| Any Body | Seid Ihr spontan oder lasst Ihr euch leicht zu kurzentschlossenen Aktionen hinreißen? Vor einer Woche reiste ich spontan zu Freunden um das Wochenende oder besser gesagt, die Nacht von Samstag auf Sonntag mit Ihnen zu verbringen. Eine Reise zu einem Ort, der nicht mal eben um die Ecke liegt, sondern schon einige Stunden Anreise bedurfte. Heute beschäftigte mich der Gedanke, kurzerhand noch nach Schweden zu reisen um die Auftritte verschiedener Künstler unter freiem Himmel auf dem [url]http://www.arvikafestivalen.se/[/url] zu sehen, doch die Anreisezeit um die 12 Stunden verhindert ein wenig meine spontane Entscheidung. Wie ist das bei Euch? Handelt ihr ebenso in manchen Situationen oder erklärt Ihr derartiges Verhalten für "bescheuert oder verrückt"? Ich freue mich auf Euren themenbezogenen Gedankenaustausch Nächtliche Grüße Any B. |
| Töggelie | Ich bin nicht sonderlich spontan und wenn ich es denn mal bin, geht es irgendwie oftmals in die Hose. -,- Also, es muss schon ein sehr schwerer Spontanitätsanfall sein, der könnte gut ausgehen, aber halbherzige "Normal-Spontanität" ist ein Disaster bei mir. Ich denke meistens eine halbe Ewigkeit darüber nach, wäge alles ab und gehe das Ganze vernunfttechnisch an. Obwohl ich vor 2 Wochen auch relativ spontan nach NRW fuhr. Relativ deswegen, weil ich mich nur wenige Tage zuvor entschlossen hatte, mich aber nicht davon abbringen ließ, die ganze geballte Ladung an Durchführmöglichkeiten-Abwägung in einen minimalen Zeitraum zu quetschen. Ich finde Spontanität nicht schlecht, aber irgendwo wäre es für mich Stress pur, seeeeehr kurzfristige Aktionen umzusetzen, dafür bin ich zu perfektionistisch. ;) |
| Ceryni | Da kann ich mich Töggelie's drei ersten Sätzen nur anschließen. Es gibt selten eine spontane Aktion meinerseits, ausgeschlossen wird es nie, doch es gibt für mich viele Faktoren, nicht allzu spontan zu sein. Andererseits bewundere ich meistens (je nach Aktion) die Leute, die sowas durchziehen. Vergangenes Silvester gab es von Bekannten einen spontanen Besuch, der durchaus viel Positives hatte. Die Freude war groß und die Beiden haben auch eine Anreise von mehreren Autostunden gehabt ;) |
| more | Früher war ich sehr spontan. Eine Freundin, welche in recht elitären Kreisen unterwegs war, hatte mal einen bekannten Fußballspieler kennen gelernt, der sie in die Schweiz in sein Trainingslager eingeladen hat. Sie bat mich mitzukommen und ich hab ja gesagt. Ohne zu überlegen. Früher bin ich auch quer durch Deutschland gereist um verschiedene Menschen zu treffen. Heute muss ich alles abwägen, darüber nachdenken, planen, ect. Die verloren gegangene Spontanität in meinem Leben ist eigentlich schon traurig und einschränkend. Aber durch das Berufsleben sind solche Spontanaktionen auch nur schwer möglich. Früher haben wir, sozusagen, die Pferde gesattelt und waren mehrere Tage weg. Heute muss alles überdacht werden und wird auch dann teilweise verworfen. Ich denke schon, dass die Möglichkeit spontan handeln zu können eine große Freiheit darstellt. Aber sie kann auch zur Flucht geraten. |
| Seelenreise | Ich gehöre zu den Menschen die gerne alles ganz genau planen. Etwas spontan zu unternehmen fällt mir relativ schwer, das geht nur, wenn ich total begeistert von der Aktion bin. Andernfalls wird mein ganzer Plan durcheinander geworfen, die Sache ist unter Umsänden nur mangelhaft geplant/durchdacht und Stress hat man mitunter auch noch. Zudem bereite ich mich gern schonmal gedanklich auf das vor, was auf mich zu kommt, das ist bei spontanen Aktionen natürlich nicht möglich. Wobei ich denke, dass Spontanität durchaus etwas schönes sein kann. Sich einfach mal etwas gutes tun, weil man gerade Lust dazu hat, einfach mal etwas tolles unternehmen, Freunde treffen, aus gehen etc. dann hat man schon ein Stück Freiheit. Mit den Menschen deren Leben eine einzige spontane Aktion ist, die verpeilt, planlos, chaotisch durchs Leben lümmel habe ich persönlich jedoch so meine Probleme. |
| Belgarion | @Schweden: 12 Stunden? Gibt es keine Flüge relativ in die Nähe dorthin ^^ @topic: halbspontan... ich muss nicht zwanghaft schon Montag wissen, was am Wochenende geht, aber bei dingen, wo ich nicht am gleichen Tag/nachts wieder zu Hause bin, MUSS ich einfach erst schauen, was da für andere ggf. wichtigen Dinge in der Zeit noch so sind. Für spontane weitere "Ausflüge" hätt ich auch eh nicht mal eben das Geld parat. Selbst nur "mal" 50€ mehr als geplant is nicht drin. aber wenn ich zB abends nur was geplant hatte, was ich auch am nächsten Tag erledigen kann, und dann einer anruft, ob ich einen draufmachen gehe, dann bin ich dabei. |
| Töggelie | [QUOTE][i]Original geschrieben von Seelenreise [/i] [B] Mit den Menschen deren Leben eine einzige spontane Aktion ist, die verpeilt, planlos, chaotisch durchs Leben lümmel habe ich persönlich jedoch so meine Probleme. [/B][/QUOTE] Ich hab da jetzt, wider meiner Natur, ganz spontan eine Person mit orangenen Flip-Flops, olivfarbenen Kargohosen, Strickmütze und beigem Leinenhemd vor mir, die anstelle von Zimmertüren, diese komischen Klimper-Vorhänge nutzt, eine Kaffeemaschine als Küchenersatz ansieht, 234 000 Leute kennt, durch die sie sogar "mega günstig" an Papiertaschentücher kommt und alles grundsätzlich "mega toll" findet. Da sieht man mal, zu welchen Gedanken mich Spontanität verleitet! |
| Nix | [QUOTE][i]Original geschrieben von Any Body [/i] [B]Seid Ihr spontan oder lasst Ihr euch leicht zu kurzentschlossenen Aktionen hinreißen? [/B][/QUOTE] Darüber muss ich erst nachdenken. :rolleyes: |
| TrashNoir | Ich kann sehr spontan sein. Eine spontane Aktion macht meistens mehr Spaß, denn sie entspricht den aktuellen Impulsen. Es macht mich nicht selten betrübt, in meinen Impulsen ausgebremst zu werden durch die verpflichtende Vorstrukturierung des Tages. Insofern bedeutet Spontanität auch mehr Freiheit. An die Grenzen meiner eigenen Flexibilität bin ich auch schon gestoßen. Im laufenden Prozess, auf den ich mich voller Hingabe eingelassen hatte - gerade begonnen schon wieder rausgerissen - das fühlte sich eher nach Versklavung an . Und was habe ich daraus gelernt? Dass Spontanität im Allgemeinen schon eine gute Sache ist und mir gut tut. Und dass ich gut aufpassen muss, wenn sie nicht nur mich selbst betrifft, dann kann sie die Grenzen anderer empfindlich überschreiten. Oben wurde ja noch eine weitere nachteilige Eigenschaft von Spontanität genannt - dass manchmal der Zeitrahmen nicht kompatibel mit der spontanen Planung ist. |
| hagzissa13 | Bei diesem Thema muß man natürlich Spontanität im Großen und im Kleinen unterscheiden. Spontan im Kleinen ist wahrscheinlich (fast) jeder. Wir entscheiden uns spontan noch einen Joghurt zu essen, mal schnell auf Klo zu flitzen oder bei Müdigkeit am Abend eine halbe Stunde früher als üblich ins Bett zu gehen. Im Grunde meines Herzens bin ich sehr spontan. Ich liebe es, aus einer Konversation per sms oder am Telefon heraus, einfach kurzerhand mein Auto zu schnappen und auch gerne mal 200-300km zu fahren, um wen zu besuchen. Ich liebe es, spontan abends zu einer Veranstaltung Goth weiß wo hin zu fahren. Die limitierenden Faktoren sind in der Regel die Zeit (heute mehr denn je) und Geld (heute weniger als früher). Das geht ws jedem so. Wenn man spontan was machen willl, muß man kurz nachdenken, ob man zurück ist, bevor man wieder arbeiten muß, oder das Geld reicht, um das durchzuziehen. In meinem momentanen Leben komme ich ohne Kalender gar nicht aus, weil mein unregelmäßiger Schichtdienst mit fünf unterschiedlichen Schichtzeiten in wild durcheinander gewürfelter Abfolge mich einfach zwingen, mein restliches Leben drumrum sorgfältig zu planen. Ich liebe somit Zeiten des Urlaubs um so mehr, denn wenn ich nichts für diese Zeit plane, bleibt Platz für Spontanität, die ich liebe. Dann setze ich mich nach einer sms spontan ins Auto und fahre mal eben nach Nordhessen, um einen Abend lang eine Freundin zu besuchen. |
| Seelenreise | [QUOTE][i]Original geschrieben von Töggelie [/i] [B]Ich hab da jetzt, wider meiner Natur, ganz spontan eine Person mit orangenen Flip-Flops, olivfarbenen Kargohosen, Strickmütze und beigem Leinenhemd vor mir, die anstelle von Zimmertüren, diese komischen Klimper-Vorhänge nutzt, eine Kaffeemaschine als Küchenersatz ansieht, 234 000 Leute kennt, durch die sie sogar "mega günstig" an Papiertaschentücher kommt und alles grundsätzlich "mega toll" findet. Da sieht man mal, zu welchen Gedanken mich Spontanität verleitet! [/B][/QUOTE] Genau sowas, evtl. auch mit ausgelatschen Chucks, eine Haarpracht wie ein explodierter Handfeger, die Klamotten irgendwie schon schon etwas abgetragen, aber total cool und lässig und die Wohnung eine Mischung aus Müllhalde, Dschungeldickicht und Streichelzoo. So Leute deren Leben drunter und drüber geht, die aber soviel Idiotenglück haben, dass sie super und vorallem Sorgen frei, denn die Welt ist schön und alles mal schnell, irgendwann, irgendwie schon machbar, durch Leben gleiten. Zu hagzissa, das mit der Spontanität im Kleinen stimmt natürlich, ohne diese geht es wohl kaum, und wenn, dann nur sehr mühsam und beschwerlich. |
| hagzissa13 | [QUOTE][i]Original geschrieben von Seelenreise [/i] [B]Zu hagzissa, das mit der Spontanität im Kleinen stimmt natürlich, ohne diese geht es wohl kaum, und wenn, dann nur sehr mühsam und beschwerlich. [/B][/QUOTE] ja, das wäre dann ws ein kleiner Fall für den Psychotherapeuten, wenn man jeden Gang zur Toilette planen müßte. Dezent "zwanghaft" würde ich das nennen.... :D |
| Töggelie | [QUOTE][i]Original geschrieben von hagzissa13 [/i] [B]ja, das wäre dann ws ein kleiner Fall für den Psychotherapeuten, wenn man jeden Gang zur Toilette planen müßte. Dezent "zwanghaft" würde ich das nennen.... :D [/B][/QUOTE] Och...also manchmal...selten...aber doch... *g* Allerdings würden meine Überlegungen jetzt in end - und sinnlos Haarspaltereien enden. ;) Klar, du hast Recht, das sind wirklich so Kleinigkeiten, bei denen man im Normalfall, schon aus einer Notwendigkeit heraus, spontan ist. @Seelenreise: Und mehrere Rollen Garn als Freundschaftsbändchen um die Arme gewickelt. |
| Julya | Ich bin oft schlimm spontan. *g* Ich finde es großartig, einfach seinen Ideen zu folgen, sich treiben zu lassen und nicht immer alles bis ins Detail zu planen. Ich plane und organisiere zwar gerne, aber eher bei Sachen, die nichts mit mir direkt zu tun haben. Ich lege mich auch total ungern fest, eben, um der Spontaneität freien Lauf lassen zu können. Ich kann nichtmal einen Tag vorher planen, was ich morgen zum Mittagessen haben möchte, weil ich einfach so viel wie möglich aus dem Bauch entscheide. Von daher weiß ich auch nie, was ich nächsten Monat im Detail vorhabe. Ich find's viel besser, das nach Tagesform zu entscheiden. ;) Spontaneität ist übrigens auch eines meines Lieblingswörter, weil es anders geschrieben wird, als man es spricht. Man schreibt zwar (selten) auch Spontanität, wie man es spricht, aber eigentlich wird es Spontan[b]e[/b]ität geschrieben. ;) |
| Any Body | na sowas :D |
| Seelenreise | [QUOTE][i]Original geschrieben von hagzissa13 [/i] [B]ja, das wäre dann ws ein kleiner Fall für den Psychotherapeuten, wenn man jeden Gang zur Toilette planen müßte. Dezent "zwanghaft" würde ich das nennen.... :D [/B][/QUOTE] "Nein, Montagvormittags um halb 10 habe ich keine Zeit für eine Therapiestunde, da gehe ich immer auf Toilette und essen anschliessend mein Knoppers.":D Da kann man ja nur wanhsinnig werden, ständig, stündlich, im Minutentakt würde jemand die Planung durchkreuzen und alles durcheinander bringen. [QUOTE][i]Original geschrieben von Töggelie [/i] [B]Und mehrere Rollen Garn als Freundschaftsbändchen um die Arme gewickelt. [/B][/QUOTE] Die sich irgendwann auflösen und in Fetzen um den Arm bzw. den ganzen Körper schlackern, somit auch ständig in die Kaffeetasse hängen, sich mit den Pizzastücken verkleben und sich schließlich nicht mehr vom Körper lösan lassen, da sie mit der Armhaut verwachsen sind. |
| Töggelie | [QUOTE][i]Original geschrieben von Seelenreise [/i] [B]"Nein, Montagvormittags um halb 10 habe ich keine Zeit für eine Therapiestunde, da gehe ich immer auf Toilette und essen anschliessend mein Knoppers.":D Da kann man ja nur wanhsinnig werden, ständig, stündlich, im Minutentakt würde jemand die Planung durchkreuzen und alles durcheinander bringen.[/B][/QUOTE] Stimmt. Ich würde mir da auch lieber n anderen Zwang aussuchen. Wobei das an und für sich sicher extrem belastend für die Person ist. [B][QUOTE] Die sich irgendwann auflösen und in Fetzen um den Arm bzw. den ganzen Körper schlackern, somit auch ständig in die Kaffeetasse hängen, sich mit den Pizzastücken verkleben und sich schließlich nicht mehr vom Körper lösan lassen, da sie mit der Armhaut verwachsen sind. [/B][/QUOTE] Oh Gott. :eek: |
| Hrefnadis | Große Spontanität, wie Hagzissa sie definierte, muss man sich leisten können. Früher war ich wohl .... ähm, manchmal strapazierend spontan. "Ich fahr mal eben nach ....." war meine Standardauskunft freitags nachmittags zur Wochenendplanung. Einzusetzen waren jeweils Städte oder auch Länder, die alle minimum 300 Kilometer weiter lagen. Ich hatte sogar einen Notfallrucksack im Auto, wo Wanderschuhe und eine zweite Garnitur Kleidung samt Zahnbürste untergebracht waren. Ich habe wohl einen guten Teil meines Monatsverdienstes in Benzin umgewandelt. Selbst später noch mit Bafög .... es lebe die Mitfahrzentrale! Und Rucksacktourismus ist auch was Feines. Heutzutage jedoch muss alles weit im Voraus geplant werden. Familientouren sind eh schon anstrengend genug und ohne gescheite Orga werden sie zu Alpträumen. Schade eigentlich, weil manchmal mich schon die Lust packt, mir einfach ein Wochenendticket zu holen, mich in irgendeinen Zug zu setzen und mal zu schauen, wo der ankommt. Der Terminkalender ist mein bester Freund, ähnlich wie bei Hagzissa, da ich einen stark strukturierten, extrem vollen Arbeitstag mit Vorträgen, Vorlesungen, Museumsaufenthalten, Bibliotheksstunden zu absolvieren habe und oft genug am Wochenende noch mit Exkursionen mitfahren darf. Hinzu kommt die Kinderaufzucht und der Haushalt. Da ist so gut wie kein Raum mehr für große Spontanität, maximal noch stellt sich die Frage, auf welches Mittagessen ich im Notfall noch Lust hätte, so spontan. Familie schränkt die eigene Freiheit schon sehr deutlich ein. (Das ist kein Jammern, ich habs ja so gewollt ;)) |