| True Zombie | Ich ließ gerade mein ganzes Leben einmal ungeschönt und so objektiv wie nur irgendmöglich an mir vorbeilaufen und kam zu folgenden Abstufungen: Frühe Kindheit (0-6): Der Glaube an das Böse Späte Kindheit (7-12): Der Glaube an das Gute Frühe Jugend (13-18): Mehr Schein als Sein Späte Jugend (19-29): Mehr Sein als Schein Frühes Erwachsenenalter (30-?): Die Entdeckung der Tyrannei Als logische Konsequenz würde ich die Entdeckung der Menschlichkeit für das späte Erwachsenenalter aufführen, is aber noch nicht so weit. Was mir dabei auffällt, ist daß ich immer erst die beschissene Seite der Medaille erfahren musste, damit sie sich im Anschluss in ihr positives Gegenteil umkehrt... Und nun meine Frage in die Runde: Ist das eher ne individuelle Geschichte oder doch mehr etwas kollektiv um sich greifendes? Ich sehe nämlich Anzeichen für beide Vermutungen. Denn wenn ich mich gegenwärtig in meiner Generation so umschaue und auch zurückdenke wie wir früher drauf waren, so finde ich viele Parallelen zu Gleichaltrigen, die mich glauben lassen, daß das eher ne kollektiv bedingte Sache ist. Aber ebenso fallen mir auch wiederum Leute ein, die nicht in das Schema jenes Lebensverlaufs passen, die mich daran zweifeln lassen. Es sei dazu gesagt: Ich bin 1977 geboren und stamme aus dem Osten Deutschlands. |
| Kampfsau | Uuuffff.... Ist so eine stumpfe Einteilung nicht ziemlich banal und simpel? Meinst du wirklich du kannst die letzten 35 Jahre so objektiv und korrekt Revue passieren lassen, um zu einen halbwegs ungefärbten Ergebnis zu kommen? Nur weil du mal "gerade" dein Leben an dir vorbeilaufen ließt? Oder kann es nicht sein, dass dein Bedürfnis nach einfachen Erklärungen ein beherrschender Faktor deiner Gedanken ist? Ich meine der Gedanke ist doch verlockend, man hat sich selbst vollkommen im Blick, man kann anhand weniger Sätze erklären, wie der Großteil der Menschen um einen herum tickt. Und indem man sich selbst einfach als Indikator für alle anderen Menschen ansieht, erspart man sich sogar die Mühe, sich doch tatsächlich in andere Menschen hineinzuversetzen und sich ernsthaft mit deren Gedanken auseinanderzusetzen oder akzeptieren zu müssen, dass man viele Dinge nicht weiß. Oder man nimmt gezielt nur das wahr, was den eigenen Erwartungen entspricht und blendet Dinge die davon unabhängig sind oder dem widersprechen einfach aus. Ende vom Lied, auch wenn man nichts weiß, so hat man zumindest den Glauben man tut es. Und vielen Menschen reicht das ja schon aus. |
| True Zombie | @Nix: Erstens beneide ich niemanden, denn dazu bin ich viel zu sehr von mir selbst und meinem gelebten Leben eingenommen. Zweitens nutze ich das Forum, um mich ehrlich mitzuteilen und nicht wie von Dir interpretiert, um mich hier nur selbstverherrlichend darzustellen. Und drittens glaube ich nicht, daß ich auf Menschen nur abstoßend wirke, sondern daß es zur Zeit eher umgekehrt ist, daß sie auf mich abstoßend wirken. Wie schon gesagt, meine Hauptintention besteht darin, so ehrlich wie nur möglich ein Licht auf alles zu werfen. Daß das kein wohliges Feuer ist an dem man sich gerne aufwärmt, liegt ja wohl auf der Hand. Aber lieber bittere Wahrheiten als süße Illusionen. Ich tick nunmal so mittlerweile. Auch wenn es früher mal genau andersrum war... |
| Ronin76 | Natürlich ist Alles eine Frage des Alters, jedoch nicht des Alters an sich, sondern der Erfahrungen und der dadurch geprägten Wahrnehmung. Vielleicht solltest du dich mal so akzeptieren wie du bist, True Zombie. Im Grunde suchst du ja ständig dich selbst und Erklärungen für deine Vergangenheit und deine Gegenwart. Die Antworten darauf kannst jedoch nur du wissen. [QUOTE]Und drittens glaube ich nicht, daß ich auf Menschen nur abstoßend wirke, sondern daß es zur Zeit eher umgekehrt ist, daß sie auf mich abstoßend wirken.[/QUOTE] Beides hängt ein Stück weit zusammen. Wenn du Andere als abstoßend empfindest, werden sie das bemerken, und dich auch als abstoßend empfinden. Viele Eigenschaften, die man bei Anderen erkennt, sind auch in einem selbst vorhanden. Wenn man herausfindet, was die Ursache für ein spezielles Verhalten ist, kann man dies eher akzeptieren. |
| Evillight | [QUOTE][i]Original geschrieben von True Zombie [/i] [B]Ich ließ gerade mein ganzes Leben einmal ungeschönt und so objektiv wie nur irgendmöglich an mir vorbeilaufen und kam zu folgenden Abstufungen: Frühe Kindheit (0-6): Der Glaube an das Böse Späte Kindheit (7-12): Der Glaube an das Gute Frühe Jugend (13-18): Mehr Schein als Sein Späte Jugend (19-29): Mehr Sein als Schein Frühes Erwachsenenalter (30-?): Die Entdeckung der Tyrannei Und nun meine Frage in die Runde: Ist das eher ne individuelle Geschichte oder doch mehr etwas kollektiv um sich greifendes? Es sei dazu gesagt: Ich bin 1977 geboren und stamme aus dem Osten Deutschlands. [/B][/QUOTE] Frühe Kindheit (0-6): Der Glaube an das Böse Wie an den Weihnachtsmann, d.h. Kinder glauben an alles. = normal Späte Kindheit (7-12): Der Glaube an das Gute Das ist Einschulung und die Zeit als Jung-bzw Thälmannpionier. Da waren alle gesellschaftliche Sieger auf dem Weg zum Kommunismus. = normal Frühe Jugend (13-18): Mehr Schein als Sein 1990 Wiedervereinigung Deutschlands und Pubertät. Muss wohl nicht erläutert werden, dass Teenager immer mal gerne den Windbeutel geben und um diese Zeit war das ein gesellschaftliches Phänomen. = normal Späte Jugend (19-29): Mehr Sein als Schein Na hoffentlich. Nennt sich auch Erwachsenwerden. = normal Ich weiss nicht, ob das jetzt gut, oder schlecht für dich ist, aber Du hast hier nur einen Standarddurchlauf gehabt und falls es Dich tröstet, ab 30 gehts abwärts, d.h. DAS waren noch die guten Zeiten! :p Per Anhalter durch die Galaxis - Zitat "Wissen Sie, mein ganzes Leben hatte ich das komische Gefühl, dass etwas Gewaltiges und Böses in der Welt vorgeht." - "Nein, das ist nur völlig normale Paranoia, die kriegt jeder im Universum." |
| True Zombie | @evillight: Danke, das sind sehr beruhigende Worte, daß das alles ganz normal war, gerade weil Du den gesellschaftlichen Hintergrund mit einbeziehst. Da leuchtet mir ne Menge ein. Daß es jedoch mit 30 nur noch abwärts geht, was ich bei mir auch schon feststellte, ist hingegen eher beunruhigend und frustrierend. Ich dachte immer daß sich die Beschissenheit wieder legt irgendwann, aber bis jetzt noch keine große Änderung. |
| Kampfsau | Weil mal jemand schreibt, es geht abwärts, bist du sofort verunsichert? |
| True Zombie | Ne, nur weil es mich bestätigt, wenn ich mir mein eigenes Leben ab 30 so anschaue. Keine rosigen Aussichten bis jetze. |
| LaChatte | ich finde im Gegenteil, ab 30 wird's erst richtig gut. naja, sagen wir ab Mitte Dreissig. Da ist die ganze Jugend-Doofheit endlich grösstenteils entsorgt. grüsse, barbara |
| True Zombie | Meine sogenannte Jugend-Doofheit hatte ich eigentlich mit 18 schon entsorgt und ab dann war es keine doofe Jugend mehr sondern eine die fetzt. Seit der magischen 30 hatte ich bis jetzt nur die Hölle am Arsch. Jedenfalls nix angenehmes. Aber is dann wohl mehr ne persönliche Angelegenheit. Obgleich ich bei meinen Kumpels die auch alle so ungefähr mein Alter haben, ähnliche Abstürze wahrnehme. |
| poison | mit 30 geht es abwärts ?? dann muss ich wohl befürchten, den zeitpunkt verpasst zu haben ... mittlerweile bin ich um einiges über diese schnittstelle hinaus und gestehe, mich heute wohler und in vielen dingen sicherer zu fühlen, als noch für einigen jahren ... vielleicht besteht ja doch noch hoffnung ... |
| Ronin76 | [QUOTE][i]Original geschrieben von True Zombie [/i] [B]Meine sogenannte Jugend-Doofheit hatte ich eigentlich mit 18 schon entsorgt und ab dann war es keine doofe Jugend mehr sondern eine die fetzt. Seit der magischen 30 hatte ich bis jetzt nur die Hölle am Arsch. Jedenfalls nix angenehmes. Aber is dann wohl mehr ne persönliche Angelegenheit. Obgleich ich bei meinen Kumpels die auch alle so ungefähr mein Alter haben, ähnliche Abstürze wahrnehme. [/B][/QUOTE] Du bist da nicht alleine.. [URL=http://www.youtube.com/watch?v=EymkBspXA5U]Der Osten rollt[/URL] |
| True Zombie | Ich kann mit dieser Schönfärberei des Ossi-Seins mit Bezugnahme auf die erlebte DDR in der Kindheit/Jugend nicht mehr viel anfangen. Denn seien wir doch mal ehrlich: Jene menschlichen Werte die wir glauben gehabt zu haben, wurden uns doch eh nur ideologisch diktatorisch eingepflanzt und hatten eigentlich nix mit wahrer natürlicher Menschlichkeit zu tun. Denn ich weiß noch daß trotz sozialistischer Erziehung mitunter eine enorme zwischenmenschliche Grausamkeit herrschte, die in sadistischem und masochistischem Verhalten ihren Ausdruck fand - zumindest bei uns Kindern. Da sehnte ich mir wie viele andere auch immer den Westen herbei, wo ich glaubte daß es da in der Beziehung humaner ist, da die Menschen dort mehr Wert auf individuelle Abgrenzung legen anstatt auf kollektive Verstrickungen. Von den besseren Produkten mal ganz abgesehen. |
| Ronin76 | Soziale Kälte und Grausamkeit sind fast immer die Folgen von autoritärer Erziehung (mit Prügel), und einer nicht artgerechten, technischen und auf das bloße Überleben reduzierten Umwelt, die irgendwann immer einen Menschen krank macht. ZB Plattenbauten mit wenig Grünflächen, 40-Std Zwangsarbeit, gefängnisartige Arbeitsplätze, Verwaltungsapparate, gewalttätige Gesetze und Vorschriften, und andere rein funktionale Strukturen, die dem Machterhalt von Wenigen dienen. Die DDR-Ideologie war das Instrument zur Tarnung, in der BRD wurde das Ganze nur besser getarnt. Statt einer offensichtlichen Einheitspartei wie der SED gab und gibt es eben Splitterparteien, um Vielfalt und Freiheit vorzutäuschen. Für das mittelfristige Ziel von Groß-Europa, wo sich alle großen Parteien einig sind (auch Gysi und Lafontaine), musste die DDR eben integriert werden. Aber es war lange nicht alles schlecht in der DDR, schließlich hielten Narva-Glühbirnen weitaus länger als der Obsoleszenz-Schrott von Osram. |