| Trauerwesen | Hallöchen, beim Studieren literaturwissenschaftlicher Texte bin ich auf den Begriff "Mythentheater" gestoßen. Google konnte mir nicht wirklich helfen, und da das für mich relevante Thema eine Weiterentwicklung dessen sein soll, wäre es schon gut zu wissen, was unter dem Begriff zu verstehen ist. Vorstellen könnte ich mir so etwas wie Homer, was ja Mythologie verarbeitet. Allerdings sehe ich da keinerlei Zusammenhang zum absurden Theater (mein eigentliches Thema, prost mahlzeit), also falls sich hier irgendwelche Theaterwissenschaftler oder sonstige Experten befinden, wäre ich für jede Hilfe dankbar. |
| Demon17 | Versuchs doch einfach mal mit Mythos und Theater. [URL=http://www.amazon.de/Griechisches-Theater-Deutschland-Mythos-Trag%C3%B6die/dp/3412200417]Drama und Mythos [/URL] [QUOTE]Kurzbeschreibung Seit dem 19. Jahrhundert wird das Ende der Tragödie heraufbeschworen, die neben dem Mythos zu den Säulen des abendländischen Theaters gehört. In den Werken von Botho Strauß und Heiner Müller, die als diejenigen Dramatiker gelten, die nach 1945 im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus die größte Resonanz erfahren haben, nehmen jedoch antike Mythen, aber auch das antike Theater eine zentrale Rolle ein. In detaillierten Einzelanalysen werden hier mehr als zwanzig zwischen 1950 und 2004 entstandene Dramen beider Autoren im Kontext des Gesamtwerkes auf Präsenz und Funktion mythischer und tragischer Strukturen untersucht. Von entscheidendem Einfluss erweisen sich dabei die unterschiedliche Wahrnehmung von Geschichte und Gesellschaft sowie die verschiedenen produktions- und rezeptionsästhetischen Bedingungen in der DDR und der Bundesrepublik. Die Studie leistet somit auch einen Beitrag zur Beantwortung der Frage nach den »zwei deutschen Literaturen« vor 1989, aber auch in der Zeit nach dem Mauerfall.[/QUOTE] Vielleicht mußt Du etwas freier an das Thema herangehen und mal bei den Dramatikern schauen. Viele griechischen Tragödien beruhen auf Mythen ebenso wie die Opern Wagners. [URL=http://www.ceeol.com/aspx/issuedetails.aspx?issueid=56c8dd34-1dd2-4f22-bafb-90ff990430f0&articleId=8d4bc483-8f5e-43c4-89e3-be0734f33376]Rezeption des antiken Mythos im dramatischen Werk von Heiner Müller [/URL] Also dieser Müller muß ja wichtig sein. ;) [URL=ksawien.files.wordpress.com/2008/04/mythen.doc ]zur antropologie der Mythen[/URL] So als Einleitung, welche Bedeutung hatten Mythen und haben sie heute im Theater. oder Wende Dich einfach an den Prof. hier, der hat schon zu allen möglichen Mythen geschrieben den Faust z.B. Vielleicht kann er Dir ein paar Literaturhinweise geben, oder du schaust einfach mal in einem seiner Bücher im Anhang nach. [URL=http://www.uni-regensburg.de/Universitaet/Forschungsbericht/Bericht_9a/phil4/prof12.htm]Prof. Kreutzer[/URL]Normalerweise sucht man ja in der UniBib und nicht bei google. Da gibt es jetzt doch auch jede menge Texte online, wenn man zugang zu den richtigen richtigen DB hat. Frag einfach mal in der Bibliothek. Die sind doch alle längst vernetzt. |
| Trauerwesen | Danke für deine Mühen, Demon. Dachte da ja auch schon dran, aber irgendwie passt das traditionelle griechische Theater nicht so ganz zum absurden, wenn ich mir mal so die aritotelische Tragödienkonzeption usw anschaue. Werde mich aber nochmal mit befassen und notfalls meinen Professor mal drauf ansprechen, oder diesen Aspekt einfach außen vor lassen. |
| Trauerwesen | Achja, ich habe es nun, also wo die Verbindung ist (man hat an einem Samstagabend, zudem an einem mit Kopfschmerzen, ja nichts anderes zu tun als sich mit Literaturtheorie auseinanderzusetzen). Esslin, der scheinbar stellvertretend ist für das absurde Theater, den Begriff sogar zuerst erwähnte, hat das nun ein wenig weiter ausgeführt. Und zwar ist es thematisch ähnlich, da zentrale Daseinsfragen des Menschen in Angriff genommen werden, allerdings halt auch eine andere Art und Weise, aber das ist ja klar. Das Publikum erfährt in beidem eine Katharsis, bei den Mythen ist ja klar wieso, und beim absurden ist es so, dass wenn das Publikum die Welt in Trümmern vorgesetzt bekommt, es diese Trümmer schneller akzeptiert und dies ein erster Schritt der Überwindung darstellt. Dann ist es wirklich das von dir genannte, Demon. Ich habe mich nur zu sehr auf die äußere Form bbeschränkt, so dass ich die beiden Stile im Widerspruch zueinander sah, aber es ist halt inhaltlich und funktionaler Natur. |
| Demon17 | Das absurde Theater ist ja primär ein Trend der Nachkriegszeit. Philosophisch konnte ich mit Camus und Sartre nicht viel anfangen. Literarisch steh ich ja mehr auf Klassiker wie Shakespear, Goethe, Büchner usw. Irgendwie hört es bei mir auch bei den Gedichten Anfang des 20 Jahrhunderts auf. Zum Schlagwort "absurdes Theater" habe ich eine ganze Reihe von Titeln in der deutschen Nationalbibliothek gefunden: [URL=https://portal.d-nb.de/opac.htm?index=tit&term=&operator=and&index=num&term=&operator=and&index=num&term=&operator=and&index=sw&term=Absurdes+Theater&operator=and&index=jhr&term=&index=wvn&reihe=none&jahrgang=08&heft=*&method=enhancedSearch]absurdes Theater[/URL] Da sind alle jemals in Deutschland veröffentlichten Bücher enthalten. Zum Schlagwort Mythentheater kam leider nichts. Den Wiki-Artikel zum Schlagwort [URL=http://de.wikipedia.org/wiki/Absurdes_Theater]absurdes Theater[/URL] kennst Du ja sicher schon. dort gibt es einen Link zum Mythentheater und man landet bei Mittelalterlichen Mysterienspiel??? |
| Trauerwesen | Jo danke, aber die wichtigsten Titel sind mir bekannt bzw wird es eh nur um einen Autor gehen, nur am Rande vielleicht mal um Ionesco oder Adamov. Jedenfalls ist das Problem nun gelöst, die anderen Sachen des absurden Theaters betreffend sind auch schon schön in meinem Kopf. |
| Demon17 | Da nicht für, Esslin war ja Engländer zum Schluss, vielleicht müßte man mal unter dem englischen Originalbegriff nachschauen. |
| Trauerwesen | Also er hat es in etwa erklärt, siehe meinen Beitrag weiter oben noch, wie der Zusammenhang ausschaut. Mittelaltergedöns soll wohl auch irgendwie mit drin sein, da sich das absurde Theater nicht so leicht abgrenzen lässt. Aber ich schätze mal, er meinte schon durchaus Homer, Antigone und solche Geschichten. Oder konkreter das mystische, das im absurden Theater nur anders ausschaut, als es in der Antike noch der Fall war (Gottheiten gibt es im absurden Theater ja mal so gar nicht bzw wird deren Abwesenheit ja thematisiert). Ich habe jetzt eine vage Vorstellung, und das sollte aber schon ok sein, steht ja nicht im Mittelpunkt der ganzen Sache. |
| Demon17 | Scheint so. Ich weiß nur was Wiki weiß zum Begriff des absurden Theaters. Es kann manchmal sein, das es zu einzelnen Fachbegriffen im englischen Sprachraum eine lebhafte Debatte gibt, die in Deutschland nur bei einzelnen Autoren Niederschlag findet. Da es sich in erster Linie beim absurden Theater um Autoren aus dem Ausland handelt (Becket usw.) sogar wahrscheinlich. Vielleicht findet sich da ja noch was Explizites zur englischen Übersetzung des Begriffes "Mythentheater". |