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  Forum: DIES und DAS
    Thema: Gruß auf dem Lande
MenedemosBeim romantischen Streifen durch Feld und Flur, wie es die Eigenart einiger hoffnungslos veralteter Gruftis ist, ergibt sich permanent ein heikles Problem: Man sieht sich im Zwang, entgegenkommende Wanderer zu grüßen. Mir als eingefleischtem Städter und zudem hocharrogantem, menschenscheuen Mißanthropen ( ;) ) ist diese Sitte naturgemäß nicht so angenehm... Man kennt diese Leute ja gar nicht!
Wenn man dazu noch männlich ist und verhältnismäßig jugendlichen Aussehens (wie mir mindestens zwei Personen jederzeit bestätigen) muß man leider auch noch die Initiative dabei ergreifen (wie gern wäre ich in solchen Situationen eine alte Kräuterhexe).
Andererseits könnte man den Brauch auch als liebenswerte, alte, ländliche Tradition interpretieren.
Wie seht ihr das? Empfindet ihr es als unangenehm, auf dem Land wildfremde Leute grüßen zu "müssen"? Soll man einfach stumm vorüberziehen?
SenecaNun, da ich bis auf 5 Jahre zeit meines Leben ein Landei war, und bin, zudem auch noch ein Wandersbursche, sehe ich das als erhaltenswerte Tradition.
Es geht dabei nicht zuletzte auch um eine Geste der Situationsnetschärfung...speziell wenn ich daran denke das ich früher recht martialisch ausgerüstet udn in gruppen unterwegs war...so ein einfaches Guten Tag führte sichtlich zur Entspannung bei Passanten.
Auch wenn man mit dem Hund, speziell großen Rassen unterweg ist, stellt sich dieses Effekt ein wenn man anderen Leuten draussen in Feld und Flur begegnet...zumal wenn es ein Forstbeamter oder -angestellter ist...!
TsafriedSchön wars, als mich in Schottland 'ne Wander"gruppe" grüßte (grade mal zwei alte einheimische Damen und ein Herr) und sich unglaublich freute, ihre Deutschkenntnisse (der Mann, aus dem 2 Weltkrieg., weil in DE stationiert) mal anwenden zu können. Ich find's schön, und wenn ich mal jemandem den Weg erklären kann, der ihn selbst nicht weiß, macht mich das glücklich... keine Ahnung warum, aber ich mag das:)
stormiIch finde auch dass das durchaus eine Tradition ist die man erhalten sollte. Gerade weil in der Stadt sowieso fast niemand den anderen grüßt.

Mfg stormi
AlienSexFiend...ich als Landei, dass es mit fremden Menschen gar nicht so hat, mag das eigentlich nicht so...die Leute, die man so vom Sehen her kennt, werden schon gegrüßt, aber meistens muss ja ein angedeutetes Nicken von meiner Seite aus schon reichen...bei völlig Fremden kommt es bei mir immer auf die Situation an wie nah man jetzt aneinander vorbei kommt, ob man mutterseelenalleine unterwegs ist, ob es nicht irgendwas zum Ablenken gibt, dass es sich doch vermeiden lässt zu grüßen und letztendlich auch wie meine Stimmung überhaupt so ist...:rolleyes:
OdessaMenedemos, ich nehme an es bezieht sich auf das Ereignis neulich in der Wurzhütte, als wir beim Rausgehen von einem Vorbeiwandernden gegrüßt wurden? ;-)

Also ich mag das sehr - es ist eines der Dinge am Landleben, die mir so wichtig sind: daß man Menschen noch als Menschen wahrnimmt, sich "sieht" und sich demnach auch beim Entgegnen freundlich grüßt... und nicht anonym aneinander vorbeihetzt wie ich das in der Großstadt jahrzehntelang hatte. Da konnte man ja tot umfallen auf der Straße und das Einzige was passiert (wäre), wäre gewesen daß die Leute einfach drübersteigen denn hey, "ich muß zur S-Bahn in 2 Minuten".

Auch das hier in Oberbayern übliche Duzen auf dem Land, jeder mit jedem egal ob Bürgermeister oder Ministerpräsident, ist für mich etwas, was ich wirklich sehr schätze, denn es macht klar daß "Rang, Titel, Kontostand, Karriere" sowas von egal sind, denn "Du" bist "Du", wirst als Mensch gesehen und angeredet wie jeder andere Mitmensch auch. Man achtet aufeinander, man kennt sich, man teilt eine Dorfgemeinschaft miteinander und ist quasi darin eine Familie und Interessen-Genossenschaft - und kennt man sich noch nicht, dann lernt man sich halt kennen, durch evtl. diese Begrüßungen täglich oder einen kleinen Schwatz; aber man geht von vornherein offen und freundlich auf seine Mitmenschen zu, ich kenne das von der Bergbevölkerung sowohl hier in Oberbayern als auch in Österreich, der Schweiz und Italien/Südtirol allerdings auch gar nicht anders: es wird gegrüßt, es wird freundlich eingeladen an einen gemeinsamen Tisch, so man in einem Lokal sitzt, und es wird geduzt.

"Paßt scho", für mich :D
Schwarze TraeneIch finde es teilweise schon ein bisschen nervig. Wenn man mal einfach seine Ruhe haben will und dann grüßt dich immer jmd ist das echt teilweise scheiße. Daher kommt es immer so auf die Situation bei mir an, ob ich grüße oder nicht.... Wenn ich keine Lust habe lasse ich es, manchmal grüße ich nur ein paar Leute und teilweise alle :D .
Creobotrawenn mir mal jemand auf [I]den[/I] pfaden begegnet, die ich immer zu wandern pflege, dann hat er auch ein "hallo" verdient *g*

ansonsten ist es schon usus, gerade bei älteren und ich kenns auch so, bin ja auch ein dorfei.

aber man kanns sichs auch spassig machen und mit einem zackigen "Grüß Gott" grüßen, da strahlen die Omas :)
Schwarzer Prinz[QUOTE][i]Original geschrieben von stormi [/i]
[B]Ich finde auch dass das durchaus eine Tradition ist die man erhalten sollte. Gerade weil in der Stadt sowieso fast niemand den anderen grüßt.

Mfg stormi [/B][/QUOTE]

WORD !


In Nordeutschland grüßen manche sogar in den Dörfern !
UrsusIch bin meistens wandern wenn die Noric Walking Menschen schon längst in ihren Bettchen liegen. Insofern entfällt die Grußpflicht, die jedem Zugereisten auch noch nach 7 Jahren auf dem Dorf aufgebürdet ist wenn man kein arrogantes Stadtei sein will.

Tagsüber nickt man sich zu, wenn man sich kennt und mag. Ansonsten grüßt man zwar nicht, aber ist so aufmerksam wie es auf dem Dorfe halt üblich ist.

Manchmal wünsche ich mir die Anonymität der Großstadt zurück.

In unserer Straße gibt es übrigens nur noch 3 Familien die meinen Vater und mich grüßen.
autumnnightich wohne in einer doch etwas grösseren stadt.. mitten im stadtzentrum..
wenn ich aber morgens um 7 uhr von der wohnung zu meinem auto spaziere (immerhin gut und gerne ein fünfminütiger fussmarsch :D) begegnen mir an bestimmt drei von fünf tagen immer die gleichen beiden menschen: ein ehepaar.. er läuft "nur so", sie schiebt (ihren?) rollstuhl vor sich hin.. und wir wünschen/begrüssen uns immer mit einem "guten morgen"..
zumal ich davon ausgehe, dass die beiden irgendwo in der nachbarschaft wohnen..

und wenn ich abends nach hause komme, kreuzt sich mein vom-auto-zur-wohung-weg mit einem typen, der von der strassenbahn zu seiner wg läuft.. und wir sagen uns auch immer HALLO..
Seneca[QUOTE][i]Original geschrieben von Schwarzer Prinz [/i]
[B]WORD !


In Nordeutschland grüßen manche sogar in den Dörfern ! [/B][/QUOTE]

Was heisst denn hier "sogar"...?
Das kenne ich von kleine Orschaften generell so, egal ob Nordrheinwestfalen oder Hohe Rhön.
Hier wird man sogar von den Schulkindern gegrüßt...so artig waren wir Sauwänste nie, nie, nie!
noliich komme eigentlich aus einem etwas größeren dorf, in dem keiner mehr den anderen wirklich kennt(außer eben man ist mit jemanden befreundet bzw. die nachbarn..), aber grüßen gehört sich meiner meinung schon
und- nachdem ich nun mal in bayern wohne- das auch mit einem ganz altertümlichen "grüß gott", auch wenn ich eigentlich an nicht glaube
das ist fr mich einfach eine anstandssache..und irgendwo ist es ja auch nett, eigentich wünscht man ja sich somit gegenseitig glück
warum nicht?
DunkelKomaSeinerzeit, in der Pendlerwohngemeinde, die das einstige Dorf ersetzt, war es äußerst angesagt, zumindest in der eigenen Straße jeden zu grüßen. Und wehe, es kam kein Gruß zurück! Selbst einen klassischen Marsmenschen wäre eher vorgeworfen worden, daß er hochnäsig als daß er so grün sei.

Viele Jahre später war mir diese Sitte entfallen und kam mir doch sehr befremdlich vor. Ich will doch nur in Ruhe von A nach B und keine Gespräche pflegen? Echt lästig. Aber es hat seinen Sinn und schließlich hatte ich Spaß daran, wenn mich bei Besuchen finster dreinblickende Dreikäsehochs in 'ihrer' Straße grüßten.

Vor kurzem war ich mit meinem Freund in einem Naturschutzgebiet, das viel von Wanderern genutzt wird. Ein Teil davon ist ein Friedwald und wir wollten ein Baumgrab besuchen. Leider hatten wir nicht bedacht, daß in unserem Heimatbundesland (und Frankreich und Luxemburg und Belgien) Feiertag ist. Entsprechend voll war der Wald :rolleyes:. Zwar sehen wir aus meiner Sicht nicht gerade spektakulär aus, für andere aber offenbar doch. Wenn man nun mit den dortigen Sitten vertraut ist und eine verkrampft-vorwurfsvoll dreinschauende Wandergruppe also grüßt, und zwar zuerst, von einem Lächeln begleitet und dann auch noch im Dialekt der Gegend - dann hebt das die Mundwinkel doch beträchtlich und alle ziehen erleichtert ihres Weges.

:)
demelza[QUOTE][i]Original geschrieben von stormi [/i]
[B]Ich finde auch dass das durchaus eine Tradition ist die man erhalten sollte. Gerade weil in der Stadt sowieso fast niemand den anderen grüßt.[/B][/QUOTE]

Diese Tradition bewahre ich doch gerne und übe mich an jedem 2. wochenende, das wir auf dem Land verbringen dürfen (sofern wir mal wandern gehen)-
LunaticSisterSo eine Tradition ist mir auch in der Stadt bekannt, bzw. in einigen Kleingärten, weil da wohl so eine künstliche Ländlichkeit herrscht oder ist es die Ruhe!? Wie auch immer, es ist ja nicht schlimm jemanden kurz zu grüssen- Der sieht ja nicht gleich deine ganze Lebensgeschichte oder will dich dann sofort volltexten. Ich sehe das Problem nicht, was vielleicht saran liegen mag, dass ich auch schon so ein paar Jährchen auf dem Land gelebt habe.

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