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  Forum: lebens : ART
    Thema: Underground
NahtodAlso um mal ehrlich zu sein: Gibt es in der heutigen Zeit noch so etwas wie nen Underground? Die letzten Lebenszeichen einer Underground-Bewegung starben meines Erachtens Anfang/Mitte der 90er mit dem Tod Kurt Cobains. Zumindest empfand ich, daß Grunge die letzte Musikrichtung war, die ein Underground-Lebensgefühl verkörperte - zumindest bevor auch dieses Genre von MTV und Viva ausgeschlachtet wurde. Meine besten persönlichen Erfahrungen mit nem Untergrund-Lebensgefühl hatte ich von 1989 bis 1992 durch den damaligen Techno- und Hip Hop-Sound. Gut, ich war gerade mal in der Pubertät, hatte aber ein Gespür dafür. Der Klang von Polizei- und Luftalarmsirenen, fetzige Sprachsamples, düstere Melodien,... etc. ließen in mir Bilder von Dark-Future-Szenarien a'la Terminator und Blade-Runner entstehen. Hinzu kam, daß diese Mucke seinerzeit gut zu Ostdeutschland passte, wo die Häuser zerfielen, Fabriken die Umwelt verpesteten und alles nach Endzeit aussah (natürlich bevor uns Helmut Kohl die blühenden Landschaften bescherte, lol) Naja, seit Mitte der 90er geht es nach meinem Gefühl nur noch um Selbstinszenierung, Erfolg um jeden Preis und den ganzen Scheiß. Die deepe Atmosphäre ging verloren zugunsten einer leeren, langweiligen und oberflächlichen Maskerade.

Dieser Thread soll einfach mal ein Sammelbecken werden für Erinnerungen und Reflektionen über das einstige Leben im Underground. Es soll dabei egal sein, ob es sich um Grufties, Punks und Skins, Raver, Hip-Hopper, Grunger, Metaler, was auch immer dreht... Lasst einfach Euren Erinnerungen freien Lauf und tragt mit dazu bei, die heutige oberflächliche Zeit wieder mit mehr Spirit zu füllen.
SenecaAlso ich fühle mich total underground. Ich packe gerade meine Sachen und ziehe mit ein paar anderen Glaubensbrüdern raus in den Regenwald in's Terrorcamp. Wir sehen uns auf YouTube.

Underground is schwer definierbar, Nahtod.
Grunge und Nirvana ware genaugenommen schon Pop zu meiner Zeit als ich noch mit Austeigern und Hippies unterwegs war.

Zu der Zeit hingst Du ja bei den Ravern ab...und wir fühlten uns als Untergrund weil wir quasi schon beim Aufstehen gegen Gesetzen udn die öffentliche Ordnung verstießen...beim Schlafen allerdings auch.

Eins hab ich gelernt...der Mainstream holt Dich überal ein, zuerst auf dem Mount Evererest and dann in der Gosse hinten Bahnhof wo die Stars in ihrer eigen Kotze liegen, aber mit Bodyguard, und im Adlon den Lebenstil einer Obdachlosen Junkies führen, dafür aber kräftig bezahlen.
NahtodJa, ich denke auch, daß Underground eher ein persönliches Lebensgefühl darstellt, was man wohl noch am ehesten in der Pubertät verkörpert, bevor man mit den Zwängen der Gesellschaft konfrontiert wird, was spätestens bei der erstn Ausbildung geschieht. Ich selbst habs da eigentlich auch ganz gut getroffen zur Zeit, denn als Erwerbsunfähiger bin ich auch ziemlich im Abseits der Gesellschaft. Naja und durch meinen weitest gehenden Medienverzicht komm ich auch nicht groß mit dem Gedankengut dieses Systems in Kontakt. Aber ich bereue trotzdem irgendwo, daß ich nicht mehr so ein deepes Feeling habe. Die Zeit, wo ich 13-17 war aber auch von 18-23, kommt mir aus jetziger Sicht wie ein verwunschenes Märchenland vor. Und selbst wenn ich alte Mucke von damals anhöre, komm ich nicht wieder in den einstigen Flow. Find ich total schade. Zur Zeit weiß ich nämlich echt nicht, wie ich mir irgend ein geistiges Obdach basteln soll... Und um noch mal auf Techno zurückzukommen: Ich hatte das damals echt nicht gemerkt, wie so langsam schleichend sich die komplette Szene dem Ausverkauf annäherte. Erst als es schon zu spät war, bin ich aufgewacht und wunderte mich nur und war enttäuscht, wo es mich hingebracht hatte. Das war 1994, wo ich mich dann auch von Techno und Co. für immer verbschiedete und stattdessen Punk, Metal, Grunge, etc. hörte und bei den "Zecken" landete.
Demon17Na Gothic hat jedenfalls mit Underground nicht mehr viel zu tun. Die Zeiten der alten Clubs sind sowieso vorbei und Underground existiert sowieso nur in rechtsfreien Räumen, die inzwischen auf eine ziemlich miese Art und Weise kommerzialisiert wurden. Außerdem ist es ziemlich langweilig immer wieder dieselben gruppendynamischen Prozesse mitzumachen. Es sind halt auch nur Menschen und die wenigsten sind in der Lage über Jahrzehnte Underground zu sein und sich das Elend von Leib zu halten. Es gehört ja auch ein gewisser Überfluss dazu, um etwas unternehmen zu können, keine Geldsorgen zu haben um gedankenlos in den Tag hineinleben zu können. So nach 10-15 Jahren ist das ja auch nur ein ziemlich langweiliger Alltag. Das ist überhaupt das Problem, alles wird Alltag, egal was man macht. Insofern sollte man darauf achten nicht zu sehr in den immer gleichen Bahnen zu leben. Ich denke, das gibt dem Leben am meisten. Naturtripps sind zum Beisoiel so eine Abwechslung. Wenn man nach einer Woche in Gebäuden mal den ganzen Tag draussen ist, ist das wirklich belebend.
NahtodJa, vielleicht ist meine Zeit mit meinen an die 34 Lenzen da auch schon vorbei und ich muss mich mit meinem Platz in einer langweiligen Spießergemeinde wohl schonmal anfreunden. Denn auch bei den mir gebliebenen Kumpels zeichnet sich Einöde, Tristesse, Ratlosigkeit, Orientierungslosigkeit, Leere, Langeweile,... ab. Es geht einfach nix mehr groß, was einen irgendwie noch begeistern könnte. Alles entweder zu abgekaut oder viel zu tief verschüttet. Der Fluch des Erwachsenenseins hat uns wohl nun auch eingeholt, leider... Aber Moment: Ich muss nur tief genug graben, um an die Schätze meiner frühen Jugend zu gelangen. Heißt dann aber für mich auch: Ja sagen zu misanthropischen Anwandlungen wie sozialen Rückzug, Kommunikationsverweigerung, Ego-Trips,... dafür aber auch wieder geil hoch fliegen und tief tauchen. Denn ich merk grad daß es klick gemacht hat bei ner alten Houseparty-Scheibe. Verdammt nochmal yeah, ich fühl mich grad wie 14. Hoffentlich hält das ne Weile an und ist später wieder abrufbar ;)
Vorwärts FDJ![QUOTE][i]Original geschrieben von Demon17 [/i]
[B]Na Gothic hat jedenfalls mit Underground nicht mehr viel zu tun. [/B][/QUOTE]
Ganz im Gegenteil. Viele Goth-Bands sind Underground pur, haben nur Demo-Veröffentlichungen auf Internet-Basis, völlig labelunabhängig. Deren Anhängerschaft zählt in Deutschland vielleicht ein paar Tausend. Gothic ist tiefster Untergrund.

Man sollte natürlich von diesem trendy Spackengesindel unterscheiden können, das sowieso kaum Gothic-Bezüge aufweist. Das sind und bleiben Raver, Schlagerhansel und verkappte Metalheads. Eine irrelevante Nebenbewegung, die mit falschen Etiketten hantiert. Drauf geschissen. Irgendwann stirbt der Dreck auch noch aus.
NahtodDu vergisst, daß es auch im Techno-Sektor, im Metal, und wer weiß vielleicht auch im Schlager-Bereich ne Menge Künstler gibt, die nicht vertraglich an ein Major-Label gebunden sind. Aber ich meinte mit Underground nicht den wirtschaftlichen Aspekt, sondern eher den ideellen. Was soviel heißt, daß seit Mitte der 90er irgendwie alles zu sehr plakativ nach außen getragen wird. Unter Underground verstehe ich, daß man entweder allein oder in kleinen konspirativen Kreisen sich einem Feeling/ner Atmosphäre/nem Film hingibt, der sich in einer Art mystischen Zwischen-/Unterwelt abspielt. So jedenfalls definiere ich Underground für mich, wenn ich damit ein Lebensgefühl meine.
Vorwärts FDJ!Techno, Schlager, Metal leben weniger vom Untergrund als vielmehr von ihren Zugpferden. Sven Väth, Westbam, Tanith, Talla 2XLC etc., Heino, Nicki, Stefanie Hertel, Stefan Mross etc., Metallica, Manowar, Iron Maiden, etc.

Das gibt es im Gothic nicht. Es gibt derzeit keine Gothic-Zugpferde. Alles spielt sich im Untergrund ab. Das Feeling ensteht dann auf den entsprechenden Kleinveranstaltungen, Motto-Parties, weitab von Matrix, K17, WGT und Co.

Untergrund hat im Übrigen nix mit Mystik zu tun.
NahtodFür mich umgibt den Untergrund schon eine mystische Aura. Sozusagen ein dunkler Schleier, der einen vor den "Wächtern" bewahrt. Dieses Gefühl hatte ich sowohl als ich als 13-jähriger jede Samstag-Nacht vorm Radio saß und mit Kasette die "Dancehall" und "Nightflight" von Jugendradio DT64 aufnahm. Aber auch später als ich im linksalternativen Spektrum unterwegs war und durch die Jugendhäuser der Gegend tingelte.
smart_hicks[QUOTE][i]Original geschrieben von Vorwärts FDJ! [/i]
[B]Techno, Schlager, Metal leben weniger vom Untergrund als vielmehr von ihren Zugpferden. Sven Väth, Westbam, Tanith, Talla 2XLC etc., Heino, Nicki, Stefanie Hertel, Stefan Mross etc., Metallica, Manowar, Iron Maiden, etc.

Das gibt es im Gothic nicht. Es gibt derzeit keine Gothic-Zugpferde. Alles spielt sich im Untergrund ab. Das Feeling ensteht dann auf den entsprechenden Kleinveranstaltungen, Motto-Parties, weitab von Matrix, K17, WGT und Co.

Untergrund hat im Übrigen nix mit Mystik zu tun. [/B][/QUOTE]

In Bezug auf Metal kannst Du das nicht verallgemeinern (ich denke mal, Du hast Dich auch nicht ausreichend damit beschäftigt - verständlich, wenn Du die Musikrichtung im Gesamten kacke findest). Dort gibt es ALLES, von Hochglanz-Metal, wichtigen "Klassikern" (die man angeblich haben muss) bis rumpeligen Black Metal und nicht gerade populärem Doom Metal - letztere beiden eher Underground.

Und Metallica: Die findet fast jeder Metaller heute scheisse, weil die ja mit dem Black-Album, Load/Reload und St.Anger kommerzielle Zugeständnisse machten und keinen Thrash Metal mehr spielten. Mit Death Magnetic haben sie sich aber teilweise wieder in die Herzen der Metaller gespielt. Was bei Metal sehr wichtig ist, ist die Authentizität und nicht immer so sehr der Underground-Status oder Erfolg, von daher stört es die meisten nicht, wenn Bands wie Iron Maiden bekannt sind solange sie ihr Ding weiter durchziehen. Es gibt aber auch Nischen, die von der breiten Öffentlichkeit möglichst unberührt bleiben sollen, da sonst schnell "Verrat" und "Kommerz" gewittert wird.

Gruß

Hicks
MephistoXWährend dem WGT ist die Villa ziemlicher Untergrund.
In der Moritzbastei vielleicht auch noch ein ganzkleinwenig, aber dafür ist die location schon fast zu groß.
TheTurningPoint[QUOTE][i]Original geschrieben von Nahtod [/i]
Aber ich meinte mit Underground nicht den wirtschaftlichen Aspekt, sondern eher den ideellen. Was soviel heißt, daß seit Mitte der 90er irgendwie alles zu sehr plakativ nach außen getragen wird.[/QUOTE]Das hängt m.E. eng zusammen. Da wo es vorrangig um den wirtschaftlichen Aspekt geht, bleibt vom ideellen, "mystischen" Aspekt meist nicht mehr viel übrig.

Auf der anderen Seite gibt es [URL=http://die-blaue-stunde.de]"Mitbring-Parties"[/URL] und [URL=http://www.bittst.de]Open Airs,[/URL] die den Besucher wenig oder nichts kosten, auf denen ordentlich die Post abgeht ... :cool:

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