| Igla | (In den Augen: eine Doku über Entsteheung des Punks) (In den Ohren: ein Lied namens "Start the Riot") (Gedanken: Verloren und verwirrt, wie immer) Es gibt da in der Geschichte immer wieder Grüppchen von Menschen, die etwas ganz kleines anfangen und etwas ganz großes bewegen. Ich beschränke es mal: in der Musik. Schon seit zwei Jahren sitze ich wie gebannt vorm Bildschirm und ziehe mit abwechselnd Musikdokus und Musikvideos rein. Und das, was ich dabei fühle, will ich auch in Wirklichkeit erleben, nicht nur auf dem Bildschirm sehen, aber darüber hinaus kommt es nicht. Nicht dass ich in einem Dorf wohne - Menschen gibt es. Aber ich spüre keine Energie, nichts Aufkeimendes, Aufbrechendes. Zugegeben, um es zu finden, mache ich genau genommen nichts. Aber wie soll ich suchen, wenn ich (obwohl ich es mit jeder Faser meines Herzens fühle) nur schwer erklären was und mir niemand sagen kann, wo ich es suchen will. Ich habe dafür einen Sammelbegriff gefunden, ja: die Szene. So langsam beginne ich zu glauben, dass es ein Mythos ist, der in Wirklichkeit zum großen Teil von Alkohol und Geld verschluckt wird. Klar, jeder Entusiasmus beginnt sofort zu bröckeln, sobald er etwas zu kosten beginnt. Ich sage dazu immer: Stuttgarter Underground beginnt und endet an der Haltestelle Charlottenplatz. Da haben wir's. Universum - "DIE alternative Location in Stuttgart!" Nein, es ist eine einfache Indie-Disco, wie die Röhre, wie Kellerklub, wie Prag... Zum ausgehen, mit Freunden feiern, zum sich über Musik freuen. Aber geschaffen wird dort nichts. Nur konsumiert. War das wirklich dasselbe in CBGB's in New York und Roxy in London - an den Orten, an den die ersten Punks zusammenkamen? SO36 in Berlin, wo Punk mit den anfängen der Neuen Deutschen Welle verschmolz? An Hundert anderen Stationen, an den diese Welle losgetreten wurde? Bitte sagt mir nicht, dass sie von den Medien erfunden wurde. Es waren bestimmte Menschen (ich kann viele Namen nennen), die bestimmte Sachen gemacht haben, und Medien haben es erst später aufgegriffen und meist falsch verstanden. Wie das halt immer so ist. Ja, und auch die Suppenkulturen - alles geht irgendwann mal den Bach runter, alles löst sich in der Masse auf. Aber nur, damit irgendwann so ein Haufen Freaks mal vieder die Nase voll hat und richtig Bock hat, aus der Reihe zu tanzen, um den anderen zu zeigen, dass sie zu lange stehen geblieben sind. Zur Zeit sehe ich nur Stillsand. Die Jugend feiert und konsumiert, auch die alternative Jugend. Sogar aus UK, der Mutter aller Suppenkulturen und Neuerungen, kommt schon seit Jahren nur noch Retro. Oder? Was war "the next big thing" letztes Jahr noch mal? New-Rave? Bunt und laut? Was neues? Super rebellion? Ach nein, wieder Party. Das Rave- und Techno-Ding (was zuerst nicht dasselbe war, als Techno noch "Tekkno" genannt wurde) war zu den Anfangszeiten wirklich sehr interessant und alternativ. Illegale Kellerparties im Schatten der Überreste Berliner Mauer. Das ist Romantik, das hat einen jugendlichen, frischen und rebellischen Geist. Und der erste Loveparade, der übrigens als Demo angemeldet wurde, hatte es. Jetzt ist der Titel "There's no live in Tekkno" für mich an Symbol für den Verfall von solchen anfängen. Aber die Zeit ist abgelaufen, wie gesagt. Ist nicht schlimm, solange was neues kommt. Als Alternative zu Techno kam Alec Empire und hat mit seinen Terrorsounds die Gegend so richtig aufgemischt. Mit ihm kamen noch ein paar Leute und erfanden die Musikrichtung Digital Hardcore mit. Konzentriert haben sie sich auf den Klub "Suicide".. wo? Mal wieder, in Berlin. Es gibt noch tausende von solchen Beispielen. Die Trip-Hop Szene in Bristol, die No Wave in der Lower East Side in New York.... Und noch Hunderte von Grüppchen und Bewegungen, von denen ich keine Ahnung habe. Klar, ist auch schwer, von etwas Ahnung zu haben, was man nicht in der Wirklichkeit erlebt. Die Wirklichkeit ist nämlich eine andere Welt, die dir keine bunten Bilder ins Gesicht schleudert, sondern Anforderungen stellt. In eine andere Stadt zu fahren kostet. Eintritt kostet. Umziehen nach Berlin? Unsinn, alles provinzionelles Denken. Als würde dort alles besser sein. Leichter zu finden, was ich will, klar. Aber zum Beispiel die Neue Deutsche Welle hatte verschiedene Stationen, verschiedene Städte, wo was los war. Wartet mal, war da nicht in Stuttgart vor 15 Jahren eine lebendige Hip-Hop Szene? 0711 und so? Ok, ein Klub als Mittelpunkt zu bezeichnen, ist Unsinn. Aber wo?!! Wo sind diese Leute zusammen gekommen, zusammen gefühlt, Musik miterfunden? Die Fans, die das langsam aus dem tiefsten Untergrund getragen haben? Und vorallem: wohin ist das alles verschwunden? Ach, ich träume. Diese Bewegung wurde jetzt auch von dem Maistream massiv eingeholt. Massiv, ja.. Aber was dann? Konsum, Party, Mainstream. Die bösen Hopper, was? Das geht aber mit den Gothics genau so, die die diesem Schema nicht entsprechen, sind meistens etwas älter. Nichts für ungut, aber mit 30 kann man sowas höstens leiten, nicht aber tragen. Weil die oben genannten Sachen bestanden meistens aus Jugendlichen. Zumindest angefangen haben dort viele mit 17-18. Für mich wäre es eigentlich auch zu spät, ich werde mich vermutlich nie von dem Bildschirm losreißen können. Und nie wissen, wohin. Diese "Szenen" konnte ich vom Internet aus mur bis zum ende der 90er verfolgen. Danach wurde alles irgendwie verschluckt. Und auch alternative Sender wie Onyx.tv und Viva2 gibt es nicht mehr. Ist es also nicht mehr möglich? Werden jetzt tatsächlich alle Menschen zu Robotern? Ist doch Quatsch - irgendwo gibt es sicherlich irgendwas. Und wenn nicht, könnte man es starten. Bloß dann müsste man wissen, was und wie. Was ich will, habe ich versucht in diesen vielen langen Zeilen zu erklären. Es wird nicht klappen, ehe ich es nicht in einem vernnftigem Satz zusammenfassen kann. "Ich wünsche mir eine Szene" ... "die so eine große Bedeutung wie Punk hat oder zumindest das, was er losgetreten hat".... das wünsche ich mir mal zu Weihnachten, wenn ich schon so ein realitätsframder Internetkind bin, kann der Santa genau so existieren, wie diese komischen Orte, Menschen und Ereignisse, die viel zu lange her und viel zu weit weg sind. Tschüss. [SIZE=1]PS: Meine Quellen sind aussließlich Musikdokus und Internet (meist Wiki). "Pop 2000" wäre die wichtigste. Wisst ihr was besser , belehrt mich gerne. Wenn Missverständnisse auftauchen, werde ich noch mal alles zusammenfassen. Ich wollte eben mein Gefühl vermitteln, und kurz geht das nicht. Mein Wunsch ist ziemlich konkret, aber noch theoretisch und allgemein. Also bitte nicht zu sehr ins Detail gehen. Mal sehen, was sich überhaupt aus dem Thema entwickelt, ich erahne schlimmes...[/SIZE] |
| Cabal | Wenn du mich fragst sehnst du dich nach einer Heroisierung die du über das Internet auffängst. Nach einer Bewegung, die dich aus ihrer "Bewegung" heraus mitreißt und und keine der du dich anschließt, weil du dich schon zuvor intensiv mit deren Grundidealen und -ideen auseinandergesetzt und diese für dich für gut befunden hast. Du willst einen Strom, "woandershin" als dort wo du gerade bist, in eine "Szene", die dir noch lebendig und nicht tot erscheint. Du willst eine Szene, die noch der Kritik erhaben ist und an deren Echtheit nicht gezweifelt wird (wie es insbesondere gerade von den älteren Insidern geschieht, die du auch angesprochen hast, und die somit auch ihre eigene Szene zerstören) Und was Sender wie Viva2 angeht: Alles eine Frage der Wahrnehmung. Dafür gibt es heute sowas wie last.fm oder Deluxe Music. |
| Igla | [QUOTE]weil du dich schon zuvor intensiv mit deren Grundidealen und -ideen auseinandergesetzt und diese für dich für gut befunden hast[/QUOTE] Ich würde mich nur allzugerne mit Idealen und Ideen einer [I]lebendigen[/I] und für mich in [I]Real[/I] spürbaren Bewegung auseinandersetzen. Und mit meinen eigenen Werten und Ideen konfrontieren lassen. Nur die einzige solche nennt sich Maistream. Und nein, ich sehe alles realistisch, und ich weiß, dass Alterung schon mit der Geburt beginnt. Alles ideal zu haben ist sowieso nie mein Anliegen - eher wild und spontan. Ich glaube, ich bin noch jung genug, um sowas mitzumachen. Und Zweifel gibt es immer, gerade bei den Anfängen. Meine Welt ist keine, es ist ein Käfig, an dem ich natürlich selbst miterbaut habe. Weil ich eben nicht weiß, wohin daraus. Ok, es gibt meine innere Welt und mein Zuhause, natürlich kann es zerstört werden, und dann wäre es viel schlimmer. Aber ich will... und ich willl und ich willl..... ! Internet ist nur ein Mittel zum Zweck. Grad beio Last.fm verliert man sich schnell, "im Internet ist zu viel Junkfood" (zitat aus "Free Rainer" - zum Thema fernsehen und erziehung und bla..). Und den Angebot von Deluxe Musik mit Onyx zu vergleichen ist wirklich lächerlich. |
| die nuss | start the riot? dtrash? |
| Mestigoth | [url]http://zuender.zeit.de/kavka_dir/2006/kavka-33-jugendbewegung[/url] |
| Igla | Ich kann die Position von Marcus Kavka völlig verstehen. Schließlich ist er jetzt auch (über?)40. Je mehr man erlebt, desto vernünftiger wird man, und je vernünftiger man wird, desto weniger ist man bereit für spontanen jugendlichen Blödsinn. Klar, die Zeiten haben sich geändert, und der Mainstream auch. Aber... wann gab es überhaupt "normale" Menschen? Jeder ist was besonderes, war das nicht immer so? Heute kann sich jeder in seine, auf ihn angepasste und zugeschnittene Netzwelt zurückziehen, nicht mal das Fernsehen und Radio vereinen jetzt die Leute.. Kann das sein, dass es jetzt alles "stiller" und "friedlicher" geworden, als in den 60ern, 80ern? Keine Auseinanderstzungen auf der Straße, oder mit der Familie vor dem einzigen Fernseher?.. Irgendwie.. ist es gar nicht gut, habe ich das Gefühl.. es ist zu perfekt, nicht lebendig, diese Entwickling.. Alles ist anonym, man findet alles und nichts ist unmöglich. Dieses ungute Gefühl, dass nichts passiert, kann man super loswerden, indem man sich mit Arbeit vollstopft. Ich weiß echt nicht.. Ich les weiter bücher und schau dokus, bis ich Antworten finde... [url]http://www.jugendkulturen.de/[/url] Ach, warum immer nur Berlin? |