| Palene | Hallo! Ich möchte Anfang des nächsten Jahres ins Referendariat gehen und überlege nun, wie ich dort – sowohl in der Schule als auch im Seminar – gekleidet sein sollte; was „erlaubt“ ist und was „zu weit“ geht. Ich studiere ausschließlich auf Sek. II, sprich: Ich möchte nur auf Schüler ab der 11. Klasse „losgelassen“ werden. Die Fächer: Deutsch und Philosophie. Deshalb suche ich nun nach Erfahrungen derer, die in der gleichen Situation sind oder waren. Allerlei Bestätigungen, dass viele es „toll“ oder „cool“ fänden, wenn es mehr „schwarze“ Lehrer an den Schulen gäbe oder wenn man selbst solche Lehrer hätte, brauche ich nicht. (Mir das zu bestätigen, ist lieb gemeint, aber auch ungesagt klar, wenn ich ausgerechnet hier frage). Es geht mir also weniger um eure eigene Meinung, sondern um eure, (der Lehrer und Referendare) eigenen Erfahrungen, sprich – die Meinung eurer Schul- und Seminarleiter, vielleicht auch Kollegen, Schüler und deren Eltern. Wie ist das „Milieu Schule“ gestrickt? Der Bekleidungsstil, den ich gern auch für den Beruf beibehalten würde, sieht folgendermaßen aus: Ich trage gern lange, schwarze Röcke und „einfache“ schwarze Oberteile. „Einfach“ soll hier soviel wie „nicht historisch“ und keine ausgefallenen Stoffe wie z. B. Samt heißen. Einfach ein „normaler“ schwarzer Pullover. Ich trage keinerlei Schmuck, außer einem Tigerauge als Kettenanhänger, also nichts, das irgendwie „symbolträchtig“ ist. Keine Piercings, keine Tatoos, Haare ganz „normal“, (häufig als Dutt, also schon geradezu „spießig“ ;) ). Muss ich nun damit rechnen, dass das schon „zuviel“ ist? Wenn ja, was genau, - dass es konsequent Tag aus, Tag ein schwarz ist oder dass ich „altmodischerweise“ lieber Rock als Hose trage? Oder beides? Ich habe schon verschiedene Leute danach gefragt und verschiedene Antworten erhalten. Die lustigste: „Dass du Philosophie studiert hast, rechtfertigt doch sowieso jede Verrücktheit!“. Eine andere Antwort sprach davon, „habituell neutral“ zu erscheinen. Ist der von mir beschriebene Stil noch „habituell neutral“? Und hat sich vielleicht jemand von euch, der auch eher weniger „habituell neutral“ zur Arbeit kommt mal getraut, Schul- und Seminarleiter einfach direkt nach ihrer Meinung zu fragen (und zu erklären, dass man eigentlich gerne „bliebe wie man ist“, aber, wenn es denn wirklich nicht erwünscht sei, sich auch angleichen könne?) Haltet ihr das für einen guten Plan? Im Voraus danke für Antworten und Ratschläge! Liebe Grüße, Palene |
| more | Aus meiner Erfahrung kann ich dir sagen, dass ich mich zu damaliger Zeit so neutral wie möglich gekleidet habe. Ganz einfach desswegen, weil ich mich nicht auf Schülerebene stellen wollte. Ich war damals Lehrer und wollte kein Kumpel sein. Und ebenso wenig ein Symphatisant für gewisse Gruppierungen. Trotzdem habe ich einen elegant-schwarzen Kleidungsstil gefunden, welche ist aber auch mit Farben aufgelockert habe. Aber als "Schwarzkittel" hätte ich mich nie zu erkennen gegeben. Ich glaube das hätte nur zu Problemen und Mißverständnissen geführt. An meiner Schule wurde das auch von anderen Lehrern so gehandhabt und es ist wichtig sich dem Kollegium dahingehend anzupassen und eine Linie zu bilden. Ansonsten gibt es nur böses Blut. Und nichts ist schlimmer als Kollegen die einem in den Rücken fallen oder mit Schüler hinter dem eigenen Rücken tuscheln. Und eines hab ich draus gelernt: die lieben Kollegen können da noch wesentlich übler sein als die Schüler. Also nach den ersten Hospitationen bei Kollegen wirst du recht schnell raushaben wie der Hase (kleidungstechnisch) läuft - versuch da deine Mitte zu finden und den Schülern gegenüber neutral zu bleiben. Keiner hat was gegen einen netten Lehrer, aber die Schüler haben was gegen Lehrer die (scheinbar) selbst noch in der Pupertät stecken und sich irgendwelche Gruftiklamotten anziehen. Das ist nämlich "megaätzend". Aber kann sein, dass andere in der Hinsicht andere Erfahrungen gesammelt haben. Frag mal Darket, der hats länger ausgehalten als ich *g*. Ich bin glücklich back in the gastronomie und darf da fast alles anziehen was ich will! |
| Xenomorph | Ich verfüge diesbezüglich zwar über keinerlei eigene Erfahrungen - weil ich kein Lehrer bin und ganz gewiss auch nie einer werden möchte - doch ich könnte mir vorstellen, dass die Toleranz hier von Schule zu Schule stark variiert - auch spielt der jeweilige Schultyp sicherlich eine nicht unerhebliche Rolle - bei dem, was du dir als Lehrer in Sachen Kleidung noch "herausnehmen darfst" - an einem erzkatholischen Gymnasium wirst du als Lehrer sicherlich mit weitaus böseren Blicken oder schlimmerem zu rechnen haben als an einer Gesamt- oder an einer Waldorfschule, falls dein Aufzug nicht exakt den dort vorherrschenden Überzeugungen von "Sitte und Anstand" entspricht... |
| Menedemos | Als Lehrer sollte man eine Art Schauspieler sein. Gib nicht zu viel von deiner Persönlichkeit preis, werfe deine Persönlichkeit nicht in den Ring, denn dann bist du angreifbar und verletzbar. Du musst dich in erster Linie als Amtsperson definieren. Das mag jetzt nicht besonders schülerfreundlich klingen, aber anders hältst du es nicht durch. Es hat schon gute Gründe, warum auch andere Amtspersonen wie z.B. Richter Berufskleidung tragen. Sie gewinnen dadurch Distanz. Vielleicht gilt das sogar für Ärzte. Das als allgemeine Empfehlung von mir, über die Kleidung hinausgehend. |