle des Pflegefalls seiner Person selbst umbringen.[/B][/QUOTE] Dasselbe habe ich mir auch vorgenommen...sollte ich selbst dazu dann nicht mehr in der Lage sein, werde ich die aktive Sterbehilfe in der Schweiz in Anspruch nehmen... Ich selbst habe keine Kinder, die mich pflegen könnten, und selbst wenn ich welche hätte, würde ich ihnen das niemals zumuten wollen... Meine eigenen Eltern sind auch schon recht alt, mein Vater ist dieses Jahr 70 geworden, meine Mutter 65...im Moment arbeiten beide noch...aber wenn sie mal hilfsbedürftig sind, stehe ich ganz alleine da...Geschwister habe ich keine...ich würde meine Eltern aber auch niemals in so ein stinkiges Altenheim abschieben, ganz abgesehen davon, dass ich dafür gar kein Geld hätte... |
| Jaddy | ich sehe das an meinen eltern auch... ich bin 20 meine eltern um die 50 aber selbst jetzt merke ich auch dass sie eben älter werden das ich mein leben lebe selbstständig das ich zwar noch etwas abhängig bin ab und zu aber man hat seine wohnung man BESUCHT die eltern wobei man früher zusammengelebt hat... man merkt nicht wie schnell die zeit vergeht deswegen sage ich lebt euer leben und verschwendet es nicht |
| hagzissa13 | Oh ja, dieses Thema könnte von mir sein. Ich bin so ein totaler Familienmensch und auch, wenn ich sagen muß, daß ich gerade zu meinem Vater ein manchmal gespaltenes Verhältnis habe, so ist mir die Familie heilig. Da ich das einzige Kind meiner Eltern bin, fühle ich mich verpflichtet, irgendwann in meine Heimat zurück zu kehren, um mich adäquat kümmern zu können. Doch da ist auch noch was anderes. Das Altern zeigt die Vergänglichkeit. Es zeigt mir, daß es irgendwann zu Ende sein kann und das tut weh. Und es zeigt mir noch was: Je älter meine Eltern werden, desto älter werde auch ich... etwas, was man ja gerne verdrängt... |
| Jaddy | [QUOTE][i]Original geschrieben von hagzissa13 [/i] [B] Und es zeigt mir noch was: Je älter meine Eltern werden, desto älter werde auch ich... etwas, was man ja gerne verdrängt... [/B][/QUOTE] oja... das schmerzt ich habe jetzt schon manchmal angst in 10 jahren falten zu bekommen wobei man das jha gar nicht soooo sagen kann |
| hagzissa13 | [QUOTE][i]Original geschrieben von Jaddy [/i] [B]oja... das schmerzt ich habe jetzt schon manchmal angst in 10 jahren falten zu bekommen wobei man das jha gar nicht soooo sagen kann [/B][/QUOTE] Doch, man kann: Ab 30 gehts bergab.... |
| Jaddy | [QUOTE][i]Original geschrieben von hagzissa13 [/i] [B]Doch, man kann: Ab 30 gehts bergab.... [/B][/QUOTE] ich sag das ab 20 :rolleyes: :D |
| hagzissa13 | Aber ab 30 timmt es wirklich. Ich habe im letzten Jahr (bin jetzt 31) schon gemerkt, daß ich langsam alt im gesicht werde. Und da hilft die beste Kosmetikerin nicht. Um das zu stoppen, müßte ich plastisch nachhelfen... |
| Jaddy | ach ... dann lieber stolz und weise sein als aussehen wie barbie :cool: :D |
| Ms. Marple | Hallo Odessa, so etwas ähnliches habe ich neulich auch über meinen Vater gedacht. Es ist zwar nicht so extrem wie Du es schilderst, aber gewisse Tendenzen lassen sich schon erkennen. Mein Vater wird Ende des Jahres 60ig. Körperlich ist er auch noch ganz fit, außer daß sein Bach von Jahr zu Jahr dicker wird. Aber in letzter Zeit fällt mir dieses sture und starre Beharren auf Ansichten an ihm wie Du es schilderts auch auf. Oder wird mir vielmehr ganz eigenartig bewußt. Z.B. sitze ich bei meinen Eltern im Wohnzimmer. Wir schauen nebenbei Fernsehen und unterhalten uns über dies und das. Und ganz langsam einwickelt sich bei meinem Vater ein Agressivität meine Mutter gegenüber. Von wegen wie Sie über Dinge, von denen sie keine Ahung hat mitreden könnte. Sie solle doch lieber den Mund halten, als so eine Mist zu reden. Das ist ja peinlich, was sie immer mit den anderen Leuten spricht. Sie soll doch nicht immer so viel schwätzen, was anderes könne sie gar ncht als schwätzen... Manchmal artet das richtig aus, so daß meine Mutter richtig traugrig wird und sich ins Schlafzimmer zurückzieht. Dann denke ich mir, wie er so mit ihr reden kann. Ob er es denn nicht merkt, wie weh er ihr damit tut. Aber auch diskutieren wird mit meinem Vater immer schwieriger. Er beharrt so auf seinen Ansichten. Und was viel schlimmer ist, er wird intoleranter. Obwohl er eigentlich sehr weltoffen ist. Ich könnte jetzt noch mehr aufzählen, was sicherlich den Rahmen hier sprengt. Aber ich überlege mir, wie es wird, wen er noch älter wird. So kommt man eigentlich super gut mit ihm klar. Aber das sind manchmal so Tendenzen, die mir Angst machen. Wie ich ihn überhaupt nicht kenne. Sicherlich ist es nicht ganz so krass wie bei Dir. Ich weiß jetzt auch auf anhieb keinen Rat, den ich Dir geben kann. Ich denke, jeder, dessen Eltern älter werden, hat irgendwann mit dem körperlichen oder den geistigen Auswirkungen des Alterns zu tun. Und es wird auch immer weh tun, das mit ansehen zu müssen, schließlich sind es die Menschen, die man liebt. Keine Ahnung, an wen oder wohin man sich wenden kann. Man bereitet sich ja nicht darauf vor nach dem Motto, wen meine Eltern älter werden. Würde es vielleicht helfen, wenn Du ihm sagt, daß Du Dir Sorgen um ihn machst und ob er nicht Dir oder Deiner zu liebe diesen Test machen würde? Hast Du schon einmal mit Deiner Mutter darüber gesprochen, wie sie die Situation sieht? Vielleicht kann sie ihn ganz unbewußt lenken? |
| Tsafried | Das Problem ist, dass sie im Grunde genommen nach wie vor für sich selbst verantwortlich sind - gut, im Fall drohender/beginnender Demenz wird das schwierig, aber... Menschen verändern sich, und dann kann das, was wir sehen, nicht mehr viel gemein haben mit dem, was wir in einem Menschen vor Jahren einmal gesehen haben - aber das muss ja nicht falsch sein. Im Gegenteil, wir dürfen, müssen uns verändern - und selbiges auch "unseren Liebsten" zugestehen - auch auf die Gefahr hin, dass sie dann nicht mehr liebenswert erscheinen, weil sie aggressiv, zynisch geworden sind... aber vielleicht sind sie das zurecht?? Verantwortlich sind sie für sich selbst, das heißt, sie müssten wissen, was sie tun - auch wenn sie verletzen. Wer wollte von jemandem erwarten, Liebe zu heucheln, wo schon lange keine mehr ist, nur weil man sich einmal geliebt hat...? Vielleicht nicht einmal das? Geheiratet, "weil man das eben so macht", noch zusammen "der Kinder wegen", und dann ist es so zur Gewohnheit geworden, dass man sie nicht mehr ablegen kann... ich möchte hier niemanden be-/verurteilen, den ich nicht kenne, aber das sind Entwicklungen, die ich in meiner Umgebung beobachten kann... |
| rainraven | Ich gebe es ganz ehrlich zu, ich verdränge diese Tatsache, da ich ihr nicht gewachsen bin. Meine Eltern sind 59 (Mutter) und 66 (Vater) und im großen und ganzen noch recht fit. Vater ist Tennisvereinsleiter und aktiver Spieler, geht auch noch skifahren und lauter so Sachen, und obwohl er vor 15 Jahren eine Bypassoperation hatte, ist er jetzt fitter als vorher. Meine Mutter hat Probleme mit den Knien und kann deshalb nur wenig Sport treiben, und sie hatte ein Netzhautproblem und muß nun eigentlich eine Brille tragen (na hurra, mit 59, wo ich dagegen schon seit der 5. Klasse kurzsichtig bin...) aber es geht ihr auch gut, beide sind nicht gebrechlich und kommen im Alltag super klar. Mutter versorgt jetzt nach ihrem (unfreiwilligen) Ausscheiden aus dem Berufsleben sogar ihre eigenen gebrechlichen Eltern und andere Verwandte und ist direkt froh, daß sie dafür nun Zeit hat, weil ihnen sonst keiner helfen könnte. Doch ich komme nicht klar mit dem Gedanken, daß mein Vater, den ich immer so toll und wie einen Kumpel fand, jemals vielleicht so senil und unselbständig würde wie mein Opa oder daß ich meine eigene Mutter, die für uns immer alles perfekt gemanagt hat, Haushalt und Kinder und Arbeit, Krankheiten und Probleme, pflegen müßte. Ich hoffe, meinen Eltern geht es noch lange gut, denn ich komme zeitweise kaum mit meinem eigenen Leben klar, deswegen hab ich auch selbst keine Kinder, da würde ich total versagen und emotional total überfordert sein. Es klingt vielleicht nicht nett, aber es ist wenigstens ehrlich, und ich hab auch eine Riesenangst vor meinen eigenen Älterwerden, weil ich auch damit nicht klarkomme. Ich bin jetzt Anfang 30 und merke schon, wie mein Körper nachläßt, und es gibt teilweise echt Tage, da hoffe ich, gar nicht erst so alt zu werden, daß ich noch meine eigenen Eltern und mich selbst verfallen sehen muß... Aber das darf ich vor meinem Freund nicht laut sagen... |
| Ms. Marple | Also meine Eltern haben aus Liebe geheiratet und lieben sich auch noch. Da bin ich mir ganz sicher. Sie unternehmen jede Mengen gemeinsam und haben auch Spaß miteinander. Sonst hätten sie isch mit Sicherheit schon längst scheiden gelassen. Mein Onkel hat sich letzten wegen seiner Jungendliebe von seiner Frau nach 20 Jahren getrennt. Mein Bruder lebt mit seiner Freundin zusammen, die geschieden ist und ein Kind hat. Ums Scheiden lassen ginge es hier mit Sicherheit nicht. Dafür sind wir eigentlich eine sehr offen Familie. (Hört sich voll blöd an, ist aber so.) Aber ich denke, es geht vielmehr darum, daß obwohl meine Eltern erwachsen und eigenverantwortlich sind, ich mich irgendwann um sie kümmern muß. Sei es, weil sie gebrächlich werden und ich sie pflegen muß bzw., wenn ich es nicht mehr selbst bewältigen kann in ein Heim (leider) geben muß. Oder sei es, weil sie Demenz werden und nicht mehr die Tragweite ihres Handelns einschätzen können bzw. irgendwann vewirrt werden. Ein Beispiel: Unsere Nachbarin hatte letzten Sommer ihre Mutter zu Besuch, die normalerweise bei Ihrem Bruder wohnt. Die standen nachts auf der Gasse und haben die Mutter gesucht, weil sie vergessen hatten, die Tür abzuschließen. Mir ist schon klar, daß sich Menschen mit der Zeit verändern. Mir ist auch klar, daß ältere Menschen Eigenarten bekommen. Das ist ja alles okay. Aber mir fällt halt ein Verhalten an meinem Vater auf, über das ich mir Gedanken mache. Kann ja sein, das es nur eine Marotte mit dem Laufe der Zeit geworden ist. Dann wäre ich super froh. Aber wenn sich das Verhalten festigt und ausbreitet (mir fällt kein anderes Wort ein), dann muß ich mir Gedanken machen, wie ich dem entgegensteuern kann. Denn das Problem bei Demenzkranken ist, je weiter die Krankheit fortschreitet, Aggressivität, Gedächnislücken, die immer größer werden, Verwirrtheit, Verwahrlosung... Je früher die Krankheit erkannt und behandelt wird, um so länger kann man den Fortschritt der Krankheit i.d.R. aufhalten. Ich denke, darum geht es auch Dir, Odessa. Deinem Vater und auch Deiner Mutter zu helfen. Nur das Problem ist, die betroffenen Personen, wollen oder können es manchmal nicht wahr haben. Wenn ich es richtig verstanden habe, abreitest Du in einer Psychatrie? Gibt es dort keinen, den Du um Rat fragen kannst? |
| Ms. Marple | @rainraven: Ich würde mich zwar auch noch als recht jung bezeichnen, aber vor dem eigenen Älter werden habe ich auch manchmal Angst, wenn ich darüber nachdenke. Ich möchte werde geisitg fit und gebrächlich sein, noch körperlich fit und geistig umanchtet. Wobei letzteres für mich persönlich das keinere Übel wäre, weil ich es nicht mehr raffen würde. Bloß für die Angehörigen ist es dann schlimm. Aber am man darf sich gar keine Gedanken darüber machen. Man kann es nicht beeinflussen. Wer weiß, was noch alles kommt und was wir erleben werden oder nicht... |
| ange gardien | Mein Vater ist jetzt 70 und körperlich geht es mit ihm, aufgrund einer Nervenkrankheit, immer mehr bergab. Er kann fast nicht mehr laufen und hat schon beim Aufstehen große Schwierigkeiten. Das schlimme für Ihn dabei ist, das er früher körperlich sehr aktiv war, sein Garten, wandern, schwimmen und Radfahren für ihn seine geliebten Freizeitbeschäftigungen waren. Da er geistig noch fit ist ( von üblichen infantilen Verhaltensweisen, die in dem Alter wieder ausbrechen mal abgesehen :D ) leidet er sehr darunter. Meine Mutter, die um einiges jünger ist, hilft ihm so gut es geht aber man spürt schon das es eine große Belastung für sie ist, sowohl körperlich, den 1,95 m Mann aus dem Sessel zu hieven, als natürlich auch seelisch. Ich habe Angst davor das es noch schlimmer wird, was aber zu erwarten ist. Im Gegensatz dazu ist der Vater meiner Freundin zwar körperlich fit, aber ( man kann es nicht anders ausdrücken ) in den letzten Jahren geisteskrank geworden - und das finde ich persönlich viel schlimmer, davor habe ich RICHTIG Angst, das sowas bei meinen Eltern auch mal kommt. Selbst wenn mein Vater irgendwann mal im Rollstul sitzen sollte, kann man sich noch normal mit ihm unterhalten und das tröstet einen noch. Aber so etwas ist im Alter normal, es gehört zum Leben dazu. Auch wenn es eine der hässlichen Seiten des Lebens ist. Ich hoffe nur, dass es meinen Eltern ( und auch mir ) einmal vergönnt ist, zu sterben solange man noch ein einigermaßen würdevolles Leben ( das man auch als solches bezeichnen kann ) hat. |
| curupira | @Odessa: Gleich Alzheimer zu vermuten liegt häufig sehr nahe, muss aber nicht immer an dem sein. Ältere Menschen können auch so einen Verhaltenswandel durchmachen. Mit dem Einstieg in die Rente fällt für die meisten Menschen ein großes Stück ihres Lebens weg. Sie müssen sich nun selber eingestehen das sie älter werden, und auch körperlich immer schwächer und kränker werden. Zum anderen beginnt dann eine Zeit wo sie anfangen sich mit ihrem Leben und sich selbst auseinanderzusetzen. Sie reflektieren ihr Erlebnis und ihre Taten. Es ist nicht ungewöhnlich das ältere Menschen mit dem Erlebten, welches sie sich ins Gedächtnis zurückrufen nicht klar kommen und keine Möglichkeiten wissen wie sie dieses verarbeiten sollen. Gerade bei den jetzigen alten Menschen die den Krieg noch miterlebten gibt es viele Erinnerungen welche sie nicht erinnern möchten. Das kann dazu führen das der Mensch sich selbst als absolut hilflos erlebt sei es nun körperlich als auch psychisch. Das ist dann auch wieder ein Punkt den sich alte Menschn nur schwer eingestehen können. Und dementsprechend reagieren sie auf ihre Umwelt mit Missgunst und Aggressivität, weil diese ihnen immer wieder vor Augen führt wie Hilflos sie eigentlich sind. Das hängt natürlich immer vom einzelnen Menschen ab, wie der es schafft mit seinem Leben abzuschließen und ich habe hier einfach den schlimmsten Fall geschildert. Mein Rat an dich ist es, dich vielleicht einmal mit Biografiearbeit auseinanderzusetzen. Dabei werden mit einfachsten Mitteln das Leben des alten Menschen aufgearbeitet. Optisch, akkustisch, durch Berührung was man eben so findet. Das stellt für den alten Menschen eine sehr gute Gelegenheit dar über altes zu reden, für den Zuhörer ist es ebenfalls interessant die Geschichten zu hören, und es kommen auch Sorgen und Ängste zum Ausdruck die vielleicht interessant wären zu erfahren. Absichern durch einen Arzt sollte es trotzdem werden ob es Demenz ist oder nicht, denn um so früher es erkannt wird,umso früher kann dagegen etwas gemacht werden,um es zu verlangsamen. Mein Vater ist mittlerweile 76 Jahre alt, und dement. Da meine Mutter noch arbeitet, und das häufiger im Außendienst, übernehme ich die Pflege und Aufsicht meines Vaters. Zur Entwicklung kann ich sagen, das wir Anfangs kaum etwas mitbekommen haben, da er alle ersten Anzeichen sehr gut versteckte. Da mein Vater schon immer ein sehr schwieriger Mensch mit Ausbrüchen usw war, war eine Verhaltensveränderung anfangs nicht zu erkennen. Als erstes weigerte er sich Bücher zu lesen die wir ihm als Beschäftigung vorlegten. Warscheinlich weil er nicht mehr verstand was darin stand. Als nächstes hörte er mit seinen geliebten Kreuzworträtseln auf. Das sich dort zwar immer Fehler einschlichen hatte ich bemerkt, aber nicht für wichtig erachtet. Wir begannen dann immer mehr Spiele/Tätigkeiten anzuschleppen, die er alle ablehnte, zum großen Teil weil er es nicht mehr konnte. Wir haben ihm dann ein Puzzle geschenkt welches für Kleinkinder im Alter von 2-3 Jahren gedacht war. Er schaffte es kaum dieses zusammenzusetzen. Irgendwann wurden seine Ausraster und schlechten Tage immer gehäufter, bis jetzt wo es kaum noch einen freundlichen Tag gibt. Ich habe ihn letztens gewagt anzulächeln, worauf er nur vermutete das ich mich darüber freue das es ihm so schlecht gehe. Dieser Mensch ist von Seiten seiner Familie nicht mehr ansprechbar, er sieht sich von uns verfolgt und gehasst. Ihm irgendetwas zu sagen wie er es doch bitte machen möchte, geht nur über dritte. Er verfällt immer mehr in alte Rollenmuster, die es bei uns in dem Sinne nicht gab, aber er unterteilt jetzt ganz klar in Tätigkeiten für Frau/Mann. Außerdem sieht er sich als Chef und seinen Sohn als Konkurrenten. Diese Wandlung vollzog sich innerhalb von 2 Jahren. Das einzige was wir machen können ist ruhig zu bleiben, was verdammt schwer ist manchmal. Desweiteren höre ich ihm zu. Ich höre mir seine alten Geschichten an, denn darin blüht er auf, er erzählt wie er war,welche Situationen er gemeistert hat usw. Wenn er irgend wohin laufen will, dann lassen wir ihn laufen,auch auf die Gefahr hin das er sich verläuft. Wir geben ihm immer wieder kleine Aufgaben die er zu erledigen hat um ihn zu zeigen das er sehr wohl noch etwas machen kann und noch als Teil dieser Familie gilt. Das ist warscheinlich genau das was keiner hören wollte,aber wenn es mal jemandem ähnlich geht, vielleicht hilfts ja ein wenig. |