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  Forum: lebens : ART
    Thema: Geschichte,Studie: Gothic
CableSo will ich mal ein Them dazu aufmachen.

Ich sicher schon der X-te der ein Referat über die Gothic-Szen macht.

Aber ich will viele Dinge Ansprechen von den Ursprung wie die Szene enstand, bis zu den Gründen warum schwarz, was es mit Freidhöfen usw... auf sich hat, muss ja alles aus der Geschichte der Szene von etwas führen.

Zwar habe ich mich schon durch diverese Webseiten geschaut, und auch ein Buch darüber gelesen und mit anderen Leuten geredet, aber da sind auch Meinungen verschieden.

Jetzt will ich mal von euch einiges Wissen, was wisst ihr über die Geschcihte der Szene, und was für einen Bezuf habt ihr jetzt zur Szene, wie ist eure Einstellung.

Schreibt was ihr könnt, ich will so viel wie möglich für mein Englisch Referat verwenden können ;)

Danke mal. Die Mühe es ins Englisch zu überstzen habe eh dann nur ich *g*
SenecaPassenderweise habe ich für solche Fälle immer etwas zum "drag & drop" auf der Festplatte:

Die Szene existiert in ihrer heutigen, sichtbaren und omnipräseten Form eigentlich nur seit wenigen Jahren.
Vorher bestand sie nur aus kleinen Gruppen von Leuten, die wenig Interesse an Öffentlichkeit und großen Veranstaltungen hatten, oft sogar auch untereinander nicht viel miteinander zu tun haben wollten.

Doch mit dem steigenden Angeboten und der agressiven Werbe-Strategie einzelner Profiteure, wuchs auch einen völlig neue Klientel heran, die mit der ursprünglichen nur noch wenig gemein hat.

Die Hintergründe und Motive der schwarzen Subkultur erfuhren mit jeder neuen Generation immer wieder grundlegende Wandel.
Trotzdem finden sich heute wie vor zwanzig Jahren Szene-Mitglieder aufgrund ähnlich lautender Motive zusammen.
Die düster-morbide Ästhetik steht dabei nicht alleine im Vordergrund.
Vielmehr ist es das Wissen, in der Szene Gleichgesinnte für den Ausdruck der eigenen Gedanken und Gefühle in Bezug auf das Leben an sich und das Dasein in dieser Gesellschaft zu finden, welches einen entscheidenden Anreiz zum Anschluss an die Szene bildet.
Vom Bürgertum geächtete, persönliche Einstellungen und Vorlieben geistiger oder auch sexueller Art stoßen in der Szene in der Regel nicht auf Ablehnung.
Man trifft vielmehr gleich denkende und fühlende Leute, mit denen ein Austausch möglich ist und die einem darüber hinaus das Gefühl geben, nicht "anormal" oder "pervers" zu sein.
In diesem geschützten Umfeld ist es den Szene-Mitgliedern möglich, ihre Phantasien auszuleben und kreativ in Form von Kunst, Literatur, Mode oder Musik umzusetzen.
Anders als andere Szenen, welche sich oft nur auf einen gemeinsamen Nenner wie etwa Mode, Musik, politische Aktivitäten oder Hass gegen Minderheiten reduzieren lassen, wird die schwarze Szene mit ihren Hintergründen nie "out" sein oder Gefahr laufen, sich zu überleben.
In jeder Generation gibt es Menschen, deren Lebenseinstellung und Selbstdarstellung in der Szene ihr Ziel finden.
So lassen sich z. B. geistige Brücken zu der Minne-Bewegung des Mittelalters, dem Mystizismusboom im 18. Jahrhundert, zu der düsteren Romantik des 19. Jahrhunderts (welche besonders in den "Gothic Novels" ihren Ausdruck fand), den freien und als dekadent geltenden 20er Jahren, der existenzphilosophischen Bewegung und den Hippies der 60er Jahre, bis zu unserer heutigen, durch allgegenwärtige Medienpräsenz zur Faszination an Tod und Grauen geschulten Zeit schlagen.


Gothic ist keinen Lebensphilosophie per se, ebenso wenig wie das Leben einen speziellen Grund oder einen Sinn hat.
Vergessen wir den Begriff Gothic auch besser sogleich wieder, denn nicht jeder definiert sich gerne so. Manche sehen darin mittlerweile schon eine Beleidigung.
Was diese Bewegung, die wie schon gesagt, früher sehr viele Anleihen aus der Epoche der Aufklärung, des Humanismus und den Ideen der Existenzialisten bezog, aber auf jeden fall sein wollte, war der Weg zur Selbstfindung, zur Selbstdefinition, eben jene erwähnte Plattform, auf der man sich ausprobieren kann, ohne auf nichts weiter als Unverständnis oder sofortige Ablehnung zu stoßen.
Auch dieser Weg war lang, denn als sich die schwarze Szene bildete, ging es den damals ausschließlich jungen Anhänger in erster Linie nur darum, anders zu sein, fast alles etablierte abzulehnen, sich abzugrenzen und zu schockieren...

Wenn man nicht gerade Rockstar ist, kann man damit natürlich kein Leben aufbauen, es sei denn, man bringt sich mit 23 um.

Daher haben sich die meisten der "Gruftis" von früher, spätestens in den 90ern zu etwas anderem entwickelt, sofern sie nicht komplett ausgestiegen sind, was man angesichts der Schwierigkeiten niemandem Übel nehmen kann. sie entwickelten eben jene Subkultur, die gerne Anleihen aus antihedonistischen Lehren bezog, ohne dabei zu einer dogmatischen Heilslehre werden zu wollen, im Gegenteil.
Man ist sich der Tatsache sehr wohl bewusst, daß es keinen realen Ausweg mehr gib, das keinen "Heilsbringer" geben wird.
Dies mag die Grundlegende Melancholische Komponente ausmachen, die innerhalb aller Splittergruppen mitschwingt.
Man bezog damit aber auch ganz klar Stellung gegen die ebenfalls gerade erwachsende Rave-Kultur.
Welche Werte der Einzelne nun wie weit für sich annimmt, kann ich von meiner Warte aus nicht beurteilen. Es ist aber auffällig daß die Subkultur, nicht zu verwechseln mit der "Clubszene", sich stark aus Charakteren mit halbwegs kompatiblem Lebensphilosophien zusammensetzt, die nach wie vor auf menschlicher Nähe, und gegenseitiger Unterstützung sowie einer gewissen überdurchnittlichen, nicht aber unbegrenzten Toleranz innerhalb der Subkultur setzen.
Tugenden die zwar allgemein gerne zitiert werden, in der Praxis aber eher ein braches Feld darstellen.

Es fällt natürlich leichter, diese im kleinen auszuleben, und eben diese Plattform, die Subkultur vor Ort, macht es oft leichter, weil sich dort leichter Individuen finden, die sich diesem Ideal verpflichtet fühlen.

Kurz gesagt:

Der eigene Existenz einen Sinn geben, Sinn für Ästhetik abseits der eingetretenen Pfade, Misstrauen gegenüber Etabliertem, und der Mut, dieses Streben nach einer anderen Lebensart auch für jeden erkennbar kundzutun...!

PS: Ich habe keinen "anständigen" Beruf, wie sich das für meine "schwarze Generation" gehört (zumindst sieht man es so oft, entweder man steigt aus, oder man hat keinen Job)
Am ehesten trifft daher noch "freischaffender Künstler mit abgebrochen Studium und vielen Nebenjobs" zu.

Obwohl ich irgendwann vor der "Szene" auch mal einen Beruf gelernt habe, zwei sogar...allerdings hab ich vergessen, welche das waren....das muss in einem anderen Jahrtausend gewesen sein...;)
Cable@Seneca: Danke, die erste Person die mir hierzu was rein schreibt. Hast du das wo von eienr Seite genommen, oder waren das eigene Erfahrungen.

Was mich noch interessiert und ich vergessen habe zu erwähnen, woher kommt die Verbinfung mit Fetisch, Vampire, Friedhöfe und der Tod ? Nur weil es in der Musik erwähnt wird, oder kommt es von der Literatur ?

Oder haben das die Medien in die Szene gebracht mit ihren ständigen Vorurteilen.

Was ich in den Thread auch ereichn will, das die Leute ihre eigene Meinung und Bild zur Szene reinschreiben, mit ihren Erfahrungen über die Geschichte. Ich persönlich finde, ws ich immer höre, war die Szene früher kleiner und mehr gebildete Leute, Leute mit denen du leichter philosophieren konntest als heute.

Leute die ihre Idelae hatten sich darüber gedanken machten, was heute nicht viele tun, oder hört man das immer nur in den Erzählungen und ist daran nichts drann ? Das sind Sachen diem ich interessieren ich habe ja schon viel gelesen und ja das sie aus der Punk und Wave Bewegung enstand usw.. Es gibt Puzzlestücke diem ir noch fehlen, die will ich füllen.
SenecaDen Text hatte ich vor Jahren mal verfasst, er geistert in verschiedenen Versionen hier auf dem Board herum.

Was die angebliche punkige Vergangenheit der Bewegung angeht, sind mir solche vertreter früher eher selten aufgefallen, die meisten hatten mit punk eher nicht am Hut, da die Punkszene mitte der 90er eher mit Alkoholexessen an Bahnhöfen assoziert wurde, mit denen man nicht in einen Topf geworfen werden wollte, sich daher stilistisch auch sehr davon abheben wollte.

Die Fetisch- Einflüsse entstanden erst relativ spät, ich würde sdagen das sich diese Spielrichtung erst ab 1999-2000 so präsent wurde, nicht zuletzt initiert duch die Bühneshows von Umbra & Imago, Blutengel, und nicht zuletzt die allseits "geliebte" Gruftschlampe...

Was die gebildeten Eliten angeht...die gibt es heute auch noch, nur fallen die ganzen eher unscheinbaren Geisteswissenschaftler (oder Studenten dieser Fachrichtungen) in der schrillen Masse nicht mehr so auf...

Merklich hat aber die Zahl der Schüler, Azubis und Nicht-Studenten zugenommen, was aber nicht unbedingt schlecht ist, denn viele bringen stattdessen eine handwerklich-Kreative Begabung mit (was sich vor allem im Textilbereich merklich Abzeichnet)

Auf Jeden Fall ist die gesamtszene heute viel zugänglicher als früher, wo eine regelrechte Selektion der Neuzugämge stattfand, schlicht und ergreifend dadurch, das fast alle "Partys" privat stattfanden.
Regelmäßige Gothic Veranstaltungen in Clubs, wie man sie heute kennt, gibt es nämlich abgesehen von den großen Städten, auch erst wenige Jahre.
Diese Clubs generierten natürlich wiederum einen eigene Szene, die mit der improvisierten und selbstorganisierten von früher wenig gemein hat.
Zerbrochener[QUOTE][i]Original geschrieben von Seneca [/i]
Diese Clubs generierten natürlich wiederum einen eigene Szene, die mit der improvisierten und selbstorganisierten von früher wenig gemein hat. [/B][/QUOTE]

+ Assimilation der gesättigten Techno-Szene, so dass Goth nur beten kann, dass Berlin die Love Parade nicht abschafft und folglich nach Leipzig verlegt wird.

Schuld daran sind aber auch alteingesessene Künstler, die ihm Zuge der "Weiterentwicklung" Ihren verstaubten Dark Wave dem heutigen Mainstream-Sound angepasst haben, und somit den einst ausgewählten Kreis an Zuhörern entsprechend erweiterten.

Eine weitere aktuelle Erscheinung ist die eigene Stil-Losigkeit der schwarzen Szene, auf die man sehr stolz ist. Im "Crossover"-Zeitalter hat heute jedes erdenkliche Produkt ein Recht auf das Etikett "Gothic", welches somit zu einem Allerwelts-Begriff mutierte, der heute in keinem Katalog mehr fehlen darf, schließlich möchte ja jeder etwas von Bela Lugosis Samtmantel abhaben. Auch ein Grund, weshalb Definitionen unmöglich geworden sind .... da aber Toleranz groß geschrieben wird, machte man aus der Not eine Tugend mit dem Endergebnis, dass heute auch Randerscheinungen wie die viel diskutierte Casting-Band "Nu Pagadi" Asyl unter den Schwarzen findet.

Klischees und Ideale, für die unsere Vorgänger noch den Kopf hinhalten mussten, werden von der neuen Generation strikt abgelehnt, man distanziert sich gar mit "Gothic" überhaupt etwas gemeinsam haben zu wollen, auch wenn man entsprechende Veranstatungen aufsucht, sich einschlägig kleidet, oder seine Freizeit auf einem German "Gothic" Board verbringt ... die eingeschworene ältere Generation hingegen distanziert sich auf Grund fehlender Identifikation zu den neuen Werten der "alternativen Spasskultur", und da es ja ohnehin nichts mehr bedeutet "schwarz" zu sein, erübrigte es sich vielleicht auch ganz von alleine ... Gothic ? Eine zweischneidige Angelegenheit ... oder existiert Gothic überhaupt (noch) ?

Unterdessen wurde eine nervende true/untrue-Attitüde aus der Metal-Szene übernommen, welche sich leider nicht als Bereicherung erwies und oben erwähnte Klischee-Diskussion weiter anheizte. Besinnliche Friedhof-Spaziergänge, und sonstige "schwarze" Eigenarten/Neigungen denen man sich früher unbewusst oder aus Überzeugung hingab, sind seitdem taboo. Denn "true" ist der jenige, der dem "Gruftie"-Stereotyp (obwohl dieser doch trotz Sargbehausung nie wirklich einengend war, oder?) zwanghaft nicht mehr entspricht, denn das wäre ja klischeehaft, und Klischees sind "untrue"

Ja ja ein verrückter Haufen die Schwarzen und es ist kein Ende in Sicht.

Frohes Leiden

Zerbrochener666
Move over KateSuch mal bei Google nach der Diplom-Arbeit von Frauke Stöber (hat mal für den Sonic geschrieben). Die hat sich die Mühe gemacht, Gothic und das ganze Brimborium wissenschaftlich ernst zu nehmend zu beleuchten. Vieles andere ist oft bloße Unterhaltungsliteratur von Fans für Fans - und damit nicht zitierfähig...
SenecaDie Diplomarbeit von Frauke Stöber hat nur einen Haken...!
Sie wurde 1999 eingereicht, und entbehrt somit die doch relativ gravierenden Entwicklungen der lezten 6 Jahre, in denen sich mehr verändert hat, als in den 10 Jahren davor...!
CableIst dies die Arbeit die ihr mir ans Herz legt:

[url]http://www.angelfire.com/on3/darkalliance/texte/diplom.htm[/url]

Oder gibts da noch eine andere Seite ?
Move over Kate@ seneca

Klar, aber die Vorarbeiten kann Cable doch benutzen. Das ist doch interessant. Meine Magister-Arbeit schreibt auch ne Studie von 1986 fort. Damit spart man sich den Grundlagenteil - und der ist doch konstant - ich glaube kaum, dass man hier zu vollkommen anderen Ergebnissen kommt, wie vor 6 Jahren. Es sei denn natürlich, jemand macht die bahnbrechende Entdeckung, daß eigentlich Boney M die Godfathers (and Mothers) of Goth waren...

Außerdem soll Cable ja nicht nur abpinnen, sondern selbst was machen. In diesem Sinne: Sapere aude...

;)

@ cable

Nö, das ist ne andere: [url]www.lichttaufe.de/lichttaufe/1x/data/praxis/diplomarbeit_schwarze_szene.php[/url]

Hier findest Du die von Frauke Stöber - was das ganze auf den ersten Blick noch spannender macht, ist das die Autoren sich anscheinend grundverschieden positionieren. Frauke Stöber veröffentlicht über Lichttaufe (na, werden gelegentlich in einen "konservativen" Kontext gesteckt). Der andere Autor scheint den Grufties gegen Rechts nahe zu stehen. Das könnte man quasi für einen dialektischen Zugang nutzen...

Und egal welche von beiden Du letztlich heranziehst: Interessant ist immer die Bibliographie - da zu recherchieren und zu ZITIEREN ist allemal besser als irgendwelche dubiosen Foren zu zitieren. Und das meine ich jetzt nicht als Kritik an Senecas gelungenem Beitrag oben - es geht einfach um Prinzipien.

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