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  Forum: DIES und DAS
    Thema: Ein Dorf ohne Kinder
KreaEin Dorf in Schottland verbietet Kinder. Wer nach Firhall (eine Siedlung nahe der Küstenstadt Inverness) ziehen will, muss sich verpflichten keine Kinder unter 16 Jahren mitzubringen.
Für die einen ist das Dorf ein "Rentnerparadies". Für andere ist Firhall ein Ort, wo Kinderhasser Zuflucht gefunden haben. Wer in dem Dorf leben will, muss strenge Regeln beachten, und nur Personen über 45 Jahre werden zugelassen. Zwar werden den Einwohnern Haustiere gestattet, aber Kinder dürfen in Firhall nicht wohnen.

Diese eiserne Regel gehört zum Marketingkonzept der Firma "Caledonian Retreats", die die Siedlung seit 2003 entwickelt hat.
Die Aussicht, den Lebensabend ohne die Belästigung durch Minderjährige verbringen zu können, hat sich als Verkaufsschlager erwiesen: Sämtliche 93 Häuser des Projekts sind vergeben, und wenn einmal eines erneut auf den Markt kommt, ist es bald weggeschnappt. Zwei weitere kinderlose Dörfer sind jetzt in Großbritannien geplant...

[url]http://www.schottland-wegweiser.de/schottland_staedte_firhall.html[/url]


Was haltet Ihr davon?

Könntet Ihr Euch vorstellen in einem solchen Dorf zu leben?
ArrogantNick[QUOTE][i]Original geschrieben von Krea [/i]
[B]

Was haltet Ihr davon?[/b][/quote]

Eine sehr gute Idee um Bedürfnissen gerecht zu werden. Das Bedürfnis nach Ruhe kann so befriedigt werden und Streit wird vorgebeugt. In meinen Augen eine sehr gute Sache.

[QUOTE][i]Original geschrieben von Krea [/i]
[B]Könntet Ihr Euch vorstellen in einem solchen Dorf zu leben? [/B][/QUOTE]

Auf jeden Fall! Warum denn nicht?

....
rainravenich mag zwar auch keine Kinder, erst recht nicht, wenn sie Lärm machen oder anderswie unangenehm auffallen, aber in einem "Rentnerort" würde ich auch nicht leben wollen. :D Die haben dafür andere Macken, die ich nicht tolerieren könnte...:D Es ist halt fraglich, ob "Personen über 16 Jahren" nicht auch Unruhe, Unordnung oder Unfrieden mit sich bringen können?... :rolleyes:
AlienSexFiend[QUOTE][i]Original geschrieben von rainraven [/i]
[B]Es ist halt fraglich, ob Personen über 16 Jahren nicht auch Unruhe, Unordnung oder Unfrieden mit sich bringen können?... :rolleyes: [/B][/QUOTE]

...tja, da werden die früher oder später bestimmt auch noch dahinter kommen, dass Unruhe, Unordnung und Unfrieden keine Sache des Alters sind...:D

...wenn nicht, dann haben sie eben Glück gehabt, aber das kann man ganz genauso in einer kinderreichen Gegend haben...die einzige, die in meiner unmittelbaren Umgebung regelmäßig für Unfrieden rundherum sorgen, sind jedenfalls ü40...aber mal sehen, vielleicht gibt´s ja demnächst - idealerweise in meiner Gegend - einen Ort für unter 40jährige, wo ich dann hinziehen und mir einbilden kann, Ruhe zu haben dort bis ich selbst mal ü40 bin...:cool:
ArrogantNickAlso ich finde das, was in dem Artikel beschrieben wird, sehr angenehm und vernünftig. Warum sollen Leute nicht so leben dürfen?

....
softcakeich bin jetzt nicht über 45 jahre alt, dürfte also demnach dort gar nicht hinziehen, aber für mich wäre es unter umständen etwas worüber ich nachdenken würde.

ich buche ja auch meinen urlaub in hotels ohne familienprädikat bzw in häusern wo kinder nicht zugelassen sind.

heute stören mich kinder nicht, im gegenteil ich finds bereichernd wenn die ums haus turnen. aber wenn ich mal alt und grau bin hab ich da vielleicht andere bedürfnisse. warum sollte ich mir nicht ne wohnung/ort genau nach meinen bedürfnissen suchen?


soft
AlienSexFiend[QUOTE][i]Original geschrieben von softcake [/i]
[B]warum sollte ich mir nicht ne wohnung/ort genau nach meinen bedürfnissen suchen?

[/B][/QUOTE]

...dagegen sagt ja keiner was, letztendlich wird das jeder machen, der es sich leisten kann...ich find´s halt nur ziemlich naiv zu glauben, dass man so zwangsläufig zu Friede, Freude, Eierkuchen kommt...

...würde mich echt mal interessieren, was wie meinen Nachbarn passieren würde dort...die hängen zwar keine Wäsche draußen auf, machen keinen Autolärm nach 21 Uhr und haben vermutlich auch nur eine Katze, aber die machen seit geschlagenen 8 Jahren in regelmäßigen Abständen wochenlang mit dem Schlagbohrer im Haus rum, dass man sich manchmal echt nur noch wundert, dass dieses Haus überhaupt noch steht...altersmäßig würden die wunderbar in diese Idylle passen...;)
Krea[QUOTE]aber die machen seit geschlagenen 8 Jahren in regelmäßigen Abständen wochenlang mit dem Schlagbohrer im Haus rum, dass man sich manchmal echt nur noch wundert, dass dieses Haus überhaupt noch steht[/QUOTE]
Vielleicht machen sie gerade deswegen da rum, damit das Haus stabilisiert wird :D
---
Ich denke, in so einem Dorf ist es zwar ruhig und evtl auch beschaulich, aber andererseits stell ich es mir da recht langweilig und öde vor - darum kann ich mir auch nicht wirklich vorstellen, in so einem Dorf zu leben ;)
Kampfsau[QUOTE]Es ist halt fraglich, ob "Personen über 16 Jahren" nicht auch Unruhe, Unordnung oder Unfrieden mit sich bringen können?... [/QUOTE]

Im Link selber stand, dass nur Personen ab 45 Jahren dort leben dürfen. Manche der Vorschriften halte ich aber auch für seltsam.

Keine Wäsche darf aufgehangen werden? In einem GANZEN Haus dürfen nicht mehr als 3 Leute wohnen? (Bei solchen Regelungen glaube ich eher, man will die Einwohner finanziell ausquetschen) Kein Autofahren von 7- 21 Uhr?Keine Geschäftsautos auf den Parkflächen? Keine Geschäfte auf den Grundstücken?

Ich finde das geht schon ein bischen weit.Ruhe ist schön und gut aber ich kann mir nicht vorstellen, dass dort alle einer geregelten Beschäftigung nachgehen können, wenn man vor 7 Uhr nicht fahren darf und auch keine Geschäftsauto dort parken darf.Nachtschichten oder Überstunden können immer anfallen.

Anderseits kann das ja auch eine Regelung dafür sein, dass dort wirklich fast nur Rentner oder Erwerbslose wohnen. Ein bischen diskriminierend ist das schon aber es ist ja deren persönliches Recht, bestimmen zu dürfen, wie spießig und restriktiv sie ihr gesellschaftliches Leben führen wollen.

Eigentlich profitieren alle davon, die Alten haben Ruhe in ihrer kleinkarierten, geordneten Welt, in der sie sich die Illusion aufbauen, die Welt sei überschaubar und geordnet. Und wir Jungen haben diese lästigen Alten die sich darüber beschweren, dass wir es wagen, in unserem Leben tatsächlich Geräusche von uns zu geben nicht mehr an der Backe.



Aber mal abgesehen davon. Ich finde das eigentlich ziemlich traurig. Das zeigt doch generell, wie kinderfeindlich unsere Gesellschaft geworden ist. Es ist doch seltsam, erstmal gibt es deutlich weniger Jugendliche und Kinder als vor 20-30 Jahren und zweitens verbringen die eigentlich für gewöhnlich, deutlich mehr Zeit zuhause vor PC und Konsole als spielend draußen im Freien. Und die paar, die ab und zu noch draußen rumturnen, stören uns so sehr?

Ich glaube eher, die Deutschen sind empfindlicher geworden. Als so schlimm empfinde ich Kinderlärm eigentlich nicht. Es wurde ja schon festgestellt, dass Geräusche die von Situationen kommen, die man verabscheut oder von Leuten die man nicht leiden kann, dass man die als sehr laut und störend empfindet, obwohl sie objektiv betrachtet auch nicht unbedingt lauter als gelegentlicher Autoverkehr sind.

Ich hoffe ich werde im Alter nicht so.Ich meine teilweise wirken die Leute die dort wohnen, eher wie Leute die generell was gegen andere Leute haben. Sie wollen Ruhe. Ruhe ist schön und gut aber wo Geräusche sind, da ist auch Leben.

Und wenn ein Unbekannter kommt, wird das sofort zur "Kenntnis" genommen und das schaffe Sicherheit.

Wahrscheinlich sind diese Unbekannten vor denen man Angst hat, junge Menschen. Ich meine sie können es ja machen, wenn sie das brauchen aber ich halte trotzdem nicht viel, von so einer Abgrenzung. Mir macht das schon ein wenig Sorgen

Wir haben schon Gräben zwischen den verschiedenen Religionen, den Hautfarben, den Nationalitäten und teilweise auch noch zwischen den Geschlechtern, brauchen wir da wirklich noch einen Graben zwischen Alten und Jungen?

Es wird noch zu größeren Problemen kommen, die Jungen werden immer weniger, trotzdem sind die Alten von den Jungen abhängig. Davon dass sie von diesen gepflegt werden und dass diese ihnen ihre Renten finanzieren.
Gleichzeitig haben die Rentner die meisten Wählerstimmen und für ihre persönlichen Interessen folglich die größte politische Macht.

Ich sehe da echt enormes Konfliktpotential, wenn man nicht mal irgendwann aufhört, nur für sich alleine Politik zu machen und das Wohl aller Bevölkerungsschichten in Betracht zu ziehen.

Aber nicht alle Alten Menschen sind so seltsam, genausowenig wie jeder unter 45 potentiell kriminell ist xD.

Ich kenne eigentlich keinen meiner Verwandten über 60, der an so einem Ort leben wollen würden. Viel zu langweilig

zwischen 21-7 Uhr Nachtruhe, keine Wäsche draußen aufhängen,nur ein Hund und eine Katze.

Das war ja schon damals in den 60ern endspießig.
ArrogantNick[QUOTE][i]Original geschrieben von Krea [/i]
[B]Vielleicht machen sie gerade deswegen da rum, damit das Haus stabilisiert wird :D [/B][/QUOTE]

Zumal man Bohrmaschinen auch nur in Mietshäusern mit mehreren Parteien, als untereinander so störend erlebt und nicht in einer Eigenheimsiedlung.

[QUOTE][i]Original geschrieben von Krea [/i]
[B]Ich denke, in so einem Dorf ist es zwar ruhig und evtl auch beschaulich, aber andererseits stell ich es mir da recht langweilig und öde vor - darum kann ich mir auch nicht wirklich vorstellen, in so einem Dorf zu leben ;) [/B][/QUOTE]

Es ist ein Nischenangebot, sicherlich und bestimmt nicht für jeden was. Aber ich finde es gut, dass es solch eine Möglichkeit gibt. Ich finde, das bereichert die Möglichkeiten für Lebensentwürfe und die persönliche Freiheit. Natürlich gibt es immer Gegenstimmen, ganz gleich was es Neues gibt, aber die große Nachfrage gibt den Erfindern des Ganzen Recht und das freut mich.

Wie gesagt, für mich wäre das definitiv eine Alternative, statt zu einem einsam gelegenen Haus am Meer in Quebec oder Maine, was derzeitig immer mehr zum Lebenstraum wird. Soll doch jeder nach seiner Facon glücklich werden (dürfen). ;-)

....
poisonhi replique
zu schön, dich endlich wieder zu sehen ... zu lesen ...

mal im gegenzug zu diesem "wohnmodell"
das projekt "alt und jung treffen sich " - finde ich recht gut
alte menschen, die in kindergärten gehen, von ihrem leben erzählen
alte menschen, die schulkindern bei den hausaufgaben helfen
den "oma-hilfsdienst" als tagesmutter-variante
alte menschen, die von der energie und der lebensfreude von kindern profitieren
man lernt voneinander, bereichert sich und schenkt gegenseitig lebensqualität ...
auch so etwas funktioniert

allerdings, wer sich wohler fühlt, ohne "störungen", gleich welcher art - ist dort sicher gut aufgehoben
immerhin ist mir dann so etwas lieber, als anwohner, die klagen gegen kindergärten einreichen - und damit recht bekommen ! - weil sie sich belästigt fühlen
rainravenIch finde es nicht okay, hier gleich wieder über "Kinderhasser" zu referieren. Es ist ebenso okay, keine Kinder zu tolerieren, wie welche zu begrüßen. Kinder zu haben ist ebenso normal wie keine zu haben. Außerdem geht es hier um diesen wahrscheinlich real existierenden Ort und nichts anderes.

Ich mag Lärm -zuhause- generell nicht haben, weder von Tieren (Ausnahme: Vögel, aber da bin ich als "Ornithomane" sowieso voreingenommen, und selbst die gehen mir oftmals auf den Geist, ich meine, ich hab ja zum Glück keine Papageien! :) ) noch von Maschinen noch von "Musik" oder Menschen. Ich mag aber auch keine spießigen, motzenden, erzkonservativen Alten um mich rum und habe irrsinnige Angst vor dem Alter, meinem eigenen miteingeschlossen. Insofern müßte man mir ja eine "ideale Wohnsiedlung" von lauter junggebliebenen, vernünftigen, aber durchaus lebensfrohen Dreißig-bis Mittvierzigjährigen anlegen, wo ich dann unter "Artgenossen" wäre...(bis ich dann in das englische Dorf ziehen muß...) :D
Vielleicht ist diese geregelte Enklave der Älteren in England ja auch eine Art Freiluft- Altenheim, wo nicht die Alten sich von den Jungen abschotten, sondern der Rest drumrum die Alten dahin abschieben will? Schon mal so rum gesehen?...
ArrogantNickMoin!

[QUOTE][i]Original geschrieben von rainraven [/i]
[B]Ich finde es nicht okay, hier gleich wieder über "Kinderhasser" zu referieren. Es ist ebenso okay, keine Kinder zu tolerieren, wie welche zu begrüßen. Kinder zu haben ist ebenso normal wie keine zu haben. Außerdem geht es hier um diesen wahrscheinlich real existierenden Ort und nichts anderes. [/B][/QUOTE]

Dazu steht in dem von Krea verlinkten Artikel ja auch was. Zum Beispiel: >>Gerne bezeichnet man das Verhalten der Leute als unrichtig und in manchem Artikel werden die Anwohner gerne einfach als Kinderhassern bezeichnet. Die Anwohner jedoch sehen das anders. Keiner sei ein Kinderhasser, aber man wolle einfach ein ruhiges und friedliches Leben in einer schönen Umgebung führen. Viele Anwohner haben Kinder und Enkelkinder. Somit kann man nicht unbedingt sagen, dass die Leute kinderfeindlich sind. Aber die meisten sind einfach der Meinung, dass sie ihren Teil bezüglich Kinder und Erziehung getan haben. Und sie wollen mit den typischen Problemen, welche Kinder und deren Erziehung nun einmal mit sich bringen, nichts mehr zu tun haben.<<

Ich empfinde das als absolut legitim und nachvollziehbar!

[QUOTE][i]Original geschrieben von rainraven [/i]
[B]Ich mag Lärm -zuhause- generell nicht haben, (....)[/B][/QUOTE]

Geht mir ganz genau so! Nicht umsonst träume ich von einem ruhig gelegenen Haus irgendwo in einem dünn besiedelten Land und arbeite aktiv an der Verwirklichung dieses Traumes. Ich habe in meinem Leben so viel erlebt, so viel gefeiert und gesehen, dass ich jetzt einfach auch 'meine Höhle' haben will, in die ich mich bei Bedarf zurückziehen kann und das ohne Gefahr zu laufen, dort dann von irgendwem oder irgendwas belästigt zu werden.

Im Falle des Dorfes ist es ja wohl so, dass jedem der dort hinzieht, die Regeln dort von vornherein bekannt sind und sich ganz bewusst darauf eingelassen wird. Mangel an Nachfrage scheint es auch nicht zu geben, was ich für meinen Teil sehr gut verstehen kann. Ich mag es einfach nicht, wenn ich keinen Rückzugsort habe der mir meine Ruhe gewähren kann, sondern ich Miete zahlen muss für etwas, das mich zwingt, mir den Krach anderer Leute anzuhören. Nein danke, da arbeite ich lieber an der Abhilfe und bin dafür auch bereit, mich gewissen Regeln zu unterwerfen um eben diese Ruhe zu gewährleisten - und das werden sich auch die Leute dort in dem Dorf denken. Wenn alle sich daran halten, schlicht weil sie das gleiche Bedürfnis nach Frieden und Ruhe teilen, sehe ich dort keinerlei Probleme untereinander, auch nicht zukünftig.

Das mag für manchen Menschen schwer zu verstehen sein. Aber ich kann es auch nicht verstehen, wie man Lärm, gleich welcher Art, mit 'Leben' gleichsetzen kann. Hier gilt es wohl auch mal, sich gegenseitig zu respektieren und jedem sein Eck zu zu gestehen ohne es gleich schlechtreden zu wollen.

....
Creobotra[COLOR=crimson]zu D&D verschoben[/COLOR]
KreaLärm ist eigentlich nicht gleich zu setzen mit Leben, Leben kann durchaus ohne Lärm stattfinden, ohne Geräusche aber nicht, das fängt so gesehen schon beim leisen Blätterrascheln an...

Und ich ziehe da für mich noch eine Grenze: es gibt Lärm, mit dem kann ich leben - und es gibt Lärm, der geht so gar nicht...
rainravenGeräusche, mit denen ich leben kann oder die ich sogar begrüße, setze ich auch nicht unter "Lärm".
Vuvuzelas z.B. würde ich wieder eher unter "Leben" tun, wenn sie nicht mitten in der Nacht erschallen... :D *lol*

Techno ist auch klasse zum Tanzen, aber zuhause mag ich am liebsten auch gar keine Musik. Zu schneller Geschwindigkeit und großen Maschinen (für die ich mich begeistere), gehört auch ein fetter Sound, aber bitte auch nicht daheim. Aber...ich schweife ab. ;)
ArrogantNick[QUOTE][i]Original geschrieben von Krea [/i]
[B]Lärm ist eigentlich nicht gleich zu setzen mit Leben, Leben kann durchaus ohne Lärm stattfinden, ohne Geräusche aber nicht, das fängt so gesehen schon beim leisen Blätterrascheln an...

Und ich ziehe da für mich noch eine Grenze: es gibt Lärm, mit dem kann ich leben - und es gibt Lärm, der geht so gar nicht... [/B][/QUOTE]

Darin stimmen wir im Wesentlichen überein, Krea. Allerdings denke ich, dass jeder seine höchstpersönlichen Definitionen und Schmerzgrenzen hat was das angeht. Jemand der mit vielen Geschwistern aufwuchs und selbst Mutter ist, wird die Geräusche von Kindern eher nicht als Lärm interpretieren, während ich es durchaus so empfinde. Ebenso den durchdringenden Bass aus dem Nachbarhaus oder das stundenlange Gekläffe und gegenseitige Gekeife, um nur einiges zu nennen.

Mir ist klar, dass ich das nicht ändern kann, ich kann mir nur eine Nische suchen um dem auszuweichen, woran ich arbeite. Und ich finde, ein jeder Mensch hat das Recht auf sein Empfinden und seine Nischen, so lange er seinen Willen nicht anderen Menschen aufzwingen will. Und ich mag es mir auch nicht aufzwingen lassen, dass ich Kindergeräusche, die für mich enervierenden Lärm darstellen, nun auf einmal als 'Leben' zu empfinden hätte oder ansonsten mich einen 'Kinderhasser' schimpfen lassen müsste, was schlicht nicht wahr ist. Ich bin jedoch ein 'Ruheliebhaber' und ich finde, auch darin hat man ein Recht auf Akzeptanz.

....
KreaDa haben wir es schon: Vuvuzelas lege ich direkt unter "Mordgelüste" ab, egal ob am Tag oder in der Nacht getrötet... :)

Ganz eindeutig sind und waren die Bedürfnisse der Menschen immer unterschiedlich.

[QUOTE]Jemand der mit vielen Geschwistern aufwuchs und selbst Mutter ist, wird die Geräusche von Kindern eher nicht als Lärm interpretieren, während ich es durchaus so empfinde.[/QUOTE]

Da täusche Dich nicht - Kindergetöse kann einem trotz eigener Kinder (gut, ich gebe zu, meine sind aus dem Kindesalter heraus) ganz schön auf den Nerv gehen. Vom permanenten Bass, Gekeife oder Gekläffe müssen wir da auch gar nicht erst reden...

Es sei auch jedem frei gestellt, ob er sich in diese.. ich nenne es jetzt mal "Einöde" (wobei Einöde irgendwie nicht treffend ist, denn Einöde ist ja wirklich weit ab von jeglicher Zivilisation, und mit Sicherheit kein Dorf) solch eines Dorfes zurück ziehen möchte... mich würden eben diese seltsamen Regeln stören, und dass ausschließlich Menschen dort leben, mit deren Ansichten ich vielleicht nicht konform gehen würde.
Mir fehlt da eine Vielschichtigkeit, die nicht unbedingt durch Kinder erreicht wird... und spontan fällt mir jetzt Ghetto ein.

Was eine wirkliche Einöde angeht - die kann auf jeden Fall reizvoll sein, nur muß man sie auch auf Dauer ertragen können.
Kampfsau[QUOTE]Lärm ist eigentlich nicht gleich zu setzen mit Leben, Leben kann durchaus ohne Lärm stattfinden, ohne Geräusche aber nicht, das fängt so gesehen schon beim leisen Blätterrascheln an... Und ich ziehe da für mich noch eine Grenze: es gibt Lärm, mit dem kann ich leben - und es gibt Lärm, der geht so gar nicht...[/QUOTE]

Ich habe ja auch geschrieben dass Geräusche notwendig sind. Und Lärm ist subjektiv. Für manche fängt Lärm schon dann an, wenn Autos nach 21 Uhr durch die Straßen fahren.

Wo viele Leute auf engem Raum leben, kommt es zwangsläufig oft zu Geräuschen. Seien es Türengeräusche oder auch mal laute Kinder oder Leute die halt auch mal spät Nachts erst heimkommen.

Es gibt in der Tat übertriebene Lärmbelästigung aber gewissen Leuten kann man es eigentlich nicht recht machen. Wenn die sich jetzt in ihren eigenen kleinen Enklaven einnisten, dann ist das eine akzeptable Möglichkeit.

Es wird erst dann kritisch wenn man Leuten wirklich etwas aufzwingt. Ich meine viele Leute regen sich über inkompetente Eltern auf. Andererseits, wenn man dann Kitas, Kindergärten oder Ganztagsschulen etablieren will, um solche Defizite auszugleichen, werden einem auch überall Steine in den Weg gelegt.

[url]http://www.sueddeutsche.de/geld/kindergarten-in-der-nachbarschaft-das-urteil-ist-ein-skandal-1.569478[/url]

Sowas gibt es nämlich auch. Einerseits verlangt man Kitas , Ganztagsschulen und Kindergärten aber wenn mal tatsächlich einer Bewegungen in die Richtung unternimmt, werden diese sogar geschlossen.

So sind die Leute halt, einerseits Kindergärten aus der Nachbarschaft verbannen oder für viele tausend Euro Mauern errichten lassen aber an der Rentengarantie kann und darf natürlich gleichzeitig nicht gerüttelt werden.

Sowas kann ich halt echt nicht verstehen. Immerhin sind das Kinder und die brauchen viel Bewegung und Rumtoben für eine gesunde Entwicklung. Es ist für ein paar Stunden begrenzt und sollte man um die Uhrzeit sowieso nicht was vorhaben wie arbeiten und nicht nur ruhig zuhause rumhocken?

Vielleicht liegt es wirklich an der Überalterung der Gesellschaft. Der Drang nach Ruhe im Alter wird so groß, dass man diesen agressiv ausleben will und man findet viel breitere Unterstützung, weil ja weitaus mehr Menschen im selben Alter sind.

In dem Bericht am Anfang hieß es ja auch, viele meinten sie "hätten ihre Pflicht getan" und wollen mit "Kindern und Erziehung nichts mehr zu tun haben"

Vor 30-40 Jahren gab es ja auch diese alten Menschen, die sich an irgendwelchen frechen, lauten Kindern gestört haben.Aber wahrscheinlich hatten die damals nicht wirklich die Macht, einen Kindergarten zu schließen, die Lobby der Eltern die eine Unterbringung für ihre Kinder brauchte,war deutlich stärker.
rosenkind[QUOTE] Kinder zu haben ist ebenso normal wie keine zu haben. [/QUOTE]

Das ist zwar korrekt, trifft aber nicht den Sachverhalt, um den es hier ging. Ich kann mich auch gegen eigenen Nachwuchs entscheiden und trotzdem in einer Wohngegend voller Kinder leben, ohne mich daran zu stören.

Eine kinderloses Dorf mag sicherlich dem Zeitgeist entsprechen und individuelle Bedürfnisse befriedigen, aber deswegen ist es - auf gesellschaftlicher Ebene betrachtet - noch lange keine gute Idee. Ehrlich gesagt, sehe ich in solchen Projekten ehr Tendenzen, die mich sehr traurig stimmen, in welche Richtung wir uns entwickeln. Und das nicht, weil ich den Leuten unterstelle, Kinderhasser zu sein oder weil das Bedürfnis nach Ruhe etwas Schlechtes wäre, sondern weil es letztendlich auf Separation hinausläuft.

Zusammenleben (auch in einer Wohngegend) erfordert immer ein gewisses Maß an Toleranz und gegenseitiger Rücksichtnahme - das sind unheimlich wichtige Grundwerte, ohne die gesellschaftliches Zusammenleben und Zusammenarbeiten generell nicht funktionieren würde. Und in einer immer komplexer werdenden Gesellschaft wie der unseren, in der immer individuellere Bedürfnisse und Lebensstile auftauchen wichtiger denn eh und je. Gegenseitige Rücksichtnahme bedeutet, dass ich manchmal auch Dinge hinnehme, die ich nicht mag, dass ich mit den Menschen um mich herum Kompromisse finde, wie sich seine und meine Bedürfnisse unter einen Hut bringen lassen. Als Mensch, der laute Kinder als Lärm empfindet, bedeutet das, dass ich tolerieren muss, dass Kinder [b]manchmal[/b] eben auch laut sind, umgekehrt aber muss ich als Kind auch lernen, dass es Menschen gibt, die ihre Ruhe haben wollen und dass ich auch auf diese Rücksicht nehmen muss und eben auch mal leise spielen muss (eine Sache, die uns als Kindern noch beigebracht wurde). Wenn im Haus nebenan junge Leute wohnen, kann es passieren, dass diese eben auch mal eine laute Party feiern, umgekehrt aber müssen die jungen Leute nebenan auch so viel Rücksicht haben, dass [b]mal[/b] eine Party nicht jedes Wochenende bedeutet. Von Dingen wie Nachbarschaftshilfe, Einkaufen gehen für den alten oder kranken Menschen nebenan, der es momentan nicht kann, weil er ans Haus gebunden ist, der aber im Gegenzug vielleicht mal für ein paar Stunden das Kind der allein erziehenden Mutter nimmt, will ich gar nicht erst anfangen.

Wir haben ein enorm großes Problem der Anonymisierung in unserer Gesellschaft. Dass Menschen in einem Mietshaus oder einer Straße zusammenleben und sich nicht kennen, hätte es früher nicht gegeben, auch nicht, dass ein Mensch wochenlang tot in seiner Single-Wohnung liegen kann, ohne dass es irgendwer bemerkt oder dass eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern völlig ohne Unterstützung dasteht. Das sind alles Folgen einer mobilen, sich immer mehr individualisierenden Gesellschaft, in der man weder ein Leben lang an einen Ort gebunden ist, noch in der man ein Leben lang an familiäre Bindungen gebunden ist und man sich deswegen (und das nicht mal aus böser Absicht) um seine eigenen Dinge kümmert – im Kreise von Wahlbeziehungen, die nicht mehr an die Menschen, die einfach zufällig um einen herum sind gebunden sind. In diesem Sinne bilden auch die Macher und Nutzer des kinderlosen Dorfs keine Ausnahme. Eine gewisse Menschengruppe hat ein Bedürfnis, es wird ein Angebot geschaffen, dies zu befriedigen, das sogar noch über das „meine Freunde sitzen nicht im Haus nebenan, sondern quer über Deutschland verteilt, meine Arbeitsstelle ist eine halbe Stunde Autofahrt entfernt und mein Kind spielt nicht mit den Nachbarskindern, sondern mit den Kindern aus der Kita, die auf den Radius der kompletten Stadt verteilt sind“ - Phänomen hinausgeht. Deutlicher als „wir wollen mit den Problemen, die Kindererziehung mit sich bringt nichts mehr zu tun haben“ geht es eigentlich nicht mehr.

Natürlich ist das Bedürfnis nach Ruhe nichts verachtenswertes und dass man einen solchen Wohnort wählt, wenn er einen individuell mehr von dem bietet, was man möchte als eine „gemischte“ Wohngegend nachvollziehbar. Jedoch denke ich, sollte man sich fragen, worauf das gesellschaftlich gesehen hinausläuft, wenn so ein Projekt Schule macht, wenn X-freie Dörfer zur pfiffigen Geschäftsidee werden und überall wie Pilze aus dem Boden sprießen würden. Eine Ahnung bekommt man vielleicht, wenn man sich die Geschichte des Umgangs mit behinderten Menschen ansieht. Hier wurde aus guten Willen, nur um zu helfen, Separation betrieben. Behinderte Menschen wurden in Zentren untergebracht, in denen man ihnen „am besten helfen“ konnte – durch geschultes Personal. Leider hatte das auch den Nebeneffekt, dass Behinderte nicht ins Stadtbild gehörten und heute ist man an vielen Stellen bemüht, die zuvor durch „nur das Beste wollen“ künstlich geschaffene Separation wieder aufzubrechen – sei es durch zunehmende integrative Kitas, Schulklassen etc. für Kinder oder sei es dass die Behindertenwohnheime durch betreute Wohngruppen ersetzt werden uvm. Es kommt übrigens auch nicht von ungefähr, dass sehr viele Aufgaben, die früher einfach von Menschen um einen herum erledigt wurden, zunehmend professionalisiert werden – wo früher besagte Nachbarin mal eben für die alte Dame nebenan mit Einkaufen ging, gibt es heute den Versorgungsservice irgendeiner karitativen Einrichtung, wo die Oma von nebenan gestern auf das Kind aufpasste, während man arbeiten musste, sprießen heute an allen Ecken und Enden Kinderkrippen aus dem Boden. In ein und der selben Stadt leben einsame alte Menschen, deren Familie weit weg wohnt und Alleinerziehende Mütter am Rande der Überforderung zusammen, ohne sich zu begegnen und gegenseitig voneinander profitieren zu können. Man sollte sich wirklich die Frage stellen, ob Separation, auch wenn sie legitime individuelle Bedürfnisse erfüllt, wirklich das ist, was unsere Gesellschaft braucht, oder ob es nicht vielleicht besser wäre, ehr wieder darin zu investieren, gegenseitige Rücksichtnahme zu fördern und das Lernen, dass Menschen mit anderen Lebensweisen zwar gewisse Dinge mit sich bringen, die mir ehr unangenehm sind, wie z.B. ein paar Stunden Kinderlärm, ich aber auch von dieser Vielfalt profitieren kann – damit meine ich nun nicht nur im individuellen Bereich, sondern ehr auf „Anbieterseite“, in der sozialen Stadtplanung, z.B. durch solche Projekte wie MGHs und ähnliches in diese Richtung.

Übrigens: in Deutschland bräuchte man nicht unbedingt ein kinderloses Dorf durch eine „45 +“ – Regelung zu erschaffen. Es gibt genügend ganz von selbst entstandene Dörfer, in denen kein einziges Kind, kein einziger Jugendlicher und kein einziger junger Erwachsener lebt und man auf den Straßen nur noch Gesichter von Menschen sehen kann, die die 70 bereits hinter sich gelassen haben – auch das ist ein Nebeneffekt unserer mobilden, individuellen Welt.
ArrogantNickrosenkind,-
ich sehe in einigen Nischen für ruhebedürftige Menschen nun wirklich keine gesellschaftliche Gefahr, im Gegenteil. Je weniger Streit entsteht und um so mehr Ausweichmöglichkeiten es gibt, um so weniger verhärtete Fronten gibt es. Man kann Menschen nichts aufzwingen und das ist auch gut so.

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Kampfsau[QUOTE][QUOTE]ine Ahnung bekommt man vielleicht, wenn man sich die Geschichte des Umgangs mit behinderten Menschen ansieht. Hier wurde aus guten Willen, nur um zu helfen, Separation betrieben. Behinderte Menschen wurden in Zentren untergebracht, in denen man ihnen „am besten helfen“ konnte – durch geschultes Personal. Leider hatte das auch den Nebeneffekt, dass Behinderte nicht ins Stadtbild gehörten und heute ist man an vielen Stellen bemüht, die zuvor durch „nur das Beste wollen“ künstlich geschaffene Separation wieder aufzubrechen – sei es durch zunehmende integrative Kitas, Schulklassen etc. für Kinder oder sei es dass die Behindertenwohnheime durch betreute Wohngruppen ersetzt werden uvm.[/QUOTE]

Das ist halt ein bischen so eine Sache, nicht dass es verkehrt ist, integrative Klassen zu haben. Viele Behinderte mögen es so auch besser. Nur einheitlich zu sagen, dass die Seperation in dem Fall schlecht ist, kann man jetzt auch nicht unbedingt. Es kommt auf den Grad der Behinderung an, ist dieser zu hoch, kann es durchaus sinnvoll sein, den Kindern den Besuch bestimmter Einrichtungen zu ermöglichen. Integration ist wichtig aber manchmal ist sie im vollen Umfang nicht unbedingt möglich. Teilweise gibt es da nämlich auch ganz praktische Hindernisse. So reichen für viele Behinderte 5 minütige Toilettenpausen überhaupt nicht aus und das ganze kann locker 3-4 mal so lange dauern. Oder es gibt Probleme mit der Mobilität und es ist kaum möglich, ohne Hilfe von 3-4 Leuten höhere Stockwerke zu erreichen oder auf Ausflüge mitzugehen. Das sind z.B. konkrete Probleme bei dem Schulbesuch oder dem Studium. Bei der Arbeitssuche ist das Problem, dass es verdammt teuer ist, ausreichend große Fahrstühle, Rampen oder Treppenhäuser überall einzubauen. Dann gibt es natürlich auch das Problem, dass viele schwer Behinderte auch mal eine Einzelfallbetreuung brauchen, um zu arbeiten. Dann auch Fahrdienste um zur Arbeit zu kommen und wenn man nicht unbedingt ein Genie ist und unsagbar kostbare Einfälle hat, lohnt dass in den meisten Fällen einfach überhaupt nicht Außerdem ist eine körperliche Behinderung auch keine Garantie dafür, dass das mit intellektuellen Höchstleistungen ausgewogen werden kann. Das sind dann Leute, die wären ohne Unfälle die sie verkrüppelten auch eher Straßenbauer oder Handwerker geworden und nicht unbedingt Professor der Physik oder Mathematik


[QUOTE]Es kommt übrigens auch nicht von ungefähr, dass sehr viele Aufgaben, die früher einfach von Menschen um einen herum erledigt wurden, zunehmend professionalisiert werden – wo früher besagte Nachbarin mal eben für die alte Dame nebenan mit Einkaufen ging, gibt es heute den Versorgungsservice irgendeiner karitativen Einrichtung, wo die Oma von nebenan gestern auf das Kind aufpasste, während man arbeiten musste, sprießen heute an allen Ecken und Enden Kinderkrippen aus dem Boden. In ein und der selben Stadt leben einsame alte Menschen, deren Familie weit weg wohnt und Alleinerziehende Mütter am Rande der Überforderung zusammen, ohne sich zu begegnen und gegenseitig voneinander profitieren zu können.[/QUOTE]

Kindergrippen "sprießen" jetzt auch nicht unbedingt an allen Ecken und Enden aus dem Boden.

Und von ungefähr kommt das sicherlich nicht. Dass viele Dienstleistungen professionalisiert wurden, hat gute Gründe.

Früher war es doch so, dass es ganz einfach deutlich weniger alte Menschen gab.In den 80ern und frühen 90ern ging es denn Menschen auch finanziell deutlich besser. Der Sprit war billig, die Kaufkraft hoch. Es hat häufiger gereicht, wenn ein Alleinverdiener ordentlich verdient hat. Oft blieben dann die Frauen zuhause und hatten dann vielleicht auch mehr Zeit, sich mal ein bischen um die 80ig jährigee Frau zu kümmern, wenn die Kinder in der Schule waren und man neben dem Haushalt noch etwas Zeit hatte.

Heutzutage müssen beide Eltern für den Lebensunterhalt arbeiten und es wohnen dann nicht 5 etwas hinfällige Menschen, sondern vielleicht 8 oder 9 in einer Plattenbausiedlung. Wie soll man denn noch Zeit für Mitmenschen haben, wenn Zeitarbeit und präkäre Arbeitsverhältnisse immer weiter zunehmen?

Dann erwartet man auch immer mehr Mobilität, wer nicht von Flensburg nach Salzburg zieht für nen Job, gilt ja schon fast als unflexibler Faulpelz.

Die einzelnen Punkte sind es nicht mal unbedingt, die mich so stören. Es sind diese widersprüchlichen Erwartungen die man doch alle erfüllen muss.

Einerseits immer bessere,längere, teurere,selbstfinanzierte Ausbildung, flexiblere Arbeitkräfte im Gegensatz dazu, weniger Planungssicherheit und dann sagt man den Leuten, sie müssen in Zukunft noch mehr Ehrenamtlich, also quasi umsonst arbeiten, um andere zu versorgen.

Dabei halte ich eine professionalisierung der Pflege für sehr sehr sinnvoll. Die Aufgaben dort werden immer anspruchsvoller und darüber hinaus, sind das Aufgaben, die im Rahmen der Produktivitätssteigerung sinnvolle Beschäftigung darstellen.

Auch wenn eine Volkswirtschaft sicher nicht dadurch bestehen kann, dass sich jeder um jeden kümmern kann und man sich gegenseitig den Hintern abwischt

Und eine Alterselektion halte ich im großen Rahmen, nachwievor für kontraproduktiv.Man mag vielleicht denken, wenn sich alle schön aus dem Weg gehen, wird schon nichts passieren. Nur Individualitätsbedürfnisse heißen eben nicht, dass wir gänzlich unabhängig voneinander sind,nur weil Geld umverteilt wird oder Leute sich aus dem Weg gehen.

Ich meine wenn ein junger Mensch sagt, ich habe keine Lust den ganzen Alten ihre Renten zu bezahlen und diese zu pflegen, dann wird auf deren Bedürfnisse ja auch kaum Rücksicht genommen, einfach weil sie weniger Wahlstimmen haben.

Wir leben in einer Solidargesellschaft und folglich kann man der Verantwortung
sich um andere kümmern zu müssen, nicht dauerhaft entkommen.

Wenn jetzt jemand sagt, ich habe mal ein paar Jahrzehnte was getan und muss mich um nichts mehr als mich selbst und meine eigene Bedürfnisse kümmern und kann mir jetzt die nächsten 20-30 Jahre die ich noch lebe ein schönes Leben machen, dann könnte man sich streiten ob man wirklich diese Ansprüche hat. Was ist das denn für eine Mentalität? Ich bin bald sowieso tot, da hol ich nochmal alles für mich heraus, sollen die Jungen irgendwie zusehen wie sie das dann später schaffen.


Worüber man sich aber nicht streiten kann ist, dass das praktisch dauerhaft nicht mehr umsetzbar ist. Jeder der arbeiten kann, egal wie alt er ist, von dem muss das irgendwann auch verlangt werden.

Die Praxis die heutzutage oft angewandt wird, Ingenieure die noch gesund und rüstig sind und vielleicht sogar noch arbeiten wollen, mit mitte/ ende 50 in den Vorruhestand zu schicken ist doch fatal, nur weil man irgendwann einen jungen Akademiker, frisch von Der Uni für 30 % weniger und ohne Festvertrag arbeiten lassen will.

Und dann kann man eben nicht einfach mehr Kitas schließen, weil Kinderlärm mit Industrielärm verglichen wird und irgendwelche alten Leute sich darüber beschweren.

Die Menschen müssen immer Teil der Gesellschaft und nicht nur eine Schicht der Gesellschaft sein. Ich glaube viele ältere Menschen sehen das nachwievor noch so.

Deswegen ist es vielleicht nicht verboten, wenn man niemanden unter 45 in seiner Nachbarschaft sehen will aber ob sowas insgesamt der richtige Weg ist?
rosenkind@ Kampfsau
Die Sache mit den Behinderten diente nur als Beispiel zur Veranschaulichung, weswegen ich weniger in Details gegangen bin. Es ist vollkommen klar, dass es unterschiedliche Grade gibt und dass Integration nicht spezielle Hilfe vollumfänglich ersetzen kann. Es fängt aber schon bei einfachen Dingen an, beispielsweise indem man eben jene speziellen Einrichtungen in den Stadtkern baut - und nicht an den Rand irgendwo in die Pampa, wie das leider häufig der Fall ist oder zumindest war.

Zum Thema Kinderkrippe: Auch wenn der Bedarf nach Krippenplätzen bei Weitem nicht gedeckt werden kann/wird, gehören Kinderkrippen dennoch zu den pädagogischen Einrichtungen, die in den letzten Jahren den größten Ausbau im Vergleich zu ihrem Stand zuvor erfahren haben, wobei das nicht nur extra Einrichtungen betrifft, sondern auch oder vermutlich sogar mehrheitlich die Einrichtung von Betreuungsmöglichkeiten der unter 3-Jährigen in Kindertagesstätten. Zumindest, was die westlichen Bundesländer betrifft.

Natürlich hat die zunehmende Professionalisierung bestimmter Aufgaben auch andere Gründe, z.B. die längeren Lebenserwartungen und veränderten Generationenverhältnisse. Das ändert dennoch nichts daran, dass Dinge wie Einkaufen gehen oder zwei Stunden auf ein Kind aufpassen keine jener enorm anspruchsvollen Aufagen sind, für die man einen Universitätsabschluss oder zumindest eine mehrjährige Berufsausbildung bräuchte. Ob das zetlich machbar ist, wenn in der Nachbarschaft nicht nur eine ältere Dame, sondern fünf leben und man berufstätig ist, ist nochmal eine andere Frage und ich will auch nicht behaupten, dass die Mobilität und Verinselung unserer Gesellschaft der einzige Grund für die bestehenden Verhältnisse sind. Aber sie sind ein nicht zu unterschätzender Faktor. Grade das Phänomen, das du beschrieben hast, dass im Berufsleben heute eine hohe Flexibilität erwartet wird, mal eben von Stadt A nach Stadt B zu ziehen, erschwert doch den Aufbau sozialer Vernetzung imens. Eine junge Familie, einer vollbeschäftigt, einer Teilzeitstelle, die im selben 300-Seelen-Dorf leben wie die eigenen Eltern, könnte für selbige leicht im Supermarkt mit einkaufen und mal eben die Kinder zur Betreuung vorbeibringen. Wenn diese junge Familie nun aber aus beruflichen Gründen 300 Kilometer weiter weg wohnt, funktioniert das nicht - und wenn es in besagtem 300-Seelen-Dorf für junge Menschen keine Arbeitsmöglichkeiten gibt und auch der Rest der jungen Familien wegzieht, bleibt nur die Möglichkeit, jene Aufgaben in professionelle Hände zu geben. Denn in einer altershomogenen Ortschaft nützen auch keine Projekte ala MHG mehr.

Prinzipiell kritisiere ich auch nicht den Wunsch, niemanden unter 45 in der Wohngegend um sich herum haben wollen als solches. Im Gegenteil kann ich es aus individueller Sicht nachvollziehen, denn ich würde beispielsweise persönlich auch nicht über einer Diskothek wohnen wollen aus Lärmgründen. Ich sehe nur große Probleme darin, wenn dieser Wunsch in einer Ortschaft ohne bestimmte Personengruppen zu leben unüberdacht in einer simplen Angebot-Nachfrage-Logik im großen Stil realisiert wird. Ein funktionierendes soziales System beruht auf mehr Faktoren, als auf fließenden Geldströmen. Und eine gute Gemeinwesenplanung versteht es, die Vorteile, die sich aus einer heterogenen Bevölkerungszusammensetzung ergeben zu fördern und die Nachteile möglichst gering zu halten. Nicht alles, aber ein gewisser Prozentsatz an Problemen ließe sich durch eine bessere Optimierung dieser Faktoren zumindest verringen. Ein Beispiel dafür ist z.B. die Großelternbörse oder wie immer es auch in einzelnen Gemeinden genannt werden mag, die einsame alte Menschen, die gerne familiären Anschluss hätten mit Familien zusammenbringt, die weit weg von der wirklichen Oma und dem wirklichen Opa leben und gerne großelterliche Unterstützung vor Ort hätten und somit zwei soziale Probleme auf einmal löst bzw. mindert. (Natürlich klappt auch da nicht alles reibungslos – aber wo tut es das schon?)

Wenn ich also etwas kritisiere, dann ist es nicht der Wunsch, in einer 45 + - Umgebung zu leben, sondern dass es vielleicht etwas kurzsichtig gedacht und gehandelt ist, mehr auf individuelle Wünsche zu schauen, als „das Ganze“ im Auge zu behalten. Ich wette, dass eine Gemeinde, die eine solche Regelung aufstellt auf lange Sicht gesehen mit sozialen Problemen zu kämpfen haben wird. Zum Beispiel, weil junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte fehlen. Man muss auch bedenken, dass ein solcher Wohnort auch altert. Da ich davon ausgehe, dass nicht das komplette Dorf nach ein paar Jahren wieder umziehen wird und nur grad 45-Gewordene nachrücken, wird dort in 20 Jahren ein Dorf stehen, in dem, würde es in Deutschland sein, fast nur Menschen leben, die bereits in Rente sind und mit gewissen Erscheinungen des Alters zu kämpfen haben. Dass neue junge, will heißen frisch gebackene 45-jährige gerne in eine Ortschaft mit einem Altersdurchschnitt sagen wir mal 75 ziehen, kann ich mir auch weniger vorstellen, wer also versogt diese alten Menschen mal in ihren spezifischen Belangen, in denen sie sich nicht selbst durch Nachbarschaftshilfe helfen können, weil diese in der gleichen Situation sind?

@ArrogantNick
Sicherlich ist es übertrieben, den Untergang der Gesellschaft zu prophezeien, weil irgendwo [b]ein[/b] 45+ - Dorf steht. Aber dass ein solches Dorf gebaut wird, lässt durchaus Rückschlüsse auf bestehende gesellschaftliche Tendenzen zu, die man kritisch hinterfragen sollte. (Und scheinbar sind ja noch mehr Dörfer in Planung). Für meinen Teil zumindest erscheint es mir so, als würde heute an vielen Ecken und Enden – sei es hier in der Gemeinwesenplanung, aber sei es meinetwegen auch in der Chefetage irgendeiner Firma – sehr kurzfristig auf die Realisierung aktueller Bedürfnisse geschaut werden, sich aber um langfristige Folgen dessen weniger Gedanken gemacht werden. Das gilt natürlich nicht nur für die Macher, sondern auch den kleinen Mann. Bis jetzt ist es nur ein Dorf, ob es aber bei einem Dorf (oder meinetwegen auch drei oder vier) bleiben wird, oder daraus eine Tendenz im großen Stile wird, kann heute keiner wissen. Deswegen will ich auch nicht den Teufel an die Wand malen und sagen „bloß den Bau eines neuen Dorfs dieser Art verhindern“ – aber man darf sich ruhig Gedanken darüber machen, was es bedeuten würde, wenn dem so wäre. Ich sehe in einem solchen Projekt mehr als nur eine Nische für ruhebedürftige Menschen, sondern eben auch eine Manifestation gesellschaftlicher Tendenzen, die man kritisch beäugen sollte. Und es gibt auch höhere gesellschaftliche Dimensionen als die Frage, ob ich ganz subjektiv meine Nachbarn mag oder nicht oder gar keinen Streit mit ihnen habe, weil ich wegziehe. Prinzipiell könnte man sich allerdings auch fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, anstatt Ausweichmöglichkeiten [b]dieser Art[/b] zu schaffen, sich an einen runden Tisch zu setzen und zu schauen, wie man unterschiedliche Bedürfnisse unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen unter einen Hut bekommt. Damit will ich Ausweichmöglichkeiten nicht als solches kritisieren (die sind manchmal notwendig und sinnvoll), aber sie sollten in der Reihe der Lösungsversuche meiner Meinung nach erst hinter dem runden Tisch kommen.
Übrigens lassen sich auch innerhalb einer alterheterogenen Gemeinde 45 + Wohnblocks bauen, so dass man vorm Kinderlärm relativ sicher ist.
Kampfsau[QUOTE]Es fängt aber schon bei einfachen Dingen an, beispielsweise indem man eben jene speziellen Einrichtungen in den Stadtkern baut - und nicht an den Rand irgendwo in die Pampa, wie das leider häufig der Fall ist oder zumindest war. [/QUOTE]

Das ist halt so eine Sache, vielleicht wurde sowas auch wegen Kostengründen gemacht. Aus dem Sozialamt in unserer Region wo ich einem zweiwöchigem Praktikum beiwohnte konnte ich in Erfahrung bringen, dass die Ausgaben für Behinderte in den letzten Jahren explodiert sind.

Schon jetzt ist ja zu sehen, dass viele alte Menschen eher auf dem Land leben, wohingegen junge Menschen aus berufstechnischen Gründen eher in größere Städte ziehen. Darum kann ich es jetzt auch nicht als so schlimm ansehen, wenn z.B. in Süddeutschland eine solche Einrichtung nicht unbedingt in Stuttgart oder in den münchener Stadtkern gestellt wird.Man muss ja auch die Kosten irgendwie im Auge behalten.

Viele ältere Menschen wohnen auch auf dem Land und bei mir in der Gegend ist es tatsächlich so, die Industrie ist eher schwach ausgebaut und oft sind Pflegeberufe eine der wenigen Möglichkeiten, noch etwas Kohle zu machen.

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