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  Forum: lebens : ART
    Thema: durchschnittliche Lebenszeit eines jugendlichen Schwarzen?
rosenkindum es vorweg zu nehmen: dieser Thread soll keineswegs ein "ach, die Jugend ist ja so blöd"-Ding werden. ich bin mit meinen 20 Lenzen selbst noch jung genug und in einem Freundeskreis gibt es mindestens eine Minerjährige, die ich sehr schätze (sie wird wissen, dass ich sie meine, ich sag nur Goethehaus ;))

Aber ich beobachte es jetzt schon seit längerem, dass die Anzahl der Schwarzen ab etwa 20 gehörig abnimmt,vermutlich, weil ab diesem Alter (oder evtl. schon etwas früher) die ganze Identitätssuche und dazugehören, wer sein wollen, die in der Pubertät normal ist, in den Hintergrund rückt und die, die spüren, dass es für sie nicht reicht, es als lebensstil für sich selbst weiter zu führen, abspringen. Und das sind, in unserer heutigen Zeit zumindest, doch recht viele. Deswegen wäre es mal interessant zu erfahren, wie ihr die "Lebenszeit" des Durchschnitts der Jugendlichen dieser Sorte in der Subkultur einschätzt.

ich wette 3 Jahre, diese zeit langt aus, um von sich selber ziemlich genervt zu werden (ich spreche aus Erfahrung :p) die Faszination für die Kleidung als etwas fremdes ist weg, wenn man über 1000 Tage die selbe Farbe trägt und man bekommt manchmal doch wieder Lust auf was buntes. Der ganze Weltschmerz, Melancholie, Tiefinn ect. pp. wird fadenscheinig, wenn man nicht wirklich dahinterstand und die Zeit istlang genuggewesen, um zu erkennen, dass man das eigentlich doch gar nicht so meint. "Satan" und ähnlich kreative Worte hört man schon gar nicht mehr, weil sie alltäglich wurden. Kurz gesagt: Goth sein ist so normal geworden, dass es langweilig wird.

und eure Einschätzung?

[COLOR=crimson]diesen Thread bitte nicht allzu ernst nehmen, es ist nur ne schwachsinnige Umfrage ;)[/COLOR]
NebelwandererSicher Sättigungseffekte gibt es, aber es gibt noch weitere Gründe.

Die durchschnittliche Lebensdauer endet da, wo die Gesellschaft den durch die Phrase "Das ist sicher nur eine pubertäre Phase" gewährten Freiraum wieder zurückfordert.

In der Zeit der Schule und anfangs Studium hat man doch gewaltige Freiräume das auschweifend zu leben. Aber spätestens wenn man ein gewisses Alter erreicht oder es treten berufliche Zwänge an dich heran. Dann weht ein hässlicherer Gegenwind als keine Freunde etc.
Auch das familäre Umfeld, wird wieder intoleranter: "Kann doch nicht sein das unser/e Sohn/Tocher so wird."
"So eine Freundin brauchste hier nicht herbringen etc." Alles schon gehört und wenn dieser Gegenwind im persönlichen Lebensentwurf dich mehr kosten könnte, als das Leben als Teil der Bewegung dir geben kann. Dann entscheiden sich halt doch einige dagegen.
LelaihahHm... also ich bin 18 Jahre jung aber dafür schon 6 Jahre dabei. Davon 2 in denen ich mehr Kontakt hatte also mit Discos usw.
Ich glaube nicht das ich bald die nase voll haben werde. Vielelicht werd ich mich eines Tages nicht mehr so kleiden wie ich es jetzt tute. Aber die einstellung die ich habe werde ich beibehalten und auch meine Liebe zu dieser Musik.
Das sich viele das ganze schnell anderst überlegen kann ja sein. Aber ich würde das jetzt auch mal auf die aktuelle Modeentwicklung schieben. Wenn Gothic nicht mer so "in" ist wie jetzt dann wird es bei den "Jungen Schwarzen" schon Schwund erscheinungen geben. Aber das mus suns ja dann nicht weiter interessieren oder?
rosenkindIch glaube nicht, dass es nur die klassischen Modgrufties sind. kenne den Schwund auch bei einigen, die mehr als das waren, aber natürlich auch nicht so stark damit verbunden, wie ich es (derzeit) sein dürfte. Bei denjenigen, die wirklich nur aus Trend heraus dabei waren, haben mir bisher alle gesagt, es ging bei ihnen etwa ein halbes Jahr so... alle [B]beide[/B] :D
Scherz beiseite, ich denke schon, dass jemand, für den es nur Modetrend ist, es nicht auf 3 Jahre schafft. Schau dir mal an, wie schnell Trends wechseln...
TristessaAlso ich glaub auch nicht, dass es ein "Modegrufti" so laaange aushält....
Aber ebenso dauert doch eine pubertäre Selbstfindungsphase auch nicht so lange, oder? Ich selbst hatte, glaube ich, nie so ne richtige Phase; es ging nur allgemein immer mehr in die schwarzdunkle Richtung.... aber die Leute aus meiner ehemaligen Schule hatten solche Phasen immer nur so 7-8 Monate lang....
Ich kann mir vorstellen, dass so eine langsame Umstellung was mit dem inneren Wunsch nach Harmonie zu tun haben könnte.... Als Grufti eckt man halt schnell mal an. Man fällt immer auf. Jeder bildet sich gleich eine Meinung über einen, nur weil man befremdent wirkt. Man wirkt eventuell nicht autoritär, vernünftig, verantwortungsvoll. Die Frau vor dir an der Kasse denkt, dass du bestimmt nicht studierst oder arbeiten gehst. Deine Nachbarin kann sich nicht vorstellen, dass du Kinder erziehen kannst. All die anderen Mütter sind ihren Kindern viel ähnlicher und stecken nicht in einer Halloweenverkleidung, sondern in nem bunten Wollpullover....

Vielleicht haben einige einfach irgendwann keine Lust mehr darauf, ihre Einstellung ständig neu erklären zu müssen, immer herauszustechen, dass mit dem Finger auf sie gezeigt wird, dass sie ihrer "Rolle" vielleicht nicht gerecht zu werden scheinen, dass sie einfach nicht so sein "dürfen" wie alle anderen....
Denn ich denke, die "Rolle Grufti" kann manchmal auch einengend sein.... vor allem, wenn man sie vorher zu fest definiert hat. Da ist dann "Normal sein" einfach ein Stück Freiheit und ein Aufatmen, dass man endlich nicht mehr im Mittelpunkt steht, sondern genauso ist wie alle anderen.... ;) Die kunterbunte Erleichterung eben.
Dies könnte vor allem daran liegen, dass einem ab einem bestimmten Alter vermehrt bestimmte Rollen zugeschrieben werden, während dem Schüler noch ziemlich viel Freiraum gegeben wird....

[QUOTE]
diesen Thread bitte nicht allzu ernst nehmen, es ist nur ne schwachsinnige Umfrage[/QUOTE]
So. Jetzt ist es doch eher ernst als schwachsinnig geworden.... ;)
NebelwandererDas mit dem sich immer Erklären ist schon etwas unangenehmes. Allerdings ist es ja nicht so, das die normale Masse einem dann auf die Schulter klopft, wenn man das "Schwarzsein" aufgibt.

Man wird ja oft angegriffen nicht weil man so ist, sondern weil man sich nicht in die normale bunte Masse einpassen will. Und vielfach ist es ja nicht nur ein Frage des Äußeren. Gerade gewisse emotionale Muster und die gelebte Diskussionskultur stoßen öfters auf mehr Unverständniss als die schwarzen Klamotten.
rosenkind[QUOTE]Man wird ja oft angegriffen nicht weil man so ist, sondern weil man sich nicht in die normale bunte Masse einpassen will. [/QUOTE]

naja, aber sein wir mal ehrlich: wie ehrlich meinen es viele denn mit dieser berühmten "Lebenseinstellung". Ich seh viele, die selbst nicht an das glauben, was sie eigentlich reden. Eines der eindeutigsten Beispiele sind Leute, die sich total gegen den Kommerz aussprechen, aber es dürfen nur Markenschuhe sein. Oder jemand, der meinte, er glaube an gar nichts und ein Jahr später Wicca war. Für eine zeit lang geht das gut, aber irgendwann kommt man doch auf den Trichter, dass man diese Einstellung, von der man glaubte, sie zu vertreten, doch nicht wirklich vertritt. So anders sind viele gar nicht

Was ich denke, was auch ein wichtiger Punkt ist, dass man sich in diesem Alter eben aufgrund der Identitätssuche durchaus auch Phasenweise auf etwas einlässt und es dabei sehr ernst meinen kann. Aber wir Tristessa schon anmerkte, kann man die Kreise auch viel zu eng stecken. Wenn ich mir da so manche Website von schwarzen Jugendlichen ansehe... in der Phase mag es okay sein. Aber das Leben ist viel zu vielseitig, als dass dieser enge Rahmen es ausfüllen könnte. Es gibt viel schwarz, aber noch mehr bunt. Irgendwann steht man an dem Punkt, wo es nicht mehr reicht, einfach nur Goth zu sein, die Schranken müssen aufgebrochen werden und schwarz für sich selbst neu definiert, individualisiert werden. Erst dann gelingt das "Weiterleben". Man muss verlernt haben, Goth zu sein und bei sich ankommen. Aber viele schaffen es nicht, sich selbst in der Subkultur zu finden, einen eigenes Lebensgefühl draus zu machen, denn das ist ja auch eine schwierige Aufgabe. Also gibt es nur schwarz oder bunt für sie.

[quote] Vielleicht lässt sich die Titelfrage leichter beantworten, wenn man weiss, ob die Menschen, die ihr "Gruft-Dasein" an den Nagel hängen dieses als etwas betrachten, das man tatsächlich so einfach abstreifen kann, wie einen alten Mantel, den man nie mochte [/quote]

naja an selbstgenähten stücken hängt man mehr als an gekauften, weil man etwas von sich hineingibt, im anderen Fallen aber nur übernimmt

ja, wir sind dann doch in einer ernsthaften Diskussion, aber egal *g*
Varda[QUOTE]Denn ich denke, die "Rolle Grufti" kann manchmal auch einengend sein.... vor allem, wenn man sie vorher zu fest definiert hat. Da ist dann "Normal sein" einfach ein Stück Freiheit und ein Aufatmen, dass man endlich nicht mehr im Mittelpunkt steht, sondern genauso ist wie alle anderen.... [/QUOTE]

Also dem kann ich eigentlich gar nicht so zustimmen... Ich finde eigentlich, dass es oft sogar gegenteilig ist. Wenn ich z.B. in der Ubahn sitze, dann sehe ich immer diese richtigen Tussis (also blondiertes Haar, miss sixty hosen, bauchfrei usw.). Und die schauen mich kurz an, um gleich darauf aber über zwei andere Tussis zu lästern, die etwas weiter vorne sitzen. Versteht ihr, was ich meine? Man ist aus dieser Lästerei eigentlich ausgenommen, weil man nicht in diesen 'Tussikonkurrenzkampf' tritt.
Aber vielleicht sehe ich auch zu ungruftig aus? Ich trage kaum Schmuck, zwar immer lange schwarze Röcke und auch so immer ganz schwarz, aber ich habe auch braune Haare und nicht schwarze... Keine Ahnung.

Aber zurück zur Urfrage: Ich kenne eigentlich nur Gothics über 20. Mein ganzer schwarzer Freundeskreis ist älter als ich (bin auch 20, seit 3 Jahren 'schwarz'). Deswegen finde ich eigentlich nicht, dass es einen Schwund gibt, eher im Gegenteil.
TristessaNaja, ich wollte damit ja nicht sagen, dass das auf jeden zutrifft, sondern, dass das für einige vielleicht der Grund ist, warum sie sich irgendwann aus der schwarzen Szene zurückziehen. Darum ging es ja. Natürlich, gelästert wird überall, aber es ist doch ein Unterschied, wenn man auf Grund seines "Schwarz-Seins" in einer gewissen Weise ausgegrenzt wird oder besser gesagt sich ausgegrenzt fühlt (darum geht es nämlich hauptsächlich) oder ob man dem alltäglichen Tussi-Getratsche zum Opfer fällt.... ;)
Davon abgesehen denke ich, dass wir sind auch in 10 Jahren noch ein interessantes Gesprächsthema sind, zumindest in den Kleinstädten.... ;)
Es ging mir aber nicht nur darum, ob nun über eine Person getratscht wird oder nicht, sondern wie die Person selbst ihr Umfeld wahrnimmt und als Außenseiter zurechtkommt....
NnordyWenn wir schon mit der Lebenseinstellung anfangen: Entschuldigung, aber wie fundiert und ausgeprägt kann bitte die 'Lebenseinstellung' eines/einer 12-Jährigen sein??? Wo man noch gar nicht richtig zu leben angefangen hat, wie auch, vom Alter her??? Wer in dem Alter anfängt, schwarz rumzulaufen (ich habe mit 17 angefangen, da war das schon ein bißchen was anderes, da war ich schon wieder aus der Pubertät raus und hatte einen gewissen lebensanschaulichen Hintergrund), macht das ganz sicher nicht, weil er sich gegen die böse Gesellschaft und ihre Standesdünkel stellen will, weil ihn die Welt und das Leben ankotzt, weil er der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will in dem deutlich wird, was und weswegen Dinge ausgegrenzt und totgeschwiegen werden usw. usf. Aber ganz ganz sicher nicht. Wer sich in dem Alter schwarz anzieht, tut das maximal, um zu schocken, weil's gerade 'cool' ist oder weil Tokio HOtel so aussehen. Punkt.
'Gothic' war eigentlich mal eine recht 'erwachsene' Subkultur, sprich mit einem Einstiegsalter um die 16 - das hat sich in den letzten Jahren gewandelt, nicht zuletzt durch die 'Salonfähigkeit' bestimmter Klamotturen in H&M, Orsay und Pimkie, und durch die musikalische Bombardierung durch Bands wie Evanescence, Tokio Hotel, Nightwish ebenso wie teilweise durch die Mittelalterwelle.
Wobei ich Dir rechtgebe, daß es schon immer so war, daß auch relativ viele Leute 'öffentlich' unterwegs waren, die U20 oder Anfang 20 sind/waren. Allerdings finde ich es auch immer amüsant, daß die Jugend denkt, mit 30 sähe man aus wie eine alte Oma, faltig und was weiß ich was. Mir z.B. sieht man mein Alter nicht an, und das ist auch ganz gut so, ebensowenig wie meinen Freundinnen, mit denen ich ab und an nochmal unterwegs bin. Fakt ist aber, daß man mit 30, 35 eben schon mitten im Leben steht und meistens etwas anderes zu tun hat als abends abfeiern zu gehen, wenn man am nächsten Morgen um 6.20 Uhr aufstehen und 10h arbeiten gehen muß. Gewisse Energien fehlen einem in dem Alter dann einfach... ;)
Will sagen: Viele ältere Grufties gehen halt einfach nicht mehr so häufig aus. Und wenn wir einkaufen gehen, dann halt abends und nicht nachmittags, weil da könnte es passieren daß wir - peinlicherweise - einem Broterwerb nachgehen müssen... Das heißt aber nicht, daß 'Gothic' für Kids und Teenies reserviert ist! :)
rosenkind6:20... hey, mich hamse mit 10 schon eine stunde früher rausgeschmissen :D

[QUOTE]macht das ganz sicher nicht, weil er sich gegen die böse Gesellschaft und ihre Standesdünkel stellen will, weil ihn die Welt und das Leben ankotzt, weil er der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten will in dem deutlich wird, was und weswegen Dinge ausgegrenzt und totgeschwiegen werden usw. usf. Aber ganz ganz sicher nicht. Wer sich in dem Alter schwarz anzieht, tut das maximal, um zu schocken, weil's gerade 'cool' ist oder weil Tokio HOtel so aussehen. Punkt.[/QUOTE]

Ich würd mich hüten, das zu pauschalisieren. Sicher mag es auf die meisten zutreffen. Aber es gibt auch immernoch die Ausnahme von der Regel. Klar erlebt man in diesem Alter Subkultur völlig anders als mit 20, 30, 40. Das heißt aber nun nicht, dass es zwangsläufig nur geschehen muss, um cool zu sein, wenigstens nicht [B]nur[/B] um cool zu sein. Und bevor wir wieder bei der politisch-korrekt sind, aber total an der Wirklichkeit vorbei schießen:

ich war auch einmal 12 bzw 13 Jahre alt. ich nehm hier mal 13, weil 13 noch deutlicher war und hätte ich zu dem Zeitpunkt schwarze Jugendliche getroffen, mit denen man philosophieren kann und die auch gerne Gedichte schreiben und sich vielleicht sogar heimlich mit ihren Deutschbüchern im Zimmer verkriechen und immer wieder die Gedichte von Goethe und Brentano und den Ausschnitt aus "die deutschen Kleinstädter" von Kotzebue lesen, du hättest mich auch schwarz rumlaufen sehen. wenn es damals schon Tokio Hotel gegeben hätte, hätte ich sicher auch Tokio Hotel gehört und hät die ganzen schwarzen Klamotten total cool gefunden und wär stolz drauf gewesen. Sicher wäre ich nicht vergleichbar gewesen mit mir, wie ich jetzt bin. Aber es gibt eben nicht nur schwarz und weiß. Und wer weiß, in welchem von diesen kleinen 13-jährigen von heute evtl. die selben Gedanken stecken wie in mir damals?
Ich kann nicht sagen, dass ich mich seit meiner Kindheit und frühen Pubertät soooo sehr verändert hätte. Es gibt gewisse Menschen mit gewissen Eigenschaften, zu denen ich nie gehört habe, z.B. war ich nie eine von solchen Tussis, von denen Varda erzählte. Ehr ist es so, dass, soweit ich mich zurück erinnern kann, immer gewisse Interessen und Gedanken da waren, die da noch heute sind. Es ist alles nur wesentlich mehr ausgereift, umfangreicher, logischer, detailreicher, was auch immer, eben mehr geworden. Aber im Grund hat es sich nicht verändert. ich hab mit 8 angefangen nachzudenken, mit 9 mit meiner Mutter darüber philosophiert, was Zeit ist, ob ein Ding schon existiert, wenn man es nur denkt und dergleichen. ich hab mit 7 oder 8 mein erstes Gedicht geschrieben (von einer weißen Blume im Mondlicht, übrigens ;)) usw usw. Und ich war auch 13 alt, als ich das erste Mal 2 Schwarzen bei uns in der Innenstadt begegnete und völlig fasziniert war von ihnen. Sie waren so hübsch, alle beide, er genauso wie sie. Mit 14 hab ich nur schwarz getragen monatelang und hätte mir mit etwas mehr Mut sogar ein Nietenhalsband gekauft, fast. Und "Gothic" kannte ich damals nur als ein Wort, dass mir mal in bravo girl begegnet war, als sich ein Mädchen in einem Leserbrief über die Modetipps beschwerte. Gothic sei kein Faschingskostüm. Mehr wusste ich davon nicht.

wäre ich damals etwas mutiger, etwas wissender, nicht allein und nicht mit einer Überängstlichkeit geschürt durch die Medien belastet gewesen, wäre ich vermutlich damals auch schon schwarz rumgerannt. Und keineswegs alleine deswegen, weil HIM (die wars 99) damals die Herzen der 12-Jährigen eroberten oder bravo es auf der Modeseite abgedruckt hätte. nicht, weil ich schocken wollte. Sondern weil es mich faszinierte und ich die wage Hoffnung gehabt hätte, jemanden zu finden, der Gedichte schreibt, mit mir philosophiert und liest.

Zu meinem Pech (oder muss ich sagen Glück) landete ich aber erst 3 1/2 Jahre später dort.

Eine anderes Problem ist natürlich die Frage, wie gut kann einem diese Szene mit 12/13 tun, wenn man so geartet ist. An der Masse ändert es ja nichts. ich bin da ziemlich zweigeteilt. Einerseits hätte ich mir früher gewünscht, auf Leute zu treffen, die das mit mir teilen (denn ich war damit immer recht einsam), auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass man die Masse der Schwarzen in dem Alter, was diese Interessen angeht, vergessen kann. vielleicht hätte es sogar mehr geschadet als gut getan. Allein, wenn ich da an manche Lieder denke...
aber das ist ein anderes Thema.

Es gibt nunmal Ausnahmen von der Regel.

Außerdem denke ich, du unterstätzt 12, 13 Jährige ziemlich. Klar ist es was anderes als mit 16 oder später. Aber grade in dem Alter [B]beginnt[/B] man die Welt zu hinterfragen und sich eigene Gedanken zu machen.

PS: Hier eine kostprobe aus dem Jahre 1999:

ich schaue in deine Augen und sehe
eine Welt voller Abneigung
ich weiß nicht, ob ich aufwache
weiß nicht, ob ich sterbe, bevor ich lebe
es gibt soviel, das ich nicht kenne
Es ist ein Anfang ohne Ende
Und Raum und Zeit
Weit und breit
wird es sich ändern?
bleibt es gleich?
Die Zeit vergeht
geht an mir vorüber
was vor einem Monat noch real war
ist jetzt nur noch Erinnerung
ich weiß nicht, was ich denken, fühlen soll
Das Leben ist ein großes Rätsel
das man erst knackt, wenn es vorbei ist
es istein Puzzle mit Teilen, die man erst einbauen und sehen kann
wenn sie vorrüber sind
wonach suche ich?
was ist Weg, was Ziel?
ich stehe hier und weiß nicht wirklich, was ich will
ich weiß nur, dass ich hier stehe
kann nur sehen, was vorbei ist
das ist das einzige, was ich weiß
sonst weiß ich nichts

eigentlich wollte ich ja "out of sight" posten, finde den Text aber nicht mehr, ging um Sekten, war im Herbst 99. Aber ich denke auch dieser Text ist tiefinnig genug, um zu zeigen, dass man mit 13 durchaus auch anderes als Tokio Hotel und provozieren wollen im Kopf haben kann

edit 2: und noch was schönes:
"...
und frage mich, was Kunst ist
sie ist uns so nah
und doch ungreifbar
sie ist in allem vorhanden
doch nicht jeder kann sie haben
...
sie ist, was uns zum frei werden hilft
und doch [b]in der Gesellschaft [/b] unterbewertet wird
..
Poesie ist mehr als sich reimende Worte auf einem Blatt. Poesie ist Philosophie mit Aussagekraft. Kunst ist in jedem Mensch, Tier,überall" - auch 99, es könnte, wenn man die Pünktchen weglässt (unwichtige Umschreibungen) heute von mir geschrieben worden sein, ich seh jedenfalls keinen Unterschied.
SenecaEs handel sich hierbei um eine Art Naturgesetz...irgendwann spuckt Dich die Szene ganz von alleine aus.
Der grund liegt ganz einfach darin, das die "Szene" heute fast nur noch auf festivals und in Clubs stattfindet...

Irgendwann, spätestens um die Mitte 30 fällt einem auf, das man hier nicht mehr hergehört...ab da fällt es dann sehr leicht, loszulassen.

Den rest erledigt die eigendynamik die imemr schneller wird....wer nicht mehr mit dem Frend rennt, fällt aus der Schublade schnell heraus...!

Dieses Schicksal ist mit bei weitem lieber als das gewisser "Berufsjugendlicher" 30+... Solche weder von den "Normalos" noch von den jungen Szenegängern so richtig voll genommen werden.

Ihre Zahl ist gering, dafür wird der Zusammenhalt und der Kontakt unter den übriggebliebenen umso stärker.

Die "Szene" spielt daher hier keine Rolle mehr.
DuvessaIch glaube grundsätzlich spielt das Alter keine Rolle. Es kommt ganz drauf an was man in der Szene sucht und findet !
Jemand (egal ob 13 oder 30) der auffallen will, sich irgendwo zugehörig fühlen will, vielleicht sogar "cool" sein will oder einfach in einem Trend mitschwimmen, der wird nach relativ kurzer Zeit wieder aufhören sich zugehörig zu fühlen, weil etwas anderes gibt das angesagt ist !Sicher ist das bei Jugendlichen viel eher der Fall da diese ja bekanntlich oft auf der Suche nach einer Identität und ihrem Platz in der Welt sind !
Wer aber bestimmte Gründe hat sich an eine Szene zu binden die eventuell auch von Dauer sind, wird wohl "länger bleiben". Natürlich kann das auch für einen Jugendlichen der Fall sein. Ich selbst habe mich schon mit 15 irgendwie der Szene verbunden gefühlt, habe festgestellt dass es einfach "zu mir gehört" und ich nicht ohne Gothic bzw. das was es bedeutet leben wollte bzw. gar nicht mehr könnte/ würde...*g*
[QUOTE]Der ganze Weltschmerz, Melancholie, Tiefinn ect. pp. wird fadenscheinig, wenn man nicht wirklich dahinterstand[/QUOTE]
Und genau das ist der Knackpunkt würde ich sagen !;) Das was dahinter steht, die Beweggründe...
[QUOTE]Die "Szene" spielt daher hier keine Rolle mehr.[/QUOTE]
Natürlich gehören du und deine Freunde noch zur Szene, auch wenn ihr nicht mehr 17 seid und jedes Wochenende in nem Szene-Club !*g* Solange ihr schön brav schwarz tragt und eure alten Sachen hört (wie hießen die noch gleich?)^^
D.
rosenkind[QUOTE]wie hießen die noch gleich?[/QUOTE]

meinst du modern talking? :D
LemuriaBei mir fing das alles (mit schwarz kleiden, schminken, etc.) so mit 15 an. Huete bin ich 18, und mein Kleidungsstil hat sich (teilweise) total geändert.
Währned man mich früher eindeutig als "schwarz" erkennen konnte, schieben mich heute viele in die "Rockabilly" Schiene. Heute trage ich viel Buntes, und meistens sogar blaue Jeans :eek: (Allerdings nur, weil ich aus meinen schwarzen Hosen "rausgewachsen" bin - ich bin zu dick geworden:( )
Ich fühle mich allerdings immer noch wie "damals", nur habe ich nicht mehr dieses ganz starke Bedürfnis, das nach außen hin zu zeigen.(Gut, "anders" sehe ich meistens immer noch aus, aber welcher Modebewusste Mensch tut das nicht heutzutage?) Aber die Musik ist bsi heute ziemlich inder schwarzen Ecke geblieben (mit einigen bunten Sprenklern;) )
Wie Seneca schon meinte - vom "Gothictum" merkt man auf der Straße nichts, da muss man schon auf Konzerte, blabliblubb.
Ich habe einige "schwarze" Freunde, die meisten in meinem Alter, dann aber auch einige so Mitte 20 aufwärts.
Ich kann selbst gar nicht definieren, ob ich noch "Gruftie" bin, aber ich fühle mich so:D
EfnaIch geh auch nicht oft in Clubs oder "Szenediscos" und bin selten unter anderen Schwarzen, nicht nur weil ich extrem introvertiert sondern vor allem weil ich in einer Gegend wohne wo es nur wenig schwarze gibt. Und ich denke nicht das man diese "zugehörigkeit" daran festmachen kann ob man viel unter Gleichgesinnten ist sondern ob man sich mit dieser Lebenseinstellung( so will ich das jetzt mal nennen) lebt.
Dark ReligionHallo,

die meisten Goths und Schwarzanhänger die ich kenne sind zwischen 20 und 40. Und da schwindet hoffentlich kaum einer. Die meisten habe ich nähmlich erst in der letzten Zeit kennen gelernt.
Pseudo-Gruftiiiäääähm....andersrum:rolleyes:
LadyKeHallo zusammen,

sehr interessant Eure Beiträge. Ich denke in der Pubertät ist anders sein erstmal eine Phase. Man lernt etwas Neues kennen, man grenzt sich ab und fühlt sich in einer Gruppe, genannt Subkultur, geborgen. Manche beitzen bereits vorher die Affinität zu solchen Subkulturen, die meisten jedoch lernen erst in dieser Subkultur Ihr Interesse dafür kennen. Dann gibt es diejenigen, die aus Überzeugung dabei sind und/oder bleiben und diejenigen, die es aufgrund der szenezugehörigen Freunde tun und diejenigen, die es einfach cool finden, anders zu sein. Letztere werden wohl auch meist nicht länger als 3 Jahre bleiben, wobei man auch das nicht so pauschal in Jahren aufrechnen kann.

Zwischen Anfang und Mitte 20 entscheiden sich wohl die meisten nicht mehr dabei zu bleiben. Das hat wohl viele Gründe. Eine Ausbildung bzw. ein Job verlangt ein anderes Erscheinungsbild als das eines Schülers (wie bereits öfter erwähnt). Zudem bemerkt man auch unabhängtig davon, dass Szene, schwarze Klamotten und generell übetrieben auffälliges Styling nicht die Punkte sind, die einen Goth ausmachen. Man braucht nicht mehr die extreme Phase der Selbstfindung, wenn man sich selbst gefunden hat. Und sofern man sich selbst als Goth wiederfindet, merkt man, dass all dieses Drumherum von Satan, über Schwarz bis hin zu Schmuck und anderen diversen Dingen auch nur unnützes Beiwerk ist. Es charakterisiert mit Sicherheit die Szene, aber man limitiert sich. Sich davon zu lösen bedeutet eine neu erworbene Freiheit zu haben. Heute bunt und morgen schwarz - die Einstellung bleibt die gleiche.

Irgendwann wird es einfach langweilig, sich durch eine Szene bestimmen zu lassen. Man möchte sich selbst verwirklichen und seine Einstellung nicht durch Äußerlichen präsentieren. Es wird klar, dass Individualität nicht mit Klamotten udn Styling zu tun hat. Vieles aus den jugendlichen Subkulturen erscheint in späteren Jahren nur noch lächerlich. Der Wunsch nach Authentizität kommt immer stärker auf und somit auch gleichzeitig die Einsicht, das diese eher unabhängig von jeglichen Vorgaben stattfindet. Es ist eine individuelle Sache. Für einige behalten Symbole ihre Faszination, für andere wiederum verlieren sie diese. Im Laufe der Jahre kommen auch neue Probleme auf, die man in solch einer Szene dann nicht mehr lösen kann.

Es gibt wohl so viele Gründe, aber über mich kann ich nur sagen, dass ich begriffen habe, dass die Gothic-Szene etwas wunderbares sein könnte, wenn sie die vorgegebene Authenzität auch wirklich besitzen würde. So gehe ich in meine Lieblingsclubs, ziehe an was ich will und scheiß auf die Ober-Gothics, die meinen, mehr über ihre Szene zu wissen als ich... Ich muss mich nicht durch meine Kleidung definieren. Ich muss auch nicht an Satan glauben um cool zu sein. Ich brauche keine Bestätigung mehr durch andere. Ich habe meine Musik und meine Einstellung, mein Erleben und meine Gefühle. Und wem diese nicht Gothic genug sind, der stecke mich einfach in die Schublade, wo ich für ihn reinpasse.


So long,
LadyKe.

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