German Gothic Board
 
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  Forum: lebens : ART
    Thema: Von Szene "abwenden (rauswachsen?)"
Eisblume7Also, ich hab mich gefragt wieviele noch immer gerne hier im Forum sind, einige Jahre als Goth hinter sich haben aber jetz mit der Zeit sich eingestehen müssen, nicht mehr wirklich zuzugehören

Ich dachte mir einfach, ich bin jetz 18 Jahre alt, seit ich klein wahr mochte ich den Gothic Style (Mode) aber wusste natürlich das es noch lächerlich währe schon so früh einer Szene zuzugehören. Mit 13 kahm das aber dann doch noch ins rollen, so bis und mit 16/17 war ich "überzeugter Goth" (Gänsefüsse vonwegen definitionsstreit unerwünscht hier)

Nun Seit etwa einem Jahr musss ich sagen man entwickelt sich halt vorallem im Jugendalter obs einem passt oder nicht. Ich währe immernoch gerne eigendlich sozusagen ein teil von dieser Subkultur, nur muss ich sagen es kommt einfach nicht mehr so automatisch und etwas erzwingen wäre mir gegenüber wieder untreu
Also ja, Style mässig laufe ich auch noch recht oft Schwarz rum und so nur gibts auch Tage da hab ich einfach mal lust mir ne Jeans mit einem rotem Schweizer Shirt (Kuhkamasutra Kreuz xD) rumzulaufen und es ist einfach nicht mehr das gleiche feeling vorhanden wies mal war

Worauf ich eigendlich hinaus will, gehts auch anderen hier so?
Hattet ihr sozusagen ne "normalo" Phase und kamt "zurück in die Szene"?
Erzählt mir von eurer Sicht :D

Eisblume7
Goat93irgendwie scheint das verhältnis der zeit abzudriften.
Man "steigt" so mit 30 mal aus und kommt dann mit
45 wieder rein, alles davor is nur jugendliches
geplänkel :D
SenecaIn der Regel, also der absoluten Mehrheit, steigt man mit 25 aus und kehrt nie wieder. Eine Rückkehr ist auch garnicht möglich, da man in der regel, also in der realprax8is, die Szene nach 5 jahren "draussen" nicht mehr wiedererkennt...inklusive der leute die zwar vorher schon da waren aber alles mitgemacht haben.

So geht es mir zumindest.

Ich besuche die Szene vor allem Samstag und bemühe mich unter der Woche mich nicht zu verstecken. Ich mache kein Geheimis daraus das ich 90% meiner Zeit nicht in schwarzer Tracht herumlaufe...und irgendwie interessiert es auch keinen mehr.

"Überzeugte Goths" entschuldige wenn ich das so sagen muss, sind in der mit bekannten Mehrzahl dann doch 15 jahre unter meiner Alterklasse und somit für mich nicht sonderlich maßgebend.

Der Szenebegriff fällt spätestens dann auseinander wenn man merkt das man mit einem großen Teil der Leute in der Szene nichts gemein hat, bzw. oft ganz froh ist die nicht oft zu sehen.
EvillightWas heisst hier rauswachsen, als ob das hier ein Jugendmagazin ist!?
Für Leute, für die es keine Lebenseinstellung ist, endet es natürlich auch zu dem Punkt, an dem man keine Lust oder Zeit mehr hat, in die Disco zu gehen. Der 'richtige' Style ist dabei eh nur entscheidet wichtig für Poser, die Mami beweisen wollen, dass sie jetzt groß und furchtbar böööööse sind, ansonsten kann man davon ausgehen, dass man zwar sicherlich mit den Jahren ruhiger wird, aber die Einstellungen nicht ändert.

Aber es ist auch ok, wenn man wieder zu einem anderen Leben findet.
Wenn die Glut aus ist, dann geh!!!
logic_systemSi tacuisses, philosophus mansisses
Demon17Tja,

also ich war schon mal zwischen 30-35 aus allem raus, bin dann irgendwann mal wieder tanzen gegangen und wieder eingestiegen. Das war so 2000. Eine schöne Zeit, bis 2007 hat es mir echt was gebracht. So langsam werden die Pausen immer länger. Ich fahr auch keine 50 km mehr um irgendwo tanzen zu gehn. Es gibt keinen schwarzen Traum mehr. Es ist Alltag, die Magie ist verflogen. Man sieht ein paar Leute in Jeans und T-Shirt und ein paar Evilrobics. Es ist halt immer dasselbe. Ich habe blos keine Ahnung was nachher kommt.
|Dunkelschön|Bekommt man doch schon als Kind beigebracht: 3 mal täglich Szene putzen ;)
Demon17Ja irgendwann kommt ein geschäftstüchtiges Mitglied der schwarzen Szene auf die Idee romantische Friedhöfe für uns einzurichten und wird steinreich dabei. Dann haben wir es endgültig geschafft das Generationenproblem zu lösen. ;)
Herz Assalso ich kann Evillight nur zustimmen...

und um deine Frage zu beantworten: ja es gibt noch mehr
für viele ist es eben nur ein Pubertätsding... natürlich ohne dass ihnen das bewusst ist^^
Das is auch einer der Gründe warum es den jüngeren oft schwer fällt ernst genommen zu werden^^
viele denken halt: wer so schnell wieder raus is - war nie wirklich drin

und hier geht es ja um die innere Einstellung - und nicht darum wie oft man in die Disco geht; das legt sich sowieso mit dem Alter^^
Mrs. SpookinessDer Thread hat richtig Potenzial sich zu ner "Grufti-Szene, ihre Veränderungen, ihre Vergangenheit und ihre Zukunft" Diskussion weiterzuentwickeln...!

Ich denke wenn man da mal "drinne" war, wird man einen Teil von sich da immer drin hängen haben; es geht ja nicht darum, den ganzen lieben langen Tag in schwarz rumzulaufen, es geht auch nicht um den stündlichen Anfall von Melancholie - man muss sich vielen Faktoren hingezogen fühlen; Kleidung, Musik, Thematik, Gefühl dabei - ist schon schwer zu sagen sowas... Aber es kann schon sein, dass man evtl ganz den Faden dazu verliert, warum nicht.

Kann mir das bei mir jetzt schwer vorstellen, weil es Musik gibt die man einfach ihrer Texte, ihrer behandelten Themen wegen nicht so schnell vergessen wird, ebenso wenig die damit verbundene Zeit - und ich denke einen bestimmten Anteil an Freak kann man nicht mehr einfach aus sich herausreißen; wenn der sich erstmal in was vernarrt hat, wird er dabei bleiben... ; )
GothickittyIch denke auch, dass du einfach tragen solltest was dir gerade gefällt, ob schwarz oder bunt oder sonstwas. Es gibt ja auch wirklich genügen Gruftis, die nicht immer schwarz tragen, auch wenn ihre Einstellung dieselbe ist, aber es z.B. aus beruflichen Gründen nicht möglich ist.

...ich weiß nicht, ob ich jetzt irgendwie anders bin, da es bei mir kein "Pubertätsding" war u.ich erst mit 28 in die Szene kam. Gut, wahrscheinlich lag es auch daran, dass es in meiner Heimat da gar keinen Bezug zu gab...keine clubs, Shops u.man hat auch so gut wie nie jemanden in schwarz gesehen, außer irgendwelche alten Damen, die einfach nur Trauer getragen haben.

Ich hoffe du findest deinen Weg....egal wie er aussieht : )
Demon17[QUOTE] nur gibts auch Tage da hab ich einfach mal lust mir ne Jeans mit einem rotem Schweizer Shirt (Kuhkamasutra Kreuz xD) rumzulaufen und es ist einfach nicht mehr das gleiche feeling vorhanden wies mal war[/QUOTE] Ja das geht mir auch so. Im Sommer trage ich gern sandfarbene Jeans und bunte T-Shirts, nicht mal die Schuhe sind unbedingt schwarz. Wichtig ist nur Deine Trauer, solange Du Dich untertehst in solch einer Kluft auf einer party zu erscheinen. Ichn finde diese Leute in Böue Jeans auf einer schwarzen Party als impertinente Störfaktoren. Aber im Grunde kommt es auf die Menschen an. Wichtig ist, dass dort interessante Menschen herumlaufen, nicht ihre Kleidung.
Eisblume7Hey, wollte einfach mal danke sagen zu all euren meinungen und erfahrungen und bestätigen das ich den Thread immernoch mitverfolge auch wenn ich nicht wieder geschrieben habe.
Ich finde es interressant von einigen etwas ähnliches geantwortet bekomment zu haben.
Ich mag die schwarze Szene immernoch und ich denke Mrs Spookiness hat es schon ziemlich gut formuliert.. :"ich denke einen bestimmten Anteil an Freak kann man nicht mehr einfach aus sich herausreißen; wenn der sich erstmal in was vernarrt hat, wird er dabei bleiben..."
Mann wird die Musik, die Kleidung das Feeling immer irgendwie in sich behalten und wenn es einmal wirklich wichtig war für einem, immer in guter Erinnerung behalten

Ich denke ich habe mich einfach langsam gefunden und hänge nicht mehr so sehr am "Goth sein" weil ich lieber antworte auf die frage, welchen style, szene zählst du dich dazu -Ich bin keine Szene.. Ich bin Ich und das kann mir keiner so schnell nachahmen- anstadt zu antworten, ich bin ein gothic girl

Es wird nie mehr das gleiche sein für mich.. Und trotzdem bin ich stolz darauf so eine Zeit erlebt zu haben und bei lust und laune wieder ein bisschen aufleben zu lassen:)
rosenkind[QUOTE]und hier geht es ja um die innere Einstellung - und nicht darum wie oft man in die Disco geht; das legt sich sowieso mit dem Alter^^[/QUOTE]

Das mit der Einstellung ist sowieso eine komische Sache. Ich hatte auch meine Zeiten, in denen ich geglaubt habe, Gothic wäre eine Lebenseinstellung - mit der heutigen Erkenntnis: ich habe mich geirrt. Eine Lebenseinstellung hat man oder man hat sie nicht, keine Szene kann einem diese liefern, umgekehrt [B]können[/B] sich aber Menschen mit einer bestimmten Lebenseinstellung in einer Szene zusammenfinden. Ich hab mal geglaubt, mit dem Szeneausstieg geht auch das für mich unter, was mir bedeutsam ist, all die Dinge, die subjekt für mich "Gothic" ausmachten und über die ich hier vor vier, fünf Jahren endlos debattierte. Und dann irgendwann ist es passiert, der Tag an dem es seltsam wurde, als Gruftie, Goth was auch immer angesprochen zu werden, an dem das Gefühl, irgendeiner Subkultur anzugehören, sich in Luft aufgelöst hatte, zumindest vollkommen bedeutungslos wurde. Komischerweise besteht die Kleidung, die ich nähe, immernoch aus schwarzem Samt und schwarzer Spitze, kann ein Antiquarit mit Grafiken und Drucken vor dem 20. Jahrhundert mich immernoch mehr reizen als die Boutique nebenan, richtet sich meine Digitalkamera nach wie vor lieber auf Altstädte und Burgen als auf modernes Design und spielt mein MP3-Player weder Popmusik noch Hip Hop. Nur, dass jetzt in unserer Stadt ein Laden eröffnet hat, der „Rock Gothic und Pop“-Klamotten anbietet, hat mich irgendwie nie kälter gelassen als heute.
Herz Ass[QUOTE]Eine Lebenseinstellung hat man oder man hat sie nicht, keine Szene kann einem diese liefern, umgekehrt können sich aber Menschen mit einer bestimmten Lebenseinstellung in einer Szene zusammenfinden.[/QUOTE]

Ja genauso seh ich dass doch auch^^
Somit kann man auch nicht rein oder raus hüpfen wie man grad lustig ist^^
Lalenja[QUOTE] Zitat:Eine Lebenseinstellung hat man oder man hat sie nicht, keine Szene kann einem diese liefern, umgekehrt können sich aber Menschen mit einer bestimmten Lebenseinstellung in einer Szene zusammenfinden.


Ja genauso seh ich dass doch auch^^ Somit kann man auch nicht rein oder raus hüpfen wie man grad lustig ist^^[/QUOTE]

Das ist einerseits richtig, andererseits ist es aber doch auch so, daß sich Lebensumstände und Einstellungen ändern können, das bringt manchmal einfach die Weiterentwicklung eines Menschen mit so sich.

Ich finde, man kann nicht direkt hin und her "Hüpfen", aber man kann hinein oder heraus wachsen oder gleiten, ganz wie man es ausdrücken möchte.
Herz Assich will ja garnicht ausschliessen dass sich jemand ändern kann - aber wenn dann is des doch ein langsamer, kriechender prozess^^ des meintest du ja wohl auch mit gleiten
es kommt ja auch vor dass man nach langer zeit einen menschen wieder sieht und ihn kaum noch (er)kennt...

aber meiner erfahrung nach gilt eher: menschen ändern sich nicht!
ich kenn zwar viele die ca in jahresabständen ihre meinung und verhalten ändern und das immer begründen mit "ich hab mich geändert", aber diese scheinbare veränderung is doch nur das wechseln der maske
und wenn du so jemanden länger kennst, kannst du evtl auch zw der selbstpräsentation und dem eigentlichen "ich" unterscheiden
ich rechne es menschen die sich selbst treu sind und solche "veränderungen" nicht durchlaufen immer hoch an, weil das ist doch ein gutes indiz dafür dass sie tatsächlich sie selbst sind
natürlich ist man über die jahre nicht zu jeder zeit 100% der selbe mensch - aber des is auch garnet notwendig...
LalenjaIch denke schon, daß sich Menschen sogar extrem (ver)ändern können, und zwar zum Positiven, wie auch zum Negativen. Es wäre auch schade, wenn das (jetzt auf das Positve bezogen) nicht möglich wäre, aber das funktioniert auf Dauer auch nur, wenn jemand ehrlich dabei ist. Dazu gehört eine Menge Selbsterkenntnis, und dann klappt dabei m. E. auch die Sache mit der Treue zu sich selbst.
Eine Maske wechseln kann man nur eine Zeit lang, irgendwann kommt doch wieder das wahre "ICH" hervor.
rosenkindIch denke, mal sollte da differenzieren, nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen Einstellungen, Interessen etc. selbst. Menschen ändern sich in sehr vielen Dingen im Laufe der Zeit sehr häufig, das stimmt. Aber ich denke, dass jeder auch gewisse Lebensthemen hat, die einen mehr oder weniger ein Leben lang - oder zumindest eine sehr sehr lange Zeit begleiten - oder aber für eine Weile verdeckt werden und dann doch wieder zu Vorschein kommen. Was nicht immer heißt, dass das ganze auch zwangsläufig immer die selbe Erscheinungsform haben muss. Wenn einer beispielsweise ein leidenschaftlicher Maler/Künstler ist, kann es durchaus sein, dass seine Bilder sich von einen ehr realistischen zu einem abstrakten Stil wandeln, dass er den Pinsel aber komplett beiseite legt, könnte allerdings ehr unwahrscheinlich sein.

Zumindest erlebe ich es an mir, dass bestimmte Sachen in gewisser Weise einfach "mitwachsen", also weder gleich bleiben, noch ich das ablege. Es gibt einige Sachen, die waren schon irgendwie in meiner Kinderheit dar, sogar schon vor dem Grundschulalter und alles was danach kam, hat das alles nur noch ausgebaut, verfeinert, weiterentwickelt, auf andere Ebenen gehoben. Gut, mit meinen knapp 24 bin ich noch nicht am Ende meines Lebens angekommen (ich wills zumindest mal hoffen, denn ganz ungruftig leb ich eigentlich ganz gerne ;) ) aber ich denke, durchaus alt genug, um da eine gewisse Entwicklung und Kontinuität zu erkennen. Und ich gehe nicht davon aus, dass es bei anderen anders ist.

Insofern stören mir die grade in letzter Zeit häufiger begegnenden oder besser gesagt aufallenden pauschalen über die Vergänglichkeit subkulturerller Zughörigkeit bei Jugendlichen und den Schluss, dass man das ganze doch überhaupt nicht ernst zu nehmen braucht: ala alles was in Jugendsubkulturen läuft, ist [B]nur[/B] ein bisschen Provokation und jugendliche Rebellion ohne wirkliche Bedeutung und Inhalt, wie ich es z.B. heute über die Vertonung von Literatur gefunden habe im Tenor "die interessieren sich ja gar nicht wirklich dafür, die brauchen nur was um die Eltern zu schocken" (wobei ich mich frage, ob sich Eltern tatsächlich davon schocken lassen, wenn ihr Pubertierender anstatt HipHopkram Goethetexte singt). Ich gebs ja zu, dass vieles Provokation war und man wie blöde gepost hat. Manches kann allerdings durchaus der Beginn einer längerwährenden Beziehung und tatsächliche "Heimatsfindung" werden. Mein Onkel, der mir 2003 attestierte, dass ich "in nem halben Jahr sowieso wieder bunt" tragen werde, dürfte sein Urteil inzwischen auch revidiert haben :)
Phoenix1384[I]Ich habe diesen Text zwar ursprünglich in einem anderen Forum gepostet. Aber da ich gerade heute Nacht dieses Forum hier wiederfand, und erstaunt darüber war, dass mein Account noch funktioniert, möchte ich euch diesen Text gerne beisteuern. Der schönen Zeit wegen, als mir das Nachtwelten-Forum eine hilfreiche Stütze war. Einen späten Dank an die Community! *verneig*[/I]
___

[B]Gothic...[/B]

Einst erfüllte mich dieses Wort mit einem wundervollen Schauern, war er doch der Inbegriff alles Schönem, von schmeichelhaft schützender Dunkelheit, ein Garant für Toleranz und eine mitfühlende Menschlichkeit, die es da draußen in der barbarischen und unkultivierten grauen Gesellschaft nicht gab. Nur ein zweisilbiges Wort: Gothic. Und doch von jener Tiefe beseelt, die inmitten lodernder Verdammnis umgeben von Tod und Vergänglichkeit ein zeitloses Lächeln zaubert und selbst den schmerzhaftesten Abgründen der menschlichen Seele eine Ästhik zuspricht, die einen vor Ehrfurcht erzittern lässt, ohne die Ernsthaftigkeit der konkret realen Probleme herunter zu spielen - im Gegenteil. Aber was ist von diesem Gefühl, dass sich jeder Definition entzog, heute noch geblieben? Im Grunde nur eine kalte Marketingschublade, ein billiges Abziehbild und abstoßender Mainstream-Kommerz – all das, was es nie sein wollte.

Als ich das erste mal von Gothic hörte, war Gothic vor kurzem bereits das zweite mal gestorben. Es war 2003. Ich lernte von einer sterbenden Szene, die gerade von der neonbunten ABC-Sonderstaffel überrant wurde, und die Anfang der 90'er die urspüngliche Szene selbst ablöste. Die Musik, die mir von jenem Gefühl erzählte, dass mich nachhaltig prägen sollte, war im Wesentlichen die Musik des Übergangs und hatte mit den Ursprüngen der 80'er gar nichts mehr gemeinsam: Nightwish, Within Temptation, Janus, Letzte Instanz, Subway to Sally, Illuminate, Stillste Stund, Kammarheit, Dark Sanctuary, Dead can Dance, Evanescence, ASP, Adversus, Samsas Traum, Sopor Aeternus, Faun, Qntal, L'âme Immortelle, Emelie Autumn, Diary of Dreams, und ein paar andere. Manches von dem bezeichne ich heute zwar nicht mehr als „gothic“, die Tags sind da metallischer geworden *g*, aber dennoch waren es diese Bands, die ich mit dem Gefühl „gothic“ verband und zum Teil immernoch, oder wieder, verbinde. Nur habe ich für jenes Gefühl heute keinen Namen mehr, „gothic“ wurde fad und schal.

In die Clubs zieht mich nichts mehr. Weder die Musik, noch der Großteil des Klientels. Selbst damals war ich eher für jene romantischen Sit-ins zu haben, auf denen bei Kerzenschein, guter Musik und Rotwein über Literatur, Philosophie, Kultur und die Abgründe allen Seins bis zum Morgengrauen geredet wurde. Wo jener Romantik nachgespürt wurde, die zur Zeit Caspar David Friedrichs und Goethes in aller Munde war. Nicht das verkitschte Zeugs von heute. Sondern jene, die das Gefühl betonte. Jedes Gefühl, ob „gut“ oder „schlecht“, hauptsache intensiv und, vor allem in der Kunst, betont überzeichnet. Jene Romantik die mehr am Menschen selbst interessiert war, als an seinen Errungenschaften und zwanghaften Spaß ablehnte. Jene Romantik, die sich nicht zu schade war sich mit Tod und Vergänglichkeit wohlwollend zu beschäftigen und gerne des Nachts rotweintrinkend auf dem Friedhof, in Ruinen, oder sonstigen Orten des Verfalls verbrachte. Es war eine herrliche Zeit, eine Zeit, in der Friedhofsbesuche noch nicht als Klischee verschrien waren und das Gros des Schwarzvolkes noch nicht so vergänglichkeitsverachtend wie all die Normalos war, von denen man sich unverstanden fühlte. Eine Romantik, die synkretistisch das Gefühlvollste aus drei Jahrhunderten vereinte und noch weiter zurück auf die Gotik des Mittelalters schaute.

Der süße tiefgehende Wahnsinn von Stillste Stund, die schmerzhaft schneidende Ästhetik Sopor Aeternus, der krankhafte Größenwahn Alexander Kaschtes, die nach klaren Vollmondnächten klingenden Klanggewebe von Dark Sanctuary, ... , lassen auch heute noch lächelnde, beruhigende und schmerzhaft sehnsuchtsvolle Gänsehaut bei mir entstehen. Obwohl heute dem Begriff das Wort fehlt ist das Gefühl immer noch da. Mehr noch, das verspielte Ausprobieren wich im Laufe der Jahre wirklich ernsthafter Auseinandersetzung, vor allem mit Tod, Mythen, Vergänglichkeit, Geschichte, Kunst, menschlichen Abgründen und der menschlichen Seele, so dass heute an Stelle des Wortes etwas anderes steht. Etwas, dass damals trotz allem Wunschdenkens ein kümmerliches Dasein im Hintergrund fristete: „Ich“.

Ohne dem, was mal gothic war, wäre ich nicht der der ich heute bin. Ich wäre nicht hier, wo ich heute bin. Vielleicht wäre ich nicht mal ich, sondern irgendeine graue Alltagsmaus, angepasst und geistig eklig. Gothik.. ein verkommenes, mehrfach gestorbenes Wort, dass als namenloses Gefühl dennoch in der Lage ist über seinen Tod hinaus fortzubestehen. Namenlos und tot, doch erweitert um verfeinerte Wahrnehmung und etikettenlos gelebt wahrlich unsterblich. Vielleicht war ich damals noch zu jung es zu verstehen. Aber jener süße melancholische Weltschmerz, der eigentlich mitfühlende Sehnsucht heißt, braucht kein Etikett, sprengt jede Schublade und wird es auch in hundert Jahren geben. Die Etiketten wandeln sich, doch das Gefühl kann nicht sterben.
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rosenkind[QUOTE]Aber jener süße melancholische Weltschmerz, der eigentlich mitfühlende Sehnsucht heißt, braucht kein Etikett, sprengt jede Schublade und wird es auch in hundert Jahren geben.[B] Die Etiketten wandeln sich, doch das Gefühl kann nicht sterben.[/B] [/QUOTE]

Eine Auge, das eine verfallene gotische Ruine, die vom Kerzenlicht beschienen wird, in gedankenversunkener Andacht betrachtet, braucht es einen Namen, um die Magie dieses Moments zu sehen?
Ein Seele, die sich an den poetischen Worten eines alten Gedichts berauscht, die Melancholie sich durchfluten lässt, den Wohlklang genießend jedes Wort bis auf die Tiefe des Geistes austrinkt, braucht sie einen Namen, um diesen Moment zu fühlen?
Ein Blatt eines uralten Baumes leuchtend rot, orange und gelb vereinend, wirbelnd im Wind des beginnenenden Herbstes, eine Hand, die seinen Tanz auf einer weißen Leinwand in Farbe bannt, braucht sie einen Namen, um sich von der Schönheit der Natur inspirieren zu lassen?

Gothic ist tot - und kann nie sterben. Denn Gothic ist nicht existent. Gothic ist nur ein Wort, eine Bezeichnung, nicht ihr Inhalt (der leider viel zu oft damit verwechselt wird). Wenn sich in der Ruine zwei Augenpaare treffen, wenn zwei Geister ein Gedicht lesen und wenn ein Mensch das Bild des anderen mit den gleichen Gefühlen betrachtet, was braucht es da noch ein "Gothic"?.
neko-chanAuch wenn hier schon länger nichts mehr geschrieben wurde:

Erst mal zum eigentlichen Thema.
Ich glaube man ist nicht weniger, nennen wir es mal "Schwarz", wenn man manchmal Farbe trägt, egal auf welche Art. Man muss nicht 24/7 in schwarzen Samt gehüllt sein um "im Club" zu sein, ich denke da sind wir uns alle einig. Ich trage auch gerne Comic-Shirts, die sind meistens auch nicht besonders dunkel ;)

Zu Phoenix:

Stimmt, absolut. Auch wenn ich es weniger blumig ausdrücken würde.
Ich selbst bin sehr früh mit der Szene in Kontakt gekommen, damals mit 15. Und ich hatte großes Glück auf Menschen zu treffen, die freundlich, offen, gebildet, sensibel und kreativ waren.
Zumindest gefühlt waren damals mehr davon in der schwarzen Szene zu finden, ob das wirklich so ist kann ich nicht sagen.

Allerdings:
Good Lord, es ist eine Musikszene! Das war sie schon immer, seit den 80ern!
Und keiner kann mir sagen das das eine Lebenseinstellung ist, die ist für jeden ohnehin individuell.
Das es einen modischen Aspekt dabei gibt, klar, eine gewisse Ästhetik, natürlich! Ich spreche auch nicht ab das sich wohl vermehrt Menschen mit ähnlichen Gesinnungen etc. davon angezogen fühlen. Und natürlich gehen mir viele Veränderungen im laufe der Jahre gegen den Strich. Aber im Grunde sollte man darin einfach sehen was es ist, eine Musikszene.

Tut mir Leid, aber das musste mal gesagt werden.
Herz Ass[QUOTE]es ist eine Musikszene[/QUOTE]

aber ganz und garnicht :o
aber so ne diskussion müsste hier doch bestimmt schon irgendwo sein... hmm :rolleyes:
Fuck up EvilIch konnte mich noch nie als eine Goth bezeichnen, ich mag die Musik...
angefangen mit EBM, wobei ich noch gar nicht wusste wie das hieß.
erst sehr viel später, hat mir ein "richtiger" Goth auf der Arbeit erklärt, dass diese Musik unter anderen in "seiner " Szene beheimatet sei.
Ich war auch sehr überrascht, aber als ich mit ihm in einige Clubs ging wurde ich eines besseren belehrt.

Ich teile aber bis heute nach wie vor nur das Element Musik mit der Szene, der Rest geht mir am A..... vorbei.

Da mein Musikgeschmack aber von Britney Spears bis Genocide Organ reicht, habe ich nicht nur die EBM um auf neue Entwicklungen zu hoffen.
Herz Assnaja bei mir is des praktisch umgekehrt
ich mag die musik die man hier vorgesetzt bekommt meistens überhaupt net xD

wenn man nur in der musik verbindung findet, dann wendet man sich dann ab, wenn einem die musik nicht mehr gefällt

hm...
Fuck up Evil[QUOTE][i]Original geschrieben von Herz Ass [/i]
[B]
...
wenn man nur in der musik verbindung findet, dann wendet man sich dann ab, wenn einem die musik nicht mehr gefällt
... [/B][/QUOTE]

Ich würde Dir voll und ganz Recht geben, wenn man sich nur auf eine Stilrichtung beschränkt.
Ich habe aber z.B. nach vielen Jahren erst den Neofolk entdeckt... und somit ein weitere Tür geöffnet, ich kann auch Wochen ohne Song aus der "Szene" auskommen und dann wieder mit Leidenschaft und Genuß 242, Skinny Puppy ohne Ende hören.

Aber gut, wenn Dir keine Sparte der Musik mehr gefällt, wird es eng, dann bleibt nur noch die Mode, denn auf diesen beiden Eckfeilern ruht die "Szene".
.....( meiner Meinung nach...)
:rolleyes:
rosenkind[B]Die[/B] Szene gibt es nicht. Unter "Gothic" subsumieren sich inzwischen sicherlich an die 1000 Szenen. Von [B]der[/B] Szene zu sprechen hat ungefär die gleiche Qualität wie von [B]dem[/B] Menschen zu sprechen...
neko-chan[QUOTE]Aber gut, wenn Dir keine Sparte der Musik mehr gefällt, wird es eng, dann bleibt nur noch die Mode, denn auf diesen beiden Eckfeilern ruht die "Szene".[/QUOTE]
Ganz deiner Meinung! ^.^
@rosenkind
Haarspalterei. Ich denke mal, das ist uns allen klar. Wenn jetzt aber jede einzelne berücksichtigt wird kannst du einen Roman verfassen. Allerdings kannst du auch anfangen alles genau zu definieren bevor wir weiterreden. Feel free! ^.^
@Herz Ass
Die Frage die man sich doch nach all diesen Beiträgen stellt ist: Ab welchem Zeitpunkt gehört man nicht mehr dazu? Und da führen mich meine Überlegungen schlussendlich zu der Musik.
rosenkindDas ist keine Haarspalterei. Gruppen, die weder musikalisch, noch im Kleidungsstil und erst recht nicht in der ohnehin schon höchst individuellen Lebenseinstellung Gemeinsamkeiten haben, kann man kaum als [B]eine[/B] Szene beizeichnen.
neko-chanAaaaja...
als Oberbegriff finde ich das durchaus in Ordnung. Und wie du selbst sagtest, es gibt Unterkategorien. Die genaue Definition ändert allerdings nichts am Thema oder deren Schlussfolgerungen (zur Erinnerung: kann man dem entwachsen und wenn ja, ab wann) da es sich im Prinzip auf jede der verschiedenen Subkulturen übertragen läßt. Folglich hat dein Einwurf keine Relevanz für dieses Thema.
(ach ja, bitte nicht böse sein und nicht persönlich nehmen, ich diskutiere nur gerne :) )
PemphredoNEEEIIIIN!! Ich werde NIEMALS erwachsen! Ich will RUNTERWACHSEN! (Jaah, Emily)
Ich weiß nicht, ich find Gothic (oder zumindest das, was ich unter dem Begriff verstehe) schon seit Jahren so toll! Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich eines Tages eine langweilige Frau mittleren Alters mit einem langweiligen Job und gewöhnlichen Klamotten sein soll! Das wird nicht passieren. Ich will in schwarz Heiraten und auf meiner Beerdigung sollen die Sisters ein Lied spielen :D.
Vielleicht werde ich, wenn ich mal Mitte 30 bin und ein Kind habe, nicht in voller Gothic-Montur rausgehen, aber mein Herz schlägt für die Dunkelheit. Für immer.
Es kommt gar nicht so sehr auf die Kleidung an. Es kommt auf das Gefühl an.
rainravenDas hab ich mit 15 auch gedacht, as ich noch Metal hörte. :D
Mit 20 wars dann vorbei...
solipsismus@rainraven
Aber nicht das irgendwie anders leben, gelle? ;)
smart_hicksHaha, ist dem Threadersteller noch nicht aufgefallen, dass sich in diesem Forum meist nur alte Säcke - mich eingeschlossen - herumtummeln. Das sind doch die - mich ausgeschlossen - ganz truen Gothics, die ja sagen, dass der "Nachwuchs" nichts mit Gothic zu tun hat, also kann man davon ausgehen, dass man nur mit 25+ ein richtiger Gothic sein kann, darunter ist alles nur Wannabe- und Kommerz-Kacke. Du wirst also nicht rauswachsen sondern eventuell reinwachsen :).


Was für ein lustiger Thread.


Gruß

Hicks
NebeltaenzerinIrgendwie stimme ich jedem von euch zu, auch bezüglich des Inhaltes der Szenenbezeichnung.
Ich habe festgestellt, dass ich wirklich ohne es zu merken von der ganzen Szene weggedriftet bin. Während ich mich Wissenschaftlich hauptsächlich mit ihr beschäftigt habe, sah ich äußerlich doch immer mehr nach Hippi aus. :) Trotzdem hätte ich nie über mich selbst gesagt, dass ich plötzlich "bunt" geworden wäre.
Mittlerweile orientiert sich der Kleidungsstil wieder zurück, während die Musik und die "Lebenseinstellung" relativ konstant geblieben sind.

Für mich ist das ganze (ich mochte den Ausdruck Gothic noch nie und zähle mich zur not entweder zu den Schwatten oder zu den Metallern) irgendwie viel mehr ein Weg mich auszudrücken. Es ist mein Stil und er passt merkwürdiger weise zu den anderen. Wie rosenkind schon sagte, viele vom gleichen Schlag finden sich zusammen. Von mir aus auch in Kleingruppen.

Aber zur Anfangsfrage: Klar verändert sich das verhältnis zu der Musik und der Kleidung ab dem 10ten Lebensjahr. Wäre ja auch schlimm wenn nicht. Wenn man ab einem Punkt nichts mehr mit einer Sache anfangen kann, was ist schlimm daran? Wir müssen wir selbst bleiben, wenn wir damit eine gewisse Schnittmenge der Interessen untereinander entdecken ist das etwas dass uns Zusammengehörigkeitsgefühl vermittelt, aber uns zu nichts zwingt, schon gar nicht zu einer Marke. Das einzige Label das ich tragen möchte ist mein eigenes.

und vielleicht ist es genau das was sich wohl am meisten geändert hat. Die Bezeichnung dessen was ich bin, lehnt sich nur noch der Einfachkeit halber an Überbegriffe an, ansonsten werde ich mit vorliebe in keine Schublade gesteckt. Früher, war mir das sicherlich sehr sehr viel wichtiger zu einer Gruppe zugeordnet zu werden.
Vorwärts FDJ![QUOTE][i]Original geschrieben von Fuck up Evil [/i]
[B]erst sehr viel später, hat mir ein "richtiger" Goth auf der Arbeit erklärt, dass diese Musik unter anderen in "seiner " Szene beheimatet sei.[/B][/QUOTE]
War bestimmt ein Fehlgeleiteter. Ich kenne keinen EBM-Fan, der sich mit der Grufti-Szene identifiziert hätte. Im Gegenteil. Was EBM-Leute von Goths hielten, konnte man schon 1988 in den Leserbriefen der Zeitschrift SPEX nachlesen.

Wie dein Goth auf die Idee kommt, EBM gehöre zu seiner Szene, ist mir deshalb schleierhaft. Ich denke mir, dieser Irrglauben rührt daher, weil früher im Club alles kreuz und quer durch den Gemüsegarten gespielt wurde. Goth, Psychobilly, Ska, EBM... ein Teil dieser Stile verschwand irgendwann, EBM blieb halt noch ein wenig länger.

[QUOTE][i]Original geschrieben von rainraven [/i]
[B]Das hab ich mit 15 auch gedacht, as ich noch Metal hörte. :D
Mit 20 wars dann vorbei... [/B][/QUOTE]
Ich dachte, du kamst aus der Techno-Szene. oO
Darf ich mal fragen, wie oft du die Szene gewechselt hast?
hagzissa13ich bin erst nach der Pubertät dazugestoßen, so mit 22/23, damals jedoch ohne mir bewußt zu sein, daß es eine "Szene" zu meinem "Hang zu schwarz" gibt. Die habe ich erst später gefunden, in der Zeit, als ich mich hier registrierte. Ich bin jetzt Mitte 30 und "Gothic" ist für mich nur ein Name, mit dem ich von außen identifiziert werde, mich aber selber nicht damit identifiziere. Ich nenne es allgemein "schwarze Lebensweise" und die ist für mich szeneunabhängig. Ich stehe weder auf dieses Cybergedöns mit Schweißerbrille, Neonkopfschmuck und Gesichtsvermummung, noch auf lange walle-walle-Röcke, Samt und Rüschen. Alles nicht mein Ding.
Ich denke, wenn man "Gothic" nicht als Szene, deren Mode man mitmacht betrachtet, sondern die Lebenseinstellung und das Lebensgefühl lebt, dann ist es auch kein kurzer "Trip" in irgendeine Szene, die einem irgendwie über den Weg lief und wo man irgendwie reunrutschte, sondern es ist eine Lebenseinstellung, wie jede andere auch. Und die ändern sich nicht so schnell....
ShainaMartelGut, ich bin ebenfalls der Meinung, dass man Lebensgefühl und -einstellung grundlegend nicht ablegt.

Aaaah.... mir ging's grade hauptsächlich um die obige Frage, die ich gerade gelöscht habe, weil ich sie mir mit meiner Antwort selbst beantwortet habe, aber ich gehe auch mal auf den ersten Post ein. ;)

Auch ältere Menschen hören Musik. Auch ältere Menschen tragen gerne Kleidung, in der sie sich wohlfühlen. Wenn nicht, ist das lediglich durch den Schleier der Anpassung verdeckt, auf dass man bloß nicht anders ist als andere - und ich denke, diese unreife Denkweise werden wir hier alle schon abgelegt haben. Und Menschen sind verschieden. Daher weiß ich nicht, warum man seine individuellen Vorlieben nicht weiterhin ausleben soll, auch wenn man älter wird? (Ja, ich beziehe das nun auf den Lifestyle... :P) Ein düsterromantisches Lebensgefühl ist Teil eines Menschen, sowas legt man m.E. nicht ab.

Um mich persönlich als Beispiel zu nehmen, ich werde bald 20 und fühle mich in bunter Kleidung [B]gar nicht[/B] wohl. Ich gehöre zu den wenigen, die wirklich nahezu nur Schwarz tragen. Das sage ich nun nicht, um die schwarze Flagge hochzuhalten oder mich mit meinem ach so schwarzen Charakter zu profilieren, das sage ich, weil es der Wahrheit entspricht. Schwarz bedeutet für mich Einstellung, Abgrenzung, Lebensgefühl, Kreativität, Anmut... eben sehr vieles.
Aber nur weil es für mich so viel bedeutet, heißt das nicht, dass es jeder "Schwarze" so sehen muss. Wenn man bei Schwarzes Glück (schreib's mal aus, damit die ganzen Altgrufts folgen können) liest, wie viele in ihrem Profil stehen haben, "Was bedeutet Gothic dir? -> Nen Sc*eißdreck"... :rolleyes: (Der Smiley sei hier gepostet, weil die, die lediglich das Etikett ablehnen, sich immerhin gehobener ausdrücken könnten ;))

Daher denke ich, dass es stark vom Individuum abhängt. Die einen können sich stärker mit dem schwarzen Lebensgefühl identifizieren, die anderen weniger stark - bei manchen wechselt es vielleicht auch, wobei man beachten muss, dass jeder Mensch ja auch gefühlsmäßig verschiedene Phasen durchmacht. Wobei dieses "schwarze" Lebensgefühl ja nicht mal eindeutig definiert ist - was ist es, schwarzer Humor, Schwarze Romantik, Melancholie, Interesse an Philosophie und Okkultismus, Abgrenzung, Protest? Für jeden bedeutet es etwas anderes, für den einen mehr, für den anderen weniger. Daher denke ich, dass du einfach abwarten musst, ob du dich weiterhin mit dem Ganzen identifizieren kannst oder nicht. Vielleicht ja auch nur zum Teil. Bei mir habe ich eher das Gefühl, dass es immer stärker wird... Mein Interesse an -speziell alter- Szene-Musik, düsteren Themen und den verschiedensten Leuten der "Gruft-Szene" wächst von Tag zu Tag. Und die Pubertät ist bei mir schon vorbei. ;)
Also warte auch du einfach ab - genau prophezeien kann dir hier wohl keiner, wie du dich weiterhin entwickeln wirst ;)
Eisblume7Wenn ich länger drüber nachdenke, ist es wohl einfach so, dass ich offener wurde. Ich suche einfach mitlerweile nach dem Individuum, relativ unabhängig von der szene. Ich mag es langsam einfach wenn es anders aussieht, deshalb hat mich die Gothic szene so fasziniert, es war neu für mich! Und es gibt auch sehr viel darin zu entdecken. Doch ich habe die Augen jetzt offener quasi. Die visual kei szene sucht gerade zu danach anders auszusehen als alles andere (meiner meinung nach ist es wohl auch der kleidungsstil, der am schwersten zu imitieren ist - bemerke, die szene bezieht sich im vergleich zu J-rock nur auf die kleidung)
Oder Gothic lolitas, cyber goths die ich nicht wirklich als gothics sehe (halt nur meine meinung) sind genauso faszinierend oder reggae..

Mir ist es eigendlich denk ich einfach zu wichtig geworden, dass man eben nicht zu einer Szene gehört, sondern sich selbst so individuel wie möglich zu geben.. Sprich von überall mal was nimmt, und es für sich richtig zu mischen damit der eigene Style hervorkommt. Ich denke so wird man in seinem persönlich besten Lebensweg am wenigsten vom schubladen denken beeinflusst..
rosenkind[QUOTE]lso kann man davon ausgehen, dass man nur mit 25+ ein richtiger Gothic sein kann, darunter ist alles nur Wannabe- und Kommerz-Kacke.[/QUOTE]

verdammt, ein Jahr zu spät geboren :D

@ShainaMartel
Aus einer Szene rauszuwachsen heißt ja auch nicht, aus einem Lebensgefühl rauszuwachsen, es bedeutet nur einfach zu erkennen, dass mit den Jahren das selbstgesponnene Korsett zu eng wurde. Ich habe schon vor meiner Gruftiezeit Dinge getan, die ich heute immernoch tue und werde es danach wohl immernoch tun.

übrigens fühle ich mich in bunter Kleidung auch nicht sonderlich wohl, das heißt, in komplett bunter Kleidung, ein Teil muss immer schwarz sein, außer ich bin kostümiert. Farbe hat für mich so etwas wie Farbe bekennen, blutrot transportiert eine andere Stimmung als grün. Und ich fühle mich in Farbe irgendwie "nackt" und "durchsichtig", außerdem festgelegt und eingeschränkt. Sicherlich transportiert auch schwarz eine Stimmung, aber schwarz ist für mich viel neutraler als alle anderen Farben, es schluckt sie alle, es passt zu allen, es kann in jede Richtung gehen, unter schwarz kann sich rot und grün und gleb und blau gleichzeitig verbergen, aber wenn ich rot trage, kann sich darunter kein grün verbergen. Deswegen muss bei mir immer etwas schwarz dabei sein, um mich dem "Farben bekennen" entziehen zu können. ;)
SenecaIch glaube ja eher dass man nur unter 30 ein richtiger "Goth" sein kann (Jugendszene), wenn man sich über 30 noch immer so sieht ist das ein Problem. Ich bin z.B. schon alleine von Figurtyp aus der Szene rausgewachsen. ich habe ja schon früher imwer gesagt...Gothic ist im Idealfall nur der Anfang, der Rest entwickelt sich bis man ausgewachener Exzentriker ist oder sich in die StiNo Gesellschaft reintegriert hat und nur zum WGT etc. mal einen auf Grufti macht...so halten es nämlich die allermeisten Ü-30er...das könnte ich mal glauben.
JulyaOh-oh, dann hab ich noch ein knappes halbes Jahr! :D
rosenkind[QUOTE]Ich glaube ja eher dass man nur unter 30 ein richtiger "Goth" sein kann [/QUOTE]

wir halten also fest, die Zeit, die ein Mensch maximal Goth sein kann, ist auf 5 Jahre begrenzt, genauer gesagt die Altersspanne von 25 bis 29 :D. Na dann freue ich mich mal auf meinen nächsten Geburtstag
rainraven[QUOTE][i]Original geschrieben von Vorwärts FDJ! [/i]
[B]
Ich dachte, du kamst aus der Techno-Szene. oO
Darf ich mal fragen, wie oft du die Szene gewechselt hast? [/B][/QUOTE]


Darfst Du, obwohl ich es so nicht nennen würde. "Die Szene wechseln", das klingt so wie "jeden Tag Unterwäsche wechseln".

Eine "Szene", im Sinne von "ich kenne andere, insbesondere Freunde, die ebenso oder ähnlich sind wie ich und dasselbe mögen oder mit mir auf einer Wellenlänge sind", hatte ich vor der Schwarzen Szene nicht. Meist hab ich mein eigenes Ding durchgezogen. (Mach ich heute auch noch, aber inzwischen wird es akzeptiert, sogar geschätzt und eine Menge Leute kennen mich gerade deswegen... ;) )

Von ca. 13 bis 20 Jahren war ich Hardrock-und Metal-Fan, vor allem Alice Cooper war meine Welt.
Danach hab ich auch privat einige Veränderungen und Neuorientierungen durchgemacht und kam Anfang 20 in meinem Studium über "Independent", wie man es nennen mag, an Leute, die eher Goa, Trance, Ethno und Techno hörten. Mein damaliger Freund entstammte dieser Szene. Mit den Leuten konnte ich zwar privat nicht soviel anfangen, da sie alle recht perspektivenlos und permanent auf Drogen waren (es waren eher Hippies oder "Alternative" als das, was man so unter "Raver"versteht), aber die abgefahrene und "Underground"-Partykultur, bei der man selber kreativ werden konnte und die so ganz anders (namentlich auch eher Kunsthappening, Ausstellung, Performance etc.)war als das, was Otto Normalverbraucher in seiner drögen Charts-Disco bekommt, vor allem gepaart mit genau diesem fetten Beat, der mich antrieb, zog mich sehr an.

Musik wie Neubauten, Cure, Sisters und Synthipop habe ich aber bereits während meiner Hardrockzeit sehr gern gehabt und hatte damals schon den Eindruck, es gäbe da irgendwo eine Türe zu einer Welt, die ich nur nicht finde. "Grufties" habe ich damals immer von fern bewundert, damals waren diese Menschen auch noch sehr ästhetisch und zerbrechlich und wirkten selbst wie Kunstwerke. (Vor allem im Vergleich zu den zottigen, biertrinkenden, prolligen, rüpeligen Hardrockern. :D )

Da ich meinen Freund damals leider auch an Drogen verlor, mußte/wollte ich von dieser Szene weg und mein bester Freund, ein Waver, hat mich sozusagen "auf den richtigen Pfad "geführt. Mein erste Begegnung mit der "Schwarzen Szene" fühlte sich an wie ein Heimkommen. Die Leute, die ich dort kennenlernte, waren zumeist sehr vernünftig, sehr offen, umgänglich und paßten halt zu mir, was ich lange nicht erlebt hatte. (Inzwischen weiß ich zwar, daß es in fast jeder Szene Arschlöcher und Goldstücke gibt, was nicht unbedingt mit der Szene an sich zu tun haben muß.)
Vor allem befinde ich mich heute, mit fortgeschrittenem Alter, seit 13 oder 14 Jahren in dieser, habe meinen festen Platz und mein festes Gefüge darin und weiß, was "Szene" wirklich sein kann, und es fühlt sich nicht so an, als würde ich was anderes machen oder sein wollen als das, was ich bin...

Wenn sich das mal ändert, ist es vermutlich auch okay, aber ich denke nicht, daß es das tut. Ich hab nur allmählich Probleme mit meiner Weltanschauung und meinem Selbstgefühl, da ich immer noch so denke, als wären Menschen jenseits der 35 zu alt für eine "Szene", auf der anderen Seite ändert sich aber mein Interesse und meine Vorlieben nicht und ich lebe immer noch gerne so wie vor 10 Jahren, bloß, daß mir allmählich äußere Umstände einen Strich durch die Rechung machen. :(
incognitaHmm...

Ich bin im März 40 geworden - ich saß im dunkeln, ganz allein in einer Zimmerecke und hab mir eine Flasche Wein an den Kopf gehalten.
War an meinem 30. ganz ähnlich.

Ich hab mich schon vorher von teilen meiner "GothicOptik" getrennt,
hatte z.B. 5 Piercings im Gesicht - hab sie raus geschraubt, habe früher NUR Kleider getragen, trage heute Jeans und zur Arbeit auch immer wieder mal Weiß und bin nicht daran gestorben.

Im Gegenteil - ich hatte es irgendwann satt das die Menschen Angst vor mir hatten - mich als Hexe, Satanistin etc. beschimpfen.
Ich wollte nicht immer DIE HEXE sein - sondern einfach mal ICH und auch als solche gesehen werden.

Ich mag immer noch die Musik, ich mag die Partys (wenn ich sie auch nur selten besuche) ich mag es immer noch zu schreiben, liebe meine Schädelsammlung und meinen schwarzen Humor habe ich nach wie vor.

Aber ich mag heute auch Sonne, Lachen, draußen sein, leben genießen und fröhlich sein, ja sagen zum Leben und mich dafür nicht schämen und vor allem mag ich meine Sommersprossen auf der Nase :-)

Ich werde niemals diejenige die sich weiße Gardinchen ans Fenster hängt und auch nie diejenige die Blümchenkleider trägt - dafür ist die Trauer über meine geliebten Menschen zu groß - aber ich bin heute jemand der sich nicht mehr hinter einer sehr harten Schale verstecken muß!

Ich bin ich und das ist gut so wie es bislang geworden ist:-)
...mal sehen was da noch so kommt:-)
TheSiren"Aber ich mag heute auch Sonne, Lachen, draußen sein, leben genießen und fröhlich sein, ja sagen zum Leben "


Das geht natürlich nicht, wenn man Gothic ist und nur schwarz trägt. Schon klar.
incognitaFür mich ging das nicht!

Ich habe Nachts gelebt, die Sonne gemieden, Nachts gearbeitet ...
und hatte eher einen depressiven Lebenswandel ...

..und he - mal ehrlich - die meißten Gothen fangen bei Sonne an zu schreien von wegen "Sonne macht albern" - "Viel zu hell" - "verdirbt den blassen Teint" und rennen mit Regenschirm bei Sonne herum ...

etc. etc.

..und schreiben viele nicht ständig von Einsamkeit, Tod, Traurigkeit, Suizid?
Ist wohl auch nicht unbedingt bei gnadenloser Lebensfreude einzuordnen ...

Es sei denn sie singen kumbaya my lord wenn sie von dem Stuhl springen ..*dann vielleicht.

Kann Mensch aber einordnen wie er will - letzendlich geht jeder seiner eigenen Wege die er für richtig hält.

...
TheSirenKlarer Fall von selber Schuld.
Ich achte auch auf meine Blässe, trage nur schwarz und versinke gerne in Melancholie. Und dennoch mag ich den Sommer und bin ein lustiger Pausenclown.

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